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… vergeudetes Trinkwasser

Bereits in der BUZ-Ausgabe 4/2019 widmete ich dem Thema „Wasser“ hohe Aufmerksamkeit. Damals ging es um den widersprüchlichen Charakter des Wassers in all seinen Formen. Heute geht es im vorliegenden Text um unseren widersprüchlichen Umgang mit dem alltäglichen Lebensmittel.


Dr. Manfred Fuhrich


Ja, Wasser ist ein Lebensmittel, ein sehr wichtiges; genauer: ein lebensnotwendiges sogar. Ohne feste Nahrung verhungert der Mensch nach mehreren Wochen. Ohne Wasser verdurstet er bereits nach drei bis fünf Tagen. Viele Körperfunktionen hängen von einer ausreichenden Zufuhr von Flüssigkeiten ab.

Trotz dieser elementaren Bedeutung des Wassers für unseren Lebensalltag fehlt es an Wertschätzung für das „köstliche Nass“. Wir bemerken noch nicht einmal, wie wir es vergeuden. Die wesentliche Verschwendung ist außerhalb unserer Sichtweite. Zudem ist Trinkwasser viel zu billig. Richtig gehört! Trinkwasser! Denn darum geht es eigentlich; nicht um die weltweiten nahezu unerschöpflichen Wassermengen, von denen nicht einmal ein Prozent als Trinkwasser geeignet ist.

Streiflicht „Trinkwasserqualität“

Es ist ein zivilisatorischer Fortschritt, dass uns in Deutschland ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht. Dafür wird in den Wasserwerken mit erheblichem Aufwand aus Gewässern und Flüssen natürliches Wasser aufbereitet. Durch zahlreiche Verfahren und hohe Qualitätsansprüche kann das an Privathaushalte gelieferte Wasser als bestkontrolliertes Lebensmittel gelten. Doch ist dieser enorme technologische Aufwand gerechtfertigt? Der statistisch erfasste Wasserverbrauch liegt bei 126 Liter pro Kopf pro Tag. Nur vier Prozent benötigen wir wirklich zum Trinken und Kochen. Selbst für die Klospülung wird höchste Wasserqualität verwendet; immerhin 27 Prozent. Welch eine Vergeudung! Doch diese bemerken wir nicht in unserem Alltag. Die WC-Armaturen bieten eine Wasserspartaste für das kleine Geschäft an. Wer will, der kann.

Streiflicht „virtuelles Wasser“

Der alltäglichen Wahrnehmung entzogen ist der Wasserverbrauch, der nicht in der jährlichen privaten Abrechnung der Wasserwerke dokumentiert ist. Eine besondere Aufmerksamkeit bedarf die Verlagerung der Lebensmittelproduktion ins Ausland. So fällt unser tatsächlicher Wasserverbrauch erheblich höher aus, wenn wir unseren Konsum von Lebensmitteln berücksichtigen würden. Das Umweltbundesamt geht von 7.200 Litern pro Person und Tag aus. In die Schlagzeilen geraten ist der krasse Wasserverbrauch der Automobilindustrie, aktuell demonstriert an der TESLA-Fabrik in Grünheide bei Berlin.

Streiflicht „Leitungswasser contra Mineralwasser“

Der Streit darüber, ob Mineralwasser oder Leitungswasser gesünder ist, dauert nun schon viele Jahre, ohne Annäherung. Dabei ist ein Argument unschlagbar: Mineralwasser ist sechsmal teurer als Leitungswasser. Zusätzlich belastet der Transport und die wiederholte Reinigung die Umwelt. Fatal wird es, wenn Mineralwasser aus der Ferne transportiert wird, auch wenn in der eigenen Region ebenfalls Mineralwasser gefördert wird. Der häusliche Wasserhahn bietet unkompliziert und garantiert Wasser an.

Streiflicht „Wasser als Mixgetränk“

Besonders für Erfrischungsgetränke wird gerne mal Wasser mit anderen Getränken gemischt – auch mit alkoholischen. Bier gilt laut Gesetz als Lebensmittel, Wein nicht. So wird durch Verdünnung auch Wein ein Lebensmittel. Echte Weinkenner mögen dies als Vergeudung „edler Tropfen“ ansehen. Wird da nun Wasser oder Wein vergeudet? Wieso,weshalb,warum fragt man sich da in der Sesamstraße und die Maus und gibt kluge Erklärungen: https://www.wdrmaus.de/extras/mausthemen/ wasser/index.php5 .

Fazit

Wasser ist Leben! Das Leben wird immer teurer. Wasser hingegen ist weiterhin billig; zu billig um erfolgreich Wassersparappelle durchzusetzen. Wir leben im Überfluss, anderenorts wird Wassermangel zum Kriegsgrund und Gesundheitsrisiko. Über zwei Milliarden haben keine sichere Trinkwasserversorgung. So ungerecht ist die Welt. Wir sollten nicht vergessen, wie wichtig Wasser für uns und unseren Körper ist. Immerhin besteht der Mensch zu mehr als 80 Prozent aus Wasser. Das sollte uns freundlich und dankbar stimmen! Kein Grund für Verschwendung.

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