Ökologie

„Bedanken wir uns bei Mutter Erde“

Entlang der Pfefferminzpromenade

Ein Garten ist Ausdruck von menschlicher Kultur und Umgang des Menschen mit Natur. Er kann vielfältige Ausprägungen haben, von Gartenkunstparks über Schrebergärten bis zum Balkonkasten vor dem Fenster. Er kann gerade in Städten das Klima verbessern. In der Gartengestaltung spiegelt sich auch der Zeitgeist wider. Städtische Hitzeinseln und private Schottergärten sind aber keine nachhaltigen, umweltfreundlichen Lösungen. Hier ist das Konzept der Permakultur eine interessante Alternative.

Esther und Andreas Reinecke-Lison

Garten und Kultur

„Damit der Lebensraum Stadt lebenswert ist, braucht es Natur in der Stadt.“ (Robert Spreter, Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt)

Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt in Städten, und die Zahl steigt weiter an. Stadtgrün hat eine immense Auswirkung auf Menschen und Stadtklima. Bäume um uns herum geben Ruhe in der Hektik des Alltags. Pflanzen wachsen zu sehen, ist ein Akt der Zuversicht und Hoffnung. Doch in Bonn, Sitz des UN-Klimasekretariats, gibt es zunehmend versiegelte Flächen. Am Bahnhofsvorplatz oder am Rathausplatz in Beuel wurden jahrzehntelang gewachsene Bäume gefällt. Stattdessen entstanden dort Hitzeinseln. Seelenlose urbane Ödnis ohne Platz für biologische Vielfalt ist kein Weg, um das Stadtklima zu verbessern. Es gibt einige grüne Projekte in Bonn, darunter Blühstreifen entlang der Sandkaule. Das ist aber zu wenig!
Im privaten Bereich ist zudem eine Tendenz zur Mühelosigkeit im Garten zu beobachten. Doch Schottergärten heizen sich im Sommer enorm auf und halten kein Regenwasser zurück. Unbepflanzte Rasenebenen mögen Rasenrobotern das Mähen erleichtern, doch unbeaufsichtigt laufend können diese Geräte Tiere verletzen oder töten.
Jede*r kann etwas tun. Viele Aktivitäten verdeutlichen einen Einstellungswandel hin zu ökologischer Vielfalt: das Anlegen bienen- und insektenfreundlicher Blühstreifen, Hecken und Wiesen, Grüne-Patenschaftpflanzungen am Straßenrand, Urban Gardening und Permakultur.

Permakultur

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (Albert Einstein)

Die Australier Bill Mollison und David Holm-gren entwickelten in den 1970er-Jahren das Konzept Permakultur (zusammengesetzt aus permanent und Agrikultur) angesichts der massiven Schäden, die die industrielle Landwirtschaft an Natur und Mensch verursacht. Sie strebten eine Landwirtschaft an, die Bodenfruchtbarkeit bewahrt, Artenvielfalt erhöht und nicht gegen Naturkreisläufe arbeitet. Zu den Grundsätzen der Permakultur gehört zu verstehen, dass unbegrenztes Wachstum auf dem begrenzten Raum Erde unmöglich ist. Die Vielfalt der Natur ist als Geschenk zu begreifen und als erprobte Überlebensstrategie klug einzusetzen. Sie griffen alte Kulturtechniken und Wissen von Naturvölkern oder Praktikern wie Masanobu Fukuoka auf. Der Mikrobiologe betrieb seit den 1950er-Jahren eine „Nichts-Tun-Landwirtschaft“. Das ist eine ortsangepasste Anbauweise ohne Bodenbearbeitung sowie ohne Abhängigkeit von Chemikalien. Es soll eben nichts Unnötiges in der Landwirtschaft getan werden. Fukuoka nutzte zur Aussaat die mittlerweile weithin bekannten Samenbomben.

„Permakultur ist ein kreativer Gestaltungsansatz, der auf eine Welt schwindender Energie- und Ressourcenverfügbarkeit reagiert.” (David Holmgren)

Direkt gegenüber vom Garten der Naturfreunde Bonn – dort wird im Rahmen des Projekts Proinsekt ein Naturgarten für Insektenschutz und Artenvielfalt angelegt –, kann man am Ortsrand von Bonn-Schwarzrheindorf, am Vilicher Bach (Bergheimer Straße), einen Permakultur-Gemeinschaftsgarten besuchen.
Rund um die Initiatoren Maurice und Thoralf bringen sich 13 Erwachsene und mehrere Kinder ein. Das Permakultur-Konzept hat Maurice zuerst in der Theorie begeistert. Er suchte dann einen kleinen Schrebergarten für die Familie und fand 2016 eine 2500 Quadratmeter große Pferdeweide, die brach lag, bewachsen mit alten Kirschbäumen, Büschen, Wiesenkräutern. Maurice: „So eine große Experimentierfläche zu finden war schieres Glück.“ Der alte Baumbestand bot Schatten für Neupflanzungen. Der Auenboden, sehr lehmhaltig und vital, verfügt über eine gute Wasserspeicherfähigkeit. Mulch, ein „Abfallprodukt“ aus der Baumpflege, hilft als Abdeckung gegen Austrocknen, der enthaltene oder entstehende Humus wirkt als Wasserspeicher. Mulch ist als Beetabdeckung und für Wege sofort verwendbar und wirkt als Langzeitdünger. Überall im Garten wachsen Obst und Früchte (Apfel, Pfirsich, Haselnuss, Himbeeren, Feigen), auf Beeten gedeihen Gemüsekulturen und Kräuter aller Art (Senf, Spinat, Bärlauch, Sellerie). In einer Obstbaum-Lebensgemeinschaft wachsen viele Kräuter um einen Birnbaum und Bienenstöcke gibt es auch. Ein wichtiges Anliegen ist es, alte Obstsorten zu erhalten, die Insektenvielfalt, auch die heimische Heckenvielfalt und heimische Wildrosen.
Ein besonderer Genuss ist es, sieben entlang eines Weges angepflanzte Minzarten zu erleben, die über bestes Aroma verfügen; darunter Marokkanische Minze, Wilde Minze, Schoko-Minze, Gartenminze und Ananasminze.
Im Garten kann jede*r mitmachen. Menschen bringen Ideen und Mittel ein und werden sehr kreativ. Es wird ausprobiert, beobachtet und aus der Erfahrung gelernt, was an dem Ort wie funktioniert. Alles ist sehr vielseitig und einfallsreich.
Als Begegnungsflächen für Treffen gibt es eine Feuerstelle, ein Bambus-Hopfen-Tafeltraubenzelt als Schattenraum und eine vielseitig verwendbare Weiden-Heulaube. Eine pädagogische, therapeutische, spirituelle Arbeit ist in der Entwicklung.
Anschaffungen werden privat geleistet oder über Kleinspenden finanziert.
Klar ist auch, dass es viel Arbeit gibt: Mulchen, Brombeersträucher zurückschneiden oder samt Wurzeln aus der Erde holen. In Planung ist ein Wilddrahtzaun als Rankhilfe für Weintrauben.
Maurice macht der Gemeinschaftsgarten „Megafreude“, Thoralf freut sich besonders über das „Stelldichein der verschiedenen Vogelarten“ (Goldammer, Stieglitz, Gartenrotschwanz) und Esther ist immer glücklich, wenn sie im Garten ist.
Jederzeit willkommen sind Besuche, Ideenaustausch und Unterstützung aller Art.

„Wenn die Menschen sich selber beteiligen, sehen sie auch, wie wichtig es ist, Natur in der Stadt zu schützen.“ (Robert Spreter, Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt)

Fragen zum Permakultur-Garten können per E-Mail gerichtet werden an:
waldgaertchen@lists.riseup.net

Literatur: T. Hemenway: Gaias Garten, 2021 // G. u. E. Kleber: Gärtnern im Biotop mit Mensch, 1998 //
arte.tv: Ein Tag im Sommergarten, 2021 // bonn.de: gruene-projekte // permakultur.de // woche-der-umwelt, 2021 //

Erschienen in BUZ 4_21