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Gesund und genug für alle

Weltweit sind nach Schätzung der Food and Agriculture Oganization (FAO) der UN 3,1 der insgesamt derzeit etwa 8 Milliarden Menschen nicht in der Lage, sich gesund zu ernähren. In Afrika seien es sogar 78 Prozent. Dabei stehen auf der Erde 1,6 Milliarden Hektar Ackerland und 3,2 Milliarden Hektar Wiesen und Weiden zur Verfügung. Das Projekt „Weltacker“ untersucht, wie alle Menschen davon gesund und klimaschonend satt werden könnten.


Susanna Allmis-Hiergeist


Bei gerechter Aufteilung entfielen rechnerisch auf jeden Menschen 2000 Quadratmeter Acker und 4000 Quadratmeter Weideland. Auf dieser überschaubaren Fläche muss alles wachsen, was wir zum Leben brauchen: der Kaffee am Morgen, Weizen für Brot, Futtermittel für Milch und Fleisch und auch die Baumwolle für unsere T-Shirts. Dabei sind die 2000 Quadratmeter eher eine fiktive Größe. In der Europäischen Union verfügen wir im Mittel über 2500, in den USA über 4700, in Indien über 1200 und in China nur 880 Quadratmeter pro Bewohner*in. Dabei kommt die EU wenig überraschend auch mit 2500 Quadratmetern nicht aus, sondern betreibt mit 500 Quadratmetern zusätzlich quasi weltweite „Landnahme“, insbesondere für Getreide- und Futtermittelimporte. Dennoch: In der Gesamtbilanz für die Erde müssen wir mit 2000 Quadratmetern auskommen. Ist das realistisch? Dieser Frage versucht sich das Bildungsprojekt „Unser Weltacker – 2000 m² für alle!“ der Zukunftsstiftung Landwirtschaft anzunähern. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Ernährung, Landwirtschaft, globalem Klima, Biodiversität und Ernährungsgerechtigkeit aufzuzeigen und Lösungswege für eine gesunde und ausreichende Lebensmittelversorgung zu skizzieren. Jüngst wurde das Projekt bis Mitte Juli in einer Ausstellung im Bonner Haus der Natur vorgestellt.

Futter für zwei Schweine oder 4000 kg Blumenkohl?

Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Marienstraße 19-20, 10117 Berlin, www.2000m2.de, Kontakt: Info@2000m2.eu, Tel: 030-28482323
Hier kann auch das Begleitheft zur Ausstellung gegen Spende bestellt werden. Illustratorin: Annika Huskamp.

Die Ausstellung arbeitet mit einprägsamen Zahlen, Fakten und Illustrationen. Der vergleichsweise hohe Landverbrauch für Futtermittel zur Produktion von Fleisch ist im Prinzip allgemein bekannt. Dennoch bin ich überrascht, dass meine 2000 Quadratmeter gerade einmal ausreichen, um zwei Schweine bis zum Schlachtgewicht von 115 Kilogramm zu mästen. Bei jährlich 40 Kilogramm Schweinefleischkonsum pro EU-Bürger sieht man schnell, wo das Problem liegt. Auf der gleichen Fläche hätten wir auch 8500 Kilogramm Kartoffeln, 15.000 Kilogramm Tomaten oder 4000 Kilogramm Blumenkohl anbauen können.

Klar ist also, dass man aus unserer Modellfläche je nach Bewirtschaftung unterschiedlich viele Kalorien gewinnnen kann. Aber ein wichtiges Thema ist auch die effiziente Nutzung der Ernte, etwa die Minimierung von Verschwendung und Abfall.

Verschwendung, Abfall und Verbrennung

Nach einer Schätzung der FAO gehen 32 Prozent aller Lebensmittel verloren: Verluste entstehen auf dem Acker, in Verarbeitung und Transport, im Handel und beim Konsum in Restaurants und privaten Mülltonnen. In Europa wandern knapp 60 Prozent der Lebensmittel in den Abfall, bevor sie überhaupt den Konsumenten erreichen. Das betrifft insbesondere Getreide (Backwaren) und Obst sowie Gemüse. Bis Ladenschluss muss alles frisch und makellos verfügbar sein, Mindesthaltbarkeitsdaten führen zusätzlich in die Irre. Initiativen wie „Foodsharing“ steuern engagiert dagegen, indem sie zum Beispiel in Supermärkten und Bäckereien noch essbare, aber nicht verkaufsfähige Lebensmittel abholen und weiterverteilen (web: foodsharing. de/Karte; e-mail: bonn@foodsharing.network). Eine weitere tendenziell wenig sinnvolle Nutzung von Ackerfläche stand mir in Zahlen bisher auch nicht so deutlich vor Augen. In Deutschland wird fast ein Fünftel der Ackerfläche für die Produktion von Biotreibstoffen und Energie in Biogasanlagen genutzt. Mit dem durchschnittlichen Rapsertrag auf meinem Modellacker könnte ich rund 3900 Kilometer fahren, also nicht einmal die Hälfte einer durchschnittlichen PKW-Fahrleistung pro Jahr. Und mit Tomaten, Zwiebeln und Blumenkohl wäre es gar nichts mehr auf meinem Teller. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft rechnet vor, dass eine umsichtige Fahrweise mit reduziertem Spritverbrauch deutlich mehr fossilen Treibstoff spare als der Einsatz von Kraftstoffen vom Acker. Noch besser gleich auf ein E-Auto umsteigen.

So könnte es gehen

© Zukunftsstifung Landwirtschaf. Illustratorin: Annika Huskamp.

Die bekannten Ernährungsempfehlungen orientieren sich vorrangig an Gesundheitsaspekten. Anders die „Planetary Health Diet“, die in der Ausstellung mit anschaulichem Material erläutert wird. Entwickelt wurde sie von der EAT-Lancet Kommission, die aus Wissenschaftler*innen aus aller Welt besteht. Die „Planetary Health Diet“ soll künftigen 10 Milliarden Menschen eine gesunde, ökologische und sozial verträgliche Ernährung ermöglichen.

Die Basis bildet dabei eine überwiegend pflanzenbasierte Kost mit moderatem Konsum an Fleisch-, Fisch- und Milchprodukten. Als Richtschnur empfiehlt die Kommission unter anderem 500 Gramm Obst und Gemüse pro Tag, 230 Gramm Vollkorngetreide (Reis, Weizen, Mais u.a.), 250g Milchprodukte, 60 Gramm Tierprotein (Rind, Lamm Ei, Fisch) und zusätzlich 75 Gramm eiweißhaltiges Gemüse (Hülsenfrüchte). Allerdings sind das nur allgemeine Empfehlungen, die Spielräume für die lokalen, kulturellen, geographischen und demographischen Gegebenheiten einräumen müssen.

Und so sind auch die etwa 30 global verteilten „Weltäcker“ im Netzwerk individuell gestaltet. Der erste entstand bereits 2013 in Berlin. Von Bonn schnell zu erreichen ist der Partneracker „Über den Gleisen“, zentral gelegen im Zentrum von Wuppertal. Hier soll im Laufe der Zeit ein perfekt gestaltetes Areal nach den Empfehlungen der „Planetary Health Diet“ entstehen. Gestartet wurde in 2025 mit der Bewirtschaftung der Obstfläche und den Gemüsebeeten und 2026 mit zusätzlichen Flächen für Ölpflanzen und Getreide. Schüler*innen erlernen hier Ernährungsgrundlagen und helfen mit bei Pflanzen, Ernten und genussvollem Verspeisen.

Die komplette Ausstellung können Sie sich im Internet ansehen. Hier finden Sie auch Beratung, wenn Sie zum Beispiel in Bonn selbst einen „Weltacker“ anlegen möchten.

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