Energie,  Nachhaltigkeit,  Ökologie

Steht der Lehmbau vor einer Renaissance?

Baustoff vom Acker

Vor etwa 5.000 Jahren errichteten die Hochkulturen im heutigen Irak die ersten „Hochhäuser” der Geschichte. Ihr Baumaterial dabei: luftgetrocknete, ungebrannte Lehmziegel. Aber auch in Mitteleuropa war Lehm über Jahrhunderte der meistgenutzte Baustoff.

Seit gut 20 Jahren findet der Lehmbau wieder vermehrt Anhänger. Zunächst im Denkmalschutz eingesetzt, hat er sich auch als ökologisch und gesundheitlich unbedenklicher Baustoff durchgesetzt. Der Grundstoff ist ein Gemischaus Kies, Sand, Schluff und Ton. Jeder seiner Bestandteile trägt zu den besonderen Eigenschaften des Baustoffs bei. Der Ton verbindet die größeren Komponenten und reguliert die Wasseraufnahme. Die Grobfraktionen ihrerseits stabilisieren das Gebinde und geben Volumen und Festigkeit.

Lehm ist, im Gegensatz zu modernen mineralischen Baustoffen, einfach zu recyceln. Auf das luftgetrocknete Baumaterial Wasser geben und der harte Stoff wird wieder weich und kann erneut verwendet werden. So spart man natürliche Ressourcen und Energie zur Wiederaufbereitung oder Deponierung von Bauschutt. Dazu kommen noch die besonderen Eigenschaften, die Lehm als Baustoff auszeichnen. Lehmbaustoffe wirken sich in hohem Maße positiv auf das Raumklima aus. Grund ist die Sorption von Wasserdampf durch die poröse Oberfläche des Lehms. Gleichzeitg mit dem Austausch von Wasserdampf gibt das Baumaterial weitere Stoffe an die Umgebungsluft ab, was sich positiv auf das Raumklima auswirkt. Feuchte Wände oder trockene Heizungsluft treten nur noch in abgeschwächter Form auf, und Wände, die aus Lehm gebaut oder mit Lehm verblendet sind, bleiben von Schimmelbefall verschont. Auch dies ist eine Folge der „Atemfähigkeit” dieses Baustoffes. In Gebäuden, die in Leichtbauweise errichtet wurden, kann eine Verblendung mit Lehmbauteilen zur Verbesserung der Wärmespeicherung führen.

Neben diesen für das allgemeine Raumklima positiven Eigenschaften haben die Lehmbauteile noch einen weiteren, etwas unbekannteren Vorteil: Wie eine Studie belegte, können Lehmbaustoffe im Vergleich zu anderen mineralischen Baustoffen eine bessere Abschirmung von hochfrequenten elektromagnetischen Strahlungen aufweisen. Wer in unmittelbarer Nähe eines Mobilfunkmastes wohnt, wird dies zu schätzen wissen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. An erster Stelle sei die Wasserempfindlichkeit des Lehms genannt. Vorbeugend kann zum einen durch bauliche Maßnahmen, wie etwa eine gemauerte Gründung, ein direkter Kontakt mit Spritzwasser vermieden werden, zum anderen sorgen spezielle Zusätze für eine Verringerung der Empfindlichkeit.

Fachwerkhaus aus Bonn Kessenich, wiederaufgebaut in Kommern, siehe Titelbild Foto: Josef Huber

Ein weiteres Manko sind die Kosten, die im Vergleich zu konventionellen Materialien anfallen. Hier sollte man sich als Bauherr im Vorfeld genau informieren und den gewünschten Einsatzbereich für Lehmbauteile festlegen.