Nostalgie – Bonns Klima wird wärmer und feuchter

13. April 2024 | Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Nostalgie, Ökologie, Umwelt | 0 Kommentare

Ist Bonn dem Klimawandel gewachsen?

Die weltweit diskutierten Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich seit den letzten Jahren immer deutlicher in fast allen Regionen Deutschlands. Die Bonner Bürger und vor allem die hiesige Landwirtschaft bekommen diese durch Temperaturerhöhungen im Frühling und Herbst sowie durch vermehrte Extremwetterereignisse zu spüren. Auch die Artenvielfalt verändert sich in unseren Breiten. Die Stadt muss sich zukünftig noch stärker als bisher mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen.
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Ann-Sybil Kuckuk


Den Bonnern scheint es bei dem diesjährigen Sommer wenig wahrscheinlich, aber die Jahresdurchschnittstemperaturen steigen in Bonn seit den sechziger Jahren stetig an. Ähnlich sehen die Werte für die Häufigkeit und Stärke der Niederschläge aus. Jeder kann sich vermutlich an den Orkan Kyrill im Januar 2007 erinnern. Auch am vermehrten Schneefall in den letzten Wintern und am zum Teil stark schwankenden Wasserstand des Rheins sind diese Klimaveränderungen zu spüren.

Die Stadt muss sich in den nächsten Jahren daher verstärkt auf diese einstellen, indem z. B. ein kontrolliertes Ablaufen der größeren Wassermengen gewährleistet wird und auch bautechnisch muss umgedacht werden. Neben mehr Solaranlagen und Dachbegrünungen wäre in Betracht zu ziehen, die Baugrenzen zwischen neu geplanten Gebäuden größer zu setzen, um eine bessere Belüftung der Innenstadt zu gewährleisten. Ein Handlungskonzept für den lokalen Klimawandel wird zwar geplant, bisher allerdings noch ohne konkrete Ergebnisse und Maßnahmen. Die mögliche Einstellung eines Klimamanagers, wie in einigen Städten bereits praktiziert, könnte zukünftig helfen den Folgen des Klimawandels in Bonn zu begegnen. Außerdem sollte sich die Stadt bezüglich der Bonner Trinkwasserversorgung heute schon Gedanken machen, auch wenn die vermehrten Hitzeperioden auf den Pegelstand der Wahnbachtalsperre bisher noch keinen nennenswerten Einfluss haben.

Die Landwirtschaft bekommt die Klimaveränderungen allerdings früher und deutlicher zu spüren. Vermehrte Extremwetterlagen wie langanhaltende Trockenheit und plötzlicher sinnflutartiger Starkregen können den Boden erodieren und große Teile der Ernte gefährden, wodurch es z. B. zu erhöhten Obst- und Gemüsepreisen kommt. Auch eine verfrühte Obstblüte und kurz darauf folgender Frost könnten zukünftig ein Problem für die Bauern darstellen. In diesem sehr warmen und sonnigen Frühjahr mussten die Felder beispielsweise stärker bewässert werden, was bei wiederholtem Auftreten langfristig zu einem erhöhten Wasserverbrauch führt und die Bauern sowie die Verbraucher teuer zu stehen kommt. Bienen hingegen können sich durch einen entsprechenden Biorhythmus ganz gut an den verfrühten Frühling anpassen. Allerdings sind die wichtigen Bestäuber seit Jahren durch die Varroa-Milbe, diverse Viren und teils auch durch Insektizide weltweit in ihren Beständen bedroht.

Insgesamt kommt es in unserer Region aufgrund des Klimawandels zu Veränderungen in der Artenvielfalt. Vor allem wärmeliebende Arten wandern aus dem Süden in unsere Breiten ein (invasive Arten). Seit 20 Jahren hat sich bei uns z. B. die Miniermotte nicht nur in den Kastanienbäumen der Poppelsdorfer Allee eingenistet, weshalb die Blätter dieser Baumart schon im Frühling braune Flecken aufweisen. Die Motte wurde über Fahrzeuge aus dem Balkan nach ganz Europa eingeschleppt und profitiert von milden Wintern. Denn die letzte Generation der Motte überwintert im Herbstlaub der Kastanienbäume.

Auch wenn die genauen Ausmaße und Auswirkungen auf unsere Region nicht eindeutig vorhersehbar sind und die Planung für anpassende Maßnahmen erschweren, ist der Trend für unsere Stadt eindeutig. Die in Bonn sitzende Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch hat bei den im Juni in Bonn stattfindenden Zwischenverhandlungen zur UN-Klimakonferenz (COP 17) gefordert, die Zukunft des Kyoto-Protokolls ernsthaft in Angriff zu nehmen, da die erste Verpflichtungsperiode bereits 2012 endet. Außerdem drängt Germanwatch die EU das Verminderungsziel bei CO2-Emissionen von 20% auf 30% zu erhöhen.

Die Ergebnisse der Weltklimakonferenz könnten auch einen wichtigen Impuls für die Stärkung des Klimaschutzes vor Ort darstellen und die Stadt Bonn motivieren ihre bisherigen Bemühungen deutlich zu intensivieren.

 

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