Seite auswählen

Schwerpunkt: Lebensmittelrettung

21. September 2026 | Ausgabe 5 / 2026 Lebensmittelrettung, Autoren, Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Ralf Wolff | 0 Kommentare

„Zu gut für die Tonne“

Lebensmittelrettung hat mit Wertschätzung von Lebensmitteln zu tun. Können wir unsere Landschaft weiterhin so hochtechnisiert wie bislang bewirtschaften? Das Überangebot landet zu oft in der Tonne. „Bio“ rettet Lebensmittel. Der Begriff muss neu erklärt und demonstriert werden.


Ralf Wolff


Nach einer Schätzung der Welternährungsorganisation (FAO, 2011) gehen 32 Prozent (1,3 Mrd. Tonnen) aller Lebensmittel verloren. Das Umweltbundesamt hatte für das Jahr 2022 Lebensmittelabfälle in Höhe von 10,8 Mio. Tonnen an die europäische Statistikbehörde (Eurostat) berichtet. Der Großteil der Lebensmittelabfälle entstand mit 58 Prozent (6,3 Mio. Tonnen) in privaten Haushalten.

Diesem vorgelagert gelangen auch Lebensmittel in den Abfall, bevor sie überhaupt den Konsumenten erreichen (vgl. Bild). Das für die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) begleitet den gesellschaftlichen Diskurs rund um die Lebensmittelrettung/-wertschätzung.

Missverständnis Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD:) Gute Lebensmittel landen im Müll. Foto: iStock.com/Roman Mykhalchuk.

Initiativen wie „Foodsharing“ steuern engagiert dagegen, indem sie zum Beispiel in Supermärkten und Bäckereien noch essbare, aber nicht verkaufsfähige Lebensmittel abholen und weiterverteilen. Die Bonner Foodsharing Gemeinschaft rettete im Juli/ August 34,1 Tonnen Lebensmittel. Mit dem Motto der Aktionswoche Zu-gut-für-die-Tonne (29.09 – 06.10.26) „Alles auf dem Zettel!“ rückt das BMLEH kluge Planung in den Fokus – gezielt einkaufen vermeidet Lebensmittelverschwendung.

Die Supermarktketten haben die Produktpalette über die Jahre hinweg immer weiter normiert. Das Angebot ist oft günstig und im Überangebot im Laden. Vieles wird nicht verkauft.

Vielfach wird offen, gefragt, was der Biohandel überhaupt mehr bieten könne. In diesem Sinne geht es unseren Gesprächspartnern im Interview darum, den Trend zum normierten Angebot zu stoppen und mit der Vielfalt ihres Produktangebots Lebensmittel zu retten: Der Begriff „Bio“ müsse neu erklärt und demonstriert werden. In der Bio-Bäckerei sei es teil der Handwerkskunst, aus dem, was der Bauer gemeinsam mit Wind und Wetter aus dem Boden hole, ein gutes Brot zu machen.

Hier setzt auch das Bildungsprojekt „Unser Weltacker – 2000 m2 für alle!“ der Zukunftsstiftung Landwirtschaft an: Es untersucht, wie alle Menschen gesund und klimaschonend satt werden könnten. Exemplarisch demonstrieren 2000 Quadratmeter große Ackerflächen, wie wachsen kann, was wir zum Leben brauchen: der Kaffee am Morgen, Weizen für Brot, Futtermittel für Milch- und Fleischwirtschaft und auch die Baumwolle für unsere T-Shirts.

Im Großen und Ganzen spiegeln sich gesellschaftlich zwei Ansätze wider, Lebensmittel zu produzieren. Die konventionelle Landwirtschaft versorgt mit ‚Grüner Gentechnik‘ den schnellen Lebensmittelhandel, während inhabergeführter Biohandel und -landbau der Normiertheit mit dem Motto „Bio braucht Vielfalt“ entgegen wirkt. Die konventionelle Landwirtschaft nutzt vornehmlich moderne Hybridsorten, um der Norm: „alles muss frisch und makellos aussehen“gerecht zu werden. Neuerdings auch mit „Künstlicher Intelligenz“ gesteuert. Biologischen Landbau sieht sich dagegen in der Tradition alter Landwirtschaft, welche mit der Bewahrung „samenfester Sorten“ dem drastischen Verlust genetischer Vielfalt durch hochtechnisierte Landtechnik trotzt. Alte Raritäten vor dem Vergessen zu bewahren, sichert biologische Vielfalt und holt kulinarischen Wohlgenuss auf den Teller zurück. Lebensmittelrettung, die gefällt.

 

Kleine Einblicke in die darauffolgenden Beiträge:

  • Im Interview – Bio braucht Vielfalt: David Lee Schlenker und Axel Bergfeld sprechen über die Chancen und Herausforderungen für inhabergeführte Bio-Betriebe und ihre Produkte. Sie erklären, wie Bio für alle von Vielfalt lebt.
  • Nordbrücke Bonn- Kampf um Stadtentwicklung von Bonn. Reise ins Ungewisse: Für Bonns Stadtentwicklung gibt das neue „Gesetz über den Öffentlichen Gesundheitsdienst NRW“ Strategien für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung auch für die Stadtplanung vor.
  • Urbane Seilbahn – Zukunftsprojekt oder zu teuer für Bonn?: Die Stadt muss sparen. Aber muss deshalb nicht gerade ein Projekt wie die urbane Seilbahn schnellstens realisiert werden? Besserer ÖPNV kann die Haushaltskasse entlasten.

Mehr von Ralf Wolff

Es folgt eine Anzeige unserer Unterstützer*innen/in eigener Sache.
Auch Sie können uns durch Werbung in der Bonner Umweltzeitung unterstützen!

Unsere Mediadaten

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Beitrag teilen

Verbreite diesen Beitrag!

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.