Energie,  Nachhaltigkeit,  Ökologie

Fassadenbegrünung

Ein grünes Kleid für graue Wände

Claria Weber

Hässliche Wände lassen sich leicht durch Fassadenbegrünungen verschönern. Das zusätzliche Grün ist vor allem in der Stadt von Bedeutung. Es verbessert das Stadtklima und schafft zusätzlichen Lebensraum für Tiere. Auch die psychologische Seite sollte nicht unterschätzt werden: Natürliches Grün wirkt beruhigend. Dies ist gerade für die oft gehetzten Stadtmenschen von Bedeutung. Aber auch für private Hausbesitzer hat eine Begrünung viele Vorteile. Neben den schon genannten kann sie einen guten Schutz der Hauswände gegen Niederschläge und Temperaturschwankungen bieten.

Unser Garten wird von einer früher hässlichen Garagenwand begrenzt. Wir haben sie mit der Jungfernrebe (Parthenocissus), auch wilder Wein genannt, bepflanzt. Nach einiger Zeit hat sich diese in Hausnähe ausgesät, sodass wir auch die Hauswand begrünen konnten ohne sie nochmals zu pflanzen. Der wilde Wein haftet eigenständig an der Wand, d.h. man benötigt keine Kletterhilfen. Er ist anspruchslos, daher kann man eigentlich nichts falsch machen.
Im Herbst leuchten die Blätter in verschiedenen Rottönen. Nur imWinter sieht man wieder die unansehnliche Wand. Da wir aber fast nur laubabwerfende Gehölze und Stauden im Garten gepflanzt haben, sieht es in dieser Jahreszeit ohnehin etwas triste aus. Dafür freut man sich im Frühjahr wieder auf das frische Grün.

Wilder Wein und Rosen an Hauswand Foto: Claria Weber

Verschiedene Kletterpflanzen

Wem die Blüten des Weins zu unauffällig sind, oder wer das ganze Jahr eine grüne Wand haben möchte, der kann sich nach anderen Kletterpflanzen umschauen. Es gibt hier eine große Auswahl. Schöne große Blüten und immergrünes Laub, das wäre die Idealpflanze, nicht nur für Fassaden. Leider besitzen Pflanzen, die auch im Winter grün sind, oft nur unauffällige Blüten. Das gilt jedenfalls für unsere Breiten. Efeu (Hedera helix) ist eine solche Kletterpflanze. Sie benötigt, wie der wilde Wein, keine Kletterhilfe, sondern haftet eigenständig an Mauern und bildet ein dichtes Blattwerk. Am Anfang muss man eventuell mit Klebeband oder Nylonfäden etwas nachhelfen. Da im Herbst kein Laub anfällt, eignet sich das Efeu auch gut für öffentliche Fassaden.
Clematis, die Waldrebe, ist ursprünglich eine Kletterpflanze mit unauffälligen Blüten, die man häufig an Waldrändern findet. Ins Auge fallen jedoch die wollknäuelartigen Früchte. Man hat ihr hübsche und große Blüten in unterschiedlichen Ausführungen angezüchtet, sodass man sie kaum noch wiedererkennt. Wie Efeu und wilderWein kann sie sich selbstständig an ihre Unterlage anheften.
Wem es nicht schnell genug gehen kann, der wähle den Schlingknöterich. Ihm kann man fast beim Wachstum zuschauen. Nachteil ist, dass er eine Kletterwand benötigt und außerdem stark verholzt. Er verträgt es aber gut, wenn man ihn im Winter ordentlich zurückschneidet, zumal die Blätter im Herbst abfallen. Im nächsten Frühjahr ist er dann um so kräftiger wieder da. Auf der Sonnenseite entwickelt er im Sommer ein dichtes, weißes Blütenmeer. Sind andere Sträucher in der Nähe, dann windet er sich spiralförmig um dessen Zweige. Mühsam ist es dann, die Pflanzen wieder zu entwirren.
Herrlich anzuschauen ist auch eine Kletterrosenwand. Rosen können sich nicht eigenständig festheften und benötigen daher eine entsprechende Hilfe. Da man bei mehrmals blühenden Rosen die welken Blüten abschneiden muss, eignen sie sich eher für kleinere Fassaden oder Gerüste.

Vorteile von Fassadenbegrünungen

Meistens werden Fassaden aus ästhetischen Gründen begrünt. Dies wiederum hat Einfluss auf die Psyche,weil hässlich aussehende Wände ziemlich deprimierendwirken können. Darüber hinaus schützen Fassadenpflanzen den Hausputz vor UV-Strahlung und starken Temperaturschwankungen. Auch starker Regen, Hagel und Schmutz können so von der Hauswand ferngehalten werden. Luftschadstoffe, wie sie zum Beispiel aus Autoabgasen in die Atmosphäre gelangen, werden von Blättern aufgefangen, kommen dann aber mit dem Blattfall in den Boden, der damit eine höhere Belastung aufweisen kann. Pflanzen haben darüber hinaus eine klima- und temperaturregelnde Wirkung. Ein Pflanzenpolster wirkt durch eingeschlossene Luft wärmeisolierend. Dies ist im Winter von Bedeutung. Im Sommer können grüne Wände das Stadtklima erträglicher machen. Weiße Wände reflektieren die Sonnenstrahlen stark und heizen dadurch die Luft auf. Pflanzengrün dagegen absorbiert einen Teil der Strahlung.
Inwieweit Pflanzen für das Gebäudeinnenklima von Bedeutung sind, untersuchen Wissenschaftler der Humboldt-Universität Berlin. Die Glasfassaden des physikalischen Instituts wurden begrünt. Zehn verschiedene Kletterpflanzen in Kübeln wurden getestet. Dabei entwickelte sich der Blauregen am besten. Durch die Beschattung fällt imSommer weniger Sonnenlicht in die Räume. Ein großer Kühleffekt wird auch
durch die Verdunstung hervorgerufen. Pflanzen benutzen mehr als 80 Prozent der Strahlungsenergie für die Verdunstung des Wassers, das sie aus dem Boden ziehen. Dadurch kühlt die Umgebung ab, ähnlich wie unser Körper durch die Verdunstung des Schweißes. Rollos vor den Fenstern würden sich dagegen stark aufheizen. Im Winter verlieren die Pflanzen ihre Blätter, sodass jetzt viel Licht in die Räume eindringen und diese erwärmen kann.

Nachteile

Manch einer möchte gerne sein Haus mit Pflanzen verschönern, hat aber Bedenken wegen möglicher negativer Auswirkungen. Nachteile dürfen daher nicht verschwiegen werden.
Der Hausputz sollte schon ganz in Ordnung sein, sonst können sich Putz und Pflanzen zusammen ablösen. Auch bei verputzten Wärmedämmplatten, die außen aufgetragen wurden, ist die Tragfähigkeit oft nicht gegeben. Aufpassen sollte man auch an Regenrinnen und Dachziegeln. Vor allem Efeu drängt sich tief in dunkle Löcher hinein. Am besten ist es, die Pflanzen regelmäßig zu schneiden, bevor sie das Dach erreicht haben. Im Großen und Ganzen haben Fassadenbegrünungen jedoch mehr Vorteile als Nachteile.

Im Jahre 2022

Zu den im Artikel benannten Vorteilen hat sich inzwischen herausgestellt, das sich auch der Brandschutz durch Fassadenbegrünung verbessert. Weiterhin wird die Windangriffsfläche bei Hochhäusern erheblich verringert!

Seit dem 1. Juli 2022 gibt es ein Begrünungsprogramm der Stadt Bonn, indem Fassaden- als auch Dachbegrünung gefördert werden. Für extensive Dachbegrünungen winken Zuschüsse in Höhe von 30 Euro pro Quadratmeter, für Fassadenbegrünungen und Entsiegelungen mit anschließender Begrünung sowie für intensive Dachbegrünungen 50 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt sind Zuschüsse von bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten möglich.

https://www.bonn.de/pressemitteilungen/juni-2022/foerderprogramm-begruenung-startet-neu.php

Das Beitragsbild zeigt ein Haus in Bad Godesberg mit begrünter Fassade. Foto: Jürgen Huber