Grau raus, Grün rein – Bonn pflastert ab
Seit 2020 findet in den Niederlanden der Städtewettbewerb „Tegelwippen“ statt. Unter dem Titel „Abpflastern“ wurde dieser Wettbewerb erstmals 2025 in Deutschland durchgeführt. Am bundesweiten Wettbewerb 2026 vom 21. März bis 31. Oktober beteiligt sich auch Bonn.
Lisa Krane
So kam das Abpflastern nach Bonn
Die Idee für den Abpflastern-Wettbewerb kommt aus den Niederlanden. Unter dem Motto „Tegelwippen“ – was wörtlich „Kachel/ Fliese umdrehen bedeutet – wurde 2020 ein Entsiegelungs-Wettbewerb zwischen Amsterdam und Rotterdam durchgeführt. Ziel war es, möglichst viele zuvor versiegelten Flächen zu entsiegeln, um mehr Grünflächen und dadurch auch mehr Versickerungsflächen für Starkregenereignissen zu schaffen sowie der übermäßigen Erwärmung im Sommer entgegen zu wirken. Insgesamt soll so die Biodiversität gefördert und die Lebensqualität in Städten zu erhöht werden.
Inspiriert vom niederländischem Vorbild, an dem sich mittlerweile mehre hundert niederländische Gemeinden beteiigen, hat die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz 2025 den
bundesweiten Städtewettbewerb „Abpflastern“ in Deutschland gestartet. Am diesjährigen Wettbewerb „Abpflastern“ beteiligt sich Bonn und unterstützt die Eigentümer*innen von privaten und gewerblich genutzten Flächen bei Entsiegelungsprojekten mit anschließender Begrünung durch das Förderprogramm Begrünung. Im Verbund mit Köln und Düsseldorf wurde die Kampagne „Grau raus, Grün rein!“ gestartet, um möglichst viele Menschen zum Mitmachen zu motivieren. Die drei Städte treten auch im direkten Vergleich gegeneinander an. Aktuell (Stand 5. Juni 2026) liegt Bonn im Ranking des „Rheinischen Dreigestirns“ vorne.
Nähere Infos zum Wettbewerb, zum Förderprogramm und zum aktuellen Ranking sind auf der Webseite der Stadt Bonn zu finden: www.bonn.de/themen-entdecken/klima/klimafoerderprogramme/bonn-entsiegelt.php
Und was ist mit Schottergärten?
Als Schottergärten werden Flächen – meist in Vorgärten – bezeichnet, die großflächig mit Steinen oder Schotter bedeckt und wenig bis gar nicht bepflanzt sind. Oftmals sind die Steine bzw. der Schotter mit einer Folie, einer Plan oder einem Vlies unterlegt. Schottergärten sind bei vielen Menschen beliebt, weil er aus ihrer Sicht ordentlich aussieht und (vermeintlich) keine Arbeit macht. Ökologisch sind Schottergärten jedoch ein „No-Go“, sie heizen sich stark auf, können Re-genwasser nicht speichern und schaden Klima und Artenvielfalt. In den Landesbauordnungen aller 16 Bundesländer ist festgelegt, dass nicht bebaute Flächen wasserdurchlässig bleiben oder entsprechend hergestellt werden und begrünt oder bepflanzt sein sollen. Bereits aus diesen Bestimmungen ergibt sich, dass Schottergärten, insbesondere solche mit Vliesunterlage, den Bestimmungen des Baurechts grundsätzlich zuwiderlaufen und nicht zulässig sind – auch unabhängig von einem expliziten Verbot, wie es in der seit 1. Januar 2024 in NRW geltenden geänderten Fassung der Landesbauordnung NRW fest-gehalten ist: Schotterungen und Kunstrasen werden darin ausdrücklich als nicht zulässige Gestaltungen von Grünflächen benannt.
Kommunen in NRW, sowie auch in anderen Bundesländern mit vergleichbaren Regelungen, können daher prinzipiell den Rückbau von Schottergärten verlangen und ggfs. Ordnungsgelder festlegen. Mit wenigen Ausnah-men scheinen die meisten Kommunen jedoch derzeit eher auf Freiwilligkeit und Aufklärung zu setzen. So auch die Stadt Bonn. Wir werden die weitere Entwicklung hierzu beobachten.
Beim Abpflastern-Wettbewerbs werden übrigens auch Flächen gezählt, die auf eine Entfernung eines Schottergartens mit anschließender Begrünung entfallen. Allerdings wird dies als Entsiegelung
einer „teilweise versiegelten Fläche“ gewertet und nur zu 50 % angerechnet.
BUND-Kreisgruppe Bonn unterstützt die Beteiligung Bonns am Wettbewerb

Infostand am „Frühlingsmarkt“.
Foto: BUND Bonn
Die Größenordnung der Fläche, die durch den Abpflastern-Wettbewerb entsiegelt und begrünt wird, wird zwar gering sein im Vergleich zu den rund 23 Hektar bzw. 32 Fußballfeldern, die allein täglich in Deutschland versiegelt werden.
Dennoch begrüßen wir es sehr, dass Bonn das Thema „Entsiegelung“ aufgreift und sich am Abpflastern-Wettbewerb beteiligt. Denn dieser Wettbewerb bringt das Thema auf spielerische und motivierende Weise ins (Stadt-)Gespräch und trägt zur Sensibilisierung in Sachen „Entsiegeln statt Versiegeln“ bei. Wir haben daher den Abpflastern- Wettbewerb und das Förderprogramm Begrünung der Stadt Bonn an unseren Infoständen auf dem Frühlingsmarkt am 9. Mai und am Tag der Artenvielfalt am 31. Mai aktiv beworben. Unterstützt wurden wir dabei vom Aktionsbündnis „StadtGRÜN“und einer Studentin der Hochschule für Gesell-schaftsgestaltung in Koblenz, die Teil des Abpflastern-Teams 2025/2026 ist.









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