Gesellschaft,  Kommentar

Sommerliches Desinteresse?

Leitartikel BUZ 4/2018

Sommerzerstreuung: Wie Sonne und Fußball uns ablenken

25 Millionen Euro Finanzspritze. Die hat sich unser junges Bundeskabinett kürzlich zugesprochen. (Jung in Bezug auf die Zeit, seit es sich zusammenfand. Sie wissen, was ich meine.) Per Eilverfahren über eine Gesetzesänderung der Parteifinanzierung. Haben Sie nicht mitbekommen? Vielleicht liegt das daran, dass der Termin der Abstimmung mit der Eröffnung und den ersten Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft zusammen fiel. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Verschwörungstheorien und Geschwurbel sind eher weniger unser Metier, trotzdem wirken solche Hauruckaktionen intransparent, vor allem, wenn es um derartige Summen geht. Um etwa 15 % wird so der Parteienhaushalt für 2019 aufgebessert; zum Vergleich: 2018 gestand man sich gerade mal 2,2 % zu.

Eine weitere bemerkenswerte Abstimmung findet am 20.Juli im EU-Parlament statt. Es geht um den Artikel 13 des EU-Urheberrechts. Kern der Sache ist das Internetphänomen mit den sogenannten Memes. Bilder, oftmals aus bekannten Filmen, Serien usw. entlehnt, werden mit Sprüchen und Texten versehen und erhalten dadurch eine neue Botschaft. Für die Einen Quatsch, für die Anderen eine Kunstform. Dass Kunst und Satire unbestreitbar streitbare Themen sind, brauche ich wohl nicht erwähnen. Aber hier geht es um mehr: CDU-Mann Axel Voss hat eine entsprechende Eingabe formuliert, wonach nun Online-Plattformen dafür haften können, wenn Memes hochgeladen werden. Diese werden das Problem daher mit Upload-Filtern lösen. Haken an der Sache ist, dass jetzt Algorithmen darüber entscheiden sollen, was Kunst, Satire oder wirkliche Urheberrechtsverletzung ist. Woran mitunter der menschliche Geist scheitert, sollen nun Programme schaffen? Kritische Meinungen sehen hier die Freiheit von Kunst und Satire in Gefahr, denn die Plattformen werden, um Strafen zu entgehen, lieber mehr als weniger löschen.

Ich persönlich, die ich schon so manche anerkannte Kunstströmung nicht verstehe, sage dennoch, Kunst darf das und Kunst muss das. Außerdem halte ich den Versuch einen Internet-Hype mit Myriaden von Bildern, zu denen vermutlich minütlich zig neue hinzukommen, aufhalten zu wollen für utopisch. Wir werden sehen. Ach ja, hierzu noch ein kleines Schmankerl gefällig? Besagte CDU schrieb vor nicht allzu langer Zeit in ihren Koalitionsvertrag… Moment, ich zitiere: „Eine Verpflichtung von Plattformen zum Einsatz von Upload-Filtern, um von Nutzern hochgeladene Inhalte nach urheberrechtsverletzenden Inhalten zu „filtern“, lehnen wir als unverhältnismäßig ab.“ Ähm…?!

Heißer Sommer – heiße Themen. Dass nicht mal ein geplantes neues Bad in Bonn hier für Abkühlung sorgen kann, zeigt wie hitzig die Debatte geführt wird und wie gespalten die Meinungen sind. Denn es geht nicht nur um die Frage ‚Neues Bad – Ja oder nein?‘, es geht vielmehr darum, dass mit der Eröffnung des neuen zwei alte Stadtbäder schließen müssen, deren Sanierung weit weniger Kosten verschlänge (Wir lieben Konjunktiv!) als ein Neubau. Auch wir stellen uns der Diskussion, lassen Beteiligte beider Lager zu Wort kommen und informieren über Hergang und Hintergrund eines Bürgerentscheids.

Darüber hinaus haben wir ein sommerliches Potpourri an Themen für Sie zusammengestellt. Auf unserer Panoramaseite bringen Ihnen unsere Autor*innen Umwelt- und Entwicklungsprojekte aus aller Welt nahe und thematisieren die tief im „westlichen“ Denken verankerte Intoleranz gegenüber anderen Kulturen.
Sommerzeit ist Reisezeit. Dass man nicht immer in die Ferne schweifen muss, weil die wunderschönsten Plätze und Abenteuer auch manchmal direkt vor der Haustür liegen, beweist unsere Autorin. Eine Andere plädiert für sanftes Reisen, den ökologischen Fußabdruck im Blick.

Regionalität ist nicht nur beim Urlauben im Trend; frische Lebensmittel aus der Umgebung ohne lange Lieferwege werden immer beliebter. Ein Umschlagplatz für derlei Viktualien ist der Ökomarkt am Bonner Münster. Unsere Autorin hat ihn besucht.
Führt der Sommerausflug doch mal etwas weiter und nicht allabendlich in ein Hotel, haben Handyaffine bald ein Problem: Akku leer. Dass es sich hier anbietet, die sommerlichen Strahlen zur Stromversorgung zu nutzen, (Vorsicht Wortwitz) leuchtet ein.

Unsere Rezensentin hat sich die Dokumentation „Tomorrow“ angesehen und berichtet, ob in Zukunft alles besser wird.
An einem heißen Sommertag durch die frische Kühle eines Waldes spazieren – ein erholsames Erlebnis für Körper und Seele. Uns geht es gut im Wald, doch wie geht es unseren Wäldern? Unser Autor hat im Waldzustandsbericht 2018 nachgelesen und ist besorgt.
Wir bei der BUZ führen den Begriff der Verantwortung oft in unseren Berichten zu Umwelt und Politik. Doch was bedeutet Verantwortung eigentlich? Unsere Gastautorin und angehende Philosophin beleuchtet dies einmal aus einem anderen Blickwinkel.

Wir hoffen, wir konnten Sie auch mit dieser Ausgabe faszinieren, informieren und unterhalten. Einen sonnig erholsamen und bewussten Sommer wünscht Ihnen Ihre BUZ-Redaktion. Bleiben Sie interessiert!

Kathrin Schlüßler