Nachhaltigkeit,  Ökologie

Schwerpunkt: Resilienz in der Gesellschaft und im urbanen Raum

Widerstandskraft erhalten

Die Resilienz (lat. Widerstandskraft) spielt eine zentrale Rolle, die sozial-ökologischen Transformationen unserer sozialen und geographischen Umwelt zu gestalten. Strategien zu entwickeln, die uns die Wege zu unseren gesellschaftlichen wie auch persönlichen Zielen nicht abschneiden, ist heute wichtiger denn je. Der/die Einzelne kann sich in diesen Gestaltungsprozess einbringen oder soll dabei nicht zurückgelassen werden. Die Beiträge dieser Ausgabe spiegeln den Umgang des/der Einzelnen und der Gesellschaft mit den Herausforderungen, eine lebenswerte Umwelt für sich und für alle zu erhalten.

Ralf Wolff

Die Vereinten Nationen vereinbarten 2015 mit der Agenda 2030 siebzehn Ziele vor Ort in den Gemeinden als auch in internationalen Zusammenhängen zu erreichen.
Das Foto zeigt ein Wandbild am hiesigen ‚Kulturzentrum Kult 41‘ nahe der Viktoriabrücke. Die dort in Form von Büchern illustrierten siebzehn „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen (SDG) bilden auch für kommunales Handeln einen wichtigen Orientierungsrahmen.
Welche konzeptionellen und praktischen Ansätze hierzu die UN- und Bundesstadt Bonn verfolgt, erläuterte uns im Interview Oberbürgermeisterin Katja Dörner. Ein wichtiges Ziel ist die Erreichung der CO2-Neutralität im Jahr 2035. In Kooperation mit dem Verein Bonn im Wandel hat die Stadt Bonn das Bürgerbeteiligungskonzept Bonn4Future auf den Weg gebracht.
Um gemeinsame Handlungsansätze zu finden, tauscht sich Bonn darüber hinaus mihrit Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises, bundesweit, aber auch international im Netzwerk ICLEI aus.
Die Unwetterkatastrophe im Ahrtal und an der Erft hat offenbart, wie existentielle Lebensgrundlagen weggespült werden können.
Unser Gastautor Walter Rodenstock reflektiert die Risiken für kritische Infrastrukturen und Chancen städtischen Lebens hinsichtlich Resilienz.
Zu viel Fläche ist insbesondere in Gewerbegebieten versiegelt, was bei Starkregenereignissen zu einem gewaltigen Anstieg des Wasserab-flusses beiträgt. Was kann in grauen Gewerbegebieten getan werden, um Städte und Kommunen im Hinblick auf den Klimawandel besser aufzustellen? Zu dieser Frage werden einige Projekte des Wissenschaftsladen Bonn e. V. vorgestellt.
Eine fiktive Reportage unseres Redakteurs Manfred Fuhrich schildert die Herausforderung an resiliente Strategien. Viele Städte in den neuen Bundesländern standen und stehen zum Teil noch vor den Problemen rückläufiger Bevölkerung und schrumpfender Wirtschaft.
Schließlich ergänzt Manfred Fuhrich mit seinem Zwischenruf unser Resilienzverständnis mit alltäglichen persönlichen Herausforderungen für eine resiliente Lebensführung.
Worin liegt denn das Geheimnis der Resilienz und was befähigt uns, aus Krisen im positiven Sinn verändert hervorzugehen? Auf diese grundlegenden Fragen erhielt das Projektteam der Bertolt-Brecht-Gesamtschule Bonn im Rahmen der ‚9. phil.cologne‘ von der Philosophin und Chefredakteurin des Philosophie Magazins Svenja Flaßpöhler Antworten. Wie tief Resilienz und Sensibilität miteinander zusammenhängen, erfahren Sie im neuesten Interview des Projekts Das Denken befragen.
Aus einem anderen Blickwinkel nähert sich Fritz Reheis in seinem Buch Resonanzstrategie dem Thema der nachhaltigen Verortung des Menschen in seinem Lebensumfeld. Für Reheis bedeutet Resonanz keineswegs Gleichklang, sondern fruchtbare Wechselwirkung zwischen dem Menschen und der Natur, dem Menschen und der Gesellschaft sowie dem Menschen mit sich selbst. Resonanzbeziehungen eröffnen demnach Spielräume für Utopien und Kreativität. Entschleunigtes Vortasten ins Neuland ermöglicht einen fehlertoleranten und lernenden Weg.
Reheis würde unserer BUZ-Redakteurin Alessandra und ihrem Gesprächspartner, dem österreichischen Biologen und Sachbuchautoren Clemens G. Arvay, vermutlich zustimmen, wenn sie den Aufenthalt in der freien Natur, als einen Weg zu sich und der eigenen Widerstandskraft anraten: Bei sich sein durch „weg sein“ ist ihre Resilienzstrategie.
Arvay erforscht im Zuge seines Doktorats, inwiefern uns Naturerfahrung widerstandsfähiger gegen virale und andere Erkrankungen (zum Beispiel Krebs) macht. Lesen Sie dazu, weshalb Umweltschutz für den Erhalt von Naturerfahrung heute wichtiger denn je ist.
Die Träger der Alternativen Nobelpreise geben Vorbilder für das Erreichen der SDG-Ziele. Unser Redaktionsehepaar Esther und Andreas stellt Ihnen den burkinischen Bauern Yacouba Sawadogo vor. Als Selbstversorger trotzt er der Desertifikation am Rande der heißen, trockenen Sahelzone. Ödnis wandelte er in Fruchtbarkeit. Seine beharrliche Arbeit und Rückbesinnung auf traditionelle Methoden sind ein Plädoyer für ideenreiches, kluges Handeln gegen die Armut in der Welt. Dafür erhielt er von den Vereinten Nationen den Alternativen Nobelpreis. Lesen Sie von den in seiner Gesellschaft zunächst als unmöglich angesehenen Taten.
Mit dem siebten SDG-Ziel streben die Vereinten Nationen bezahlbare und saubere Energie für alle an.
Seit den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nutzt Deutschland die Atomkraft zur Energiegewinnung. Ende nächsten Jahres ist Schluss damit. Für viele galt sie als saubere, verlässliche und günstige Alternative zu fossilen oder erneuerbaren Energien. Die Treibhausgasemissionen aus der Kohleenergie beispielsweise sind signifikant höher als die eines Kernkraftwerks. Zieht man allerdings die von Atommüll ausgehende Gefahr und den aufwändigen Rückbau mit in Betracht, wird schnell deutlich, dass Kernenergie keine nachhaltige, vertretbare (und auch keine wirtschaftliche) Alternative für die Energiegewinnung ist. Am Beispiel des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich hat unsere Praktikantin Anna Pfeiffer für Sie im Rahmen Ihres Geographiestudiums den Rückbau eines Druckwasserreaktors recherchiert und präsentiert.
Zu guter Letzt, stimmt Sie unser Kolumnist Jürgen schon auf die Adventszeit und Weihnachten ein. Bevor Jürgen mit Ihnen durch unsere Nachbarländer reist und Ihnen dabei europäische Weihnachtsbräuche aufzeigt, besucht er mit Ihnen einen Friedhof mit einer ganz besonderen Art des Totengedenkens.
Wie von Jürgen als ehemaliger Bioladner nicht anders zu erwarten, geht es in der Hauptsache ums Weihnachtsmenü!

Erschienen in der BUZ 6_21.