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Verkehrsforum Bonner Bürgerinitiativen (VF) zur Neuplanung des Zentralen Omnibusbahnhofs Bonn

27. April 2026 | Ausgabe 2 / 2026 Sonne und Wind, Gesellschaft, Nachhaltigkeit, VF | 0 Kommentare

Der neue ZOB muss den ÖPNV-Nutzern gehören!

Der ZOB wurde nach Fertigstellung der U-Bahn als Provisorium gebaut und weist manche Mängel auf. Deshalb ist eine komplette Umgestaltung geplant, die für Jahrzehnte das Stadtbild prägen wird. Dabei ist wichtig, Fehler zu vermeiden und so zu planen, dass der neue ZOB für die Fahrgäste Verbesserungen bringt und dass ein reibungsloser Busverkehr ermöglicht wird. Das VF hat sich mehrfach zu den Planungen geäußert. Die wichtigsten Gesichtspunkte werden nachfolgend erörtert.


Ilse Maresch
und weitere Mitglieder des VF


Fotorealistische Darstellung ‚Mittelinsel glasüberbedacht‘
Quelle: Anlage 13 c), s. r.

Die gegenwärtigen Planungen für die Neugestaltung des ZOB sehen vor, die Bushaltestellen um eine große überdachte Mittelinsel herum anzuordnen und am Rand des Bürgersteigs Maximilianstraße (Abb.1).

Der Südteil der Mittelinsel wird durch einen Hochbau (mit WC, SWB-Service etc.) überbaut und die gesamte Fläche unter dem ZOB für eine Fahrradtiefgarage unterkellert (Abb. 2). Die Zuwegung zu dieser Tiefgarage erfolgt von Süden her (Kaiserplatz) links an der Mittelinsel vorbei, und von Norden (aus der Minus- 1-Ebene) an der Stelle, wo sich heute die Fußgängerrampe befindet; diese soll nach Westen in die südliche Bahnunterführung verlegt werden. Ergänzend sind zwei Aufzüge vorgesehen. Neu ist die Planung eines Fahrradweges vom Kaiserplatz über Maximilianstraße und Straße am Hauptbahnhof bis zur Poststraße, der über den Bürgersteig und die Aufstellfläche an den Haltestellen für Busse und Straßenbahn geführt werden soll.

Radweg ist Sicherheitsrisiko

Korrekturbedarf an dieser Planung und hat sich mehrfach dazu geäußert:
Hauptkritikpunkt ist die Führung eines Radwegs über Bürgersteig und Haltestellen für Busse und Straßenbahn in der Maximilianstraße und der Straße am Hauptbahnhof (im Plan Abb.1 rot markiert). Ein solcher Radweg ist lebensgefährlich für die Fahrgäste des ÖPNV – nicht nur für die Wartenden an den neuen Haltestellen am Straßenrand, sondern auch für alle, die von der Innenstadt (Wesselstraße, Gangolfstraße) kommend den ZOB erreichen wollen oder von ZOB oder Poststraße zur Straßenbahnhaltestelle laufen; denn sie alle müssen diesen Radweg queren. Es gibt eine viel günstigere Alternative für eine Radwegführung vom Kaiserplatz zum Hauptbahnhof: links am ZOB vorbei oberhalb der Mauer zur Südunterführung und dann geradeaus zur Straße Am Hauptbahnhof. Diese Lösung ist auch deshalb sinnvoll, weil an der gleichen Stelle auf dem ZOB die Zu- und Ausfahrt der Fahrradtiefgarage unter dem ZOB geplant ist (Abb. 1, rot markiert).
Die Kreuzung Gangolfstraße – Maximilianstraße– ZOB gehört nach Schließung des Cityrings für den Autoverkehr ausschließlich dem Fußverkehr und wird von unzähligen Menschen täglich genutzt – von Fahrgästen, die den ZOB und die U-Bahn erreichen wollen, oder Fußgänger/innen, die von und zum Kaiserplatz unterwegs sind. Ein Fahrradweg, auf dem zügig gefahren wird, der über den Bürgersteig hinter den Bushaltestellen entlang (die extrageschützt werden müssen) und dem Restbürgersteig zwischen Hauswand und Radweg geführt wird, bedeutet eine permanente Gefahr für alle Menschen, die hier zu Fuß unterwegs sind. Bekannt sind die Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr auf dem Münsterplatz, aber dort gibt es viel Platz zum Ausweichen. Den gibt es an der Kreuzung Gangolfstraße nicht. Deshalb ist diese Radwegeführung in unseren Augen nicht hinnehmbar (vgl. Abb. 4).
Das VF unterstützt jede Verbesserung für den Radverkehr, aber nicht auf Kosten von Fußgänger/innen und Fahrgästen des ÖPNV! Der Radverkehr gehört auf die Straße, nicht auf den Bürgersteig. Heute sind der ZOB und der breite Bürgersteig vor dem Maximiliancenter ein geschützter, für Fahrgäste und Fußverkehr reservierter Bereich. Es wäre absurd, die heutigen Sicherheitsstandards drastisch zu senken beim Umbau des ZOB, der doch die Nutzung von Bus und Bahn für die Fahrgäste attraktiver und zukunftsfähiger machen soll! Sinnvoller wäre die Führung des Radverkehrs durch die Pop-Unterführung. Das wird seit Jahrzehnten gefordert. Warum wird diese Planung nicht ernsthaft geprüft?

Der ZOB braucht die Rampe

Ein zweiter Kritikpunkt betrifft die Fußgängerrampe von der Minus-1-Ebene zum ZOB. Sie verläuft heute von der U-Bahn kommend geradeaus nach oben – mit einem Schwenk nach links etwa ab der Hälfte der Rampe. In Abb.2 ist die heutige Rampe als „Bestand Tunnel“ blau eingezeichnet. Diese Rampe gerät am oberen Ende in Konflikt mit neu geplanten Bushaltestellen am Rand der Mittelinsel. Diese Fußgängerrampe wird aber gebraucht – für alle Verkehrsteilnehmer/innen auf und mit Rädern (Kinderwagen, Rollatoren, Rollstühle) und vor allem auch für die Sicherheit als Fluchtweg.
Das VF hat deshalb empfohlen, die Rampe bis zur Hälfte zu erhalten und dann nach rechts statt nach links zu verschwenken und zur Mittelinsel zu führen. Das hätte den Vorteil des kürzesten Weges und man könnte Steuergelder sparen; denn die Rampe genießt Bestandsschutz, wo sie nicht verändert wird. Vor allem aber würde am unteren Ende der Rampe vermieden, dass ausgerechnet die schwächsten Verkehrsteilnehmer/ innen um die Ecke laufen müssen, wo die Rampe in einem dunklen, unübersichtlichen Winkel beginnt (Angstraum).
In Abb. 2 kann man die Lage der neu geplanten Rampe als schrägen gestrichelten Kasten rechts von den beiden Aufzügen erkennen. Sie soll EU-gerecht mit zwei Biegungen nach oben geführt werden und ist dadurch erheblich länger als die heutige Rampe, was viel mehr Platz beansprucht. Für Fußgänger/innen ist eine zusätzliche Treppe geplant. Eine steilere Rampe mit Rollband, wie sie von der U-Bahn zur Minus-1-Ebene führt, wurde leider abgelehnt.

Unwürdige Präsentation der „Szene“

Ein dritter Kritikpunkt betrifft das soziale Umfeld des ZOB. Wir halten es nicht für sachdienlich, den eigentlich viel zu knappen Raum für den ZOB durch weitere Nutzungen noch weiter zu verkleinern, auch nicht für den sozialen Bedarf der sog. „Szene“.
Der jetzt geplante Standort im spitzen Winkel an der Ein- und Ausfahrt des ZOB (Abb. 3) ist menschenunwürdig und gefährlich und demonstriert die Verachtung, die man diesen Menschen entgegenbringt.
Man sollte mit Mitarbeiter/innen der Bahnhofsmission, wo freundlich für sie gesorgt wird, des Vereins für Gefährdetenhilfe und des Sozialamts der Stadt Bonn beraten, wo ein guter Aufenthaltsort eingerichtet werden kann. Der ZOB ist kein geeigneter Standort!
Der ZOB muss ein konfliktfreier, nur für die Fahrgäste reservierter Raum bleiben, so wie es heute ist.

Zufahrt der Busse aus der Innenstadt

Die Zufahrt zum ZOB aus der Innenstadt (Rathausgasse, Straße am Hof) war ursprünglich geradeaus über die Wesselstraße geplant. Diese Planung wurde in der Zwischenzeit verworfen. Nun will die neue Stadtregierung laut „Eckpunkte für ein neues Ratsbündnis“ (vgl. GA am 12.12.2025) prüfen lassen, ob die Busse nicht doch über die Wesselstraße zum ZOB fahren könnten statt über Neutor und Kaiserplatz. Diesen Vorschlag unterstützt das VF. Denn dadurch würden Umwege vermieden und Zeit gewonnen.

ZOB ohne Wasser und Grün

Derzeit wird der ZOB als vollständig versiegeltes, Baum-freies Gelände geplant. Der Architektenentwurf ist geschönt und zeigt im Westen zum Bahnhof hin noch einige der großen Bäume, die es aber künftig nicht mehr geben wird. Das gläserne Dach über der Mittelinsel wird sich aufheizen und zu einem Hitzestau führen. Es ist zweifelhaft, ob dort noch eine gute Durchlüftung möglich ist. Eine geplante Dachbegrünung samt Solaranlagen kann den Wegfall sämtlicher Bäume auf dem ZOB-Gelände nicht ersetzen und wird voraussichtlich den Aufenthaltsraum auf der Mittelinsel stark verdunkeln. Das VF fordert die Erstellung eines Grün und Wasserkonzepts für das ZOB-Gelände, die weitest gehende Erhaltung des vorhandenen Baumbestands und Anpflanzung weiterer Bäume zusätzlich zur geplanten Begrünung von Dächern. Wir zitieren aus der ZURES-Studie, die die Grundlagen der Klimaresilienz von Städten – speziell der Stadt Bonn – erarbeitet hat. In der Ergebnisbroschüre werden unter den „wichtigsten Wirkungen der stadtklimatischen Anpassungsmaßnahmen“ an erster Stelle Bäume genannt, „da sie sowohl Verschattung bieten als auch für Verdunstungskühlung sorgen. Die Effekte hängen wesentlich von der Größe des Baums bzw. der Baumkrone ab.“ Aus unserer Sicht müssen die vorhandenen Bäume auf dem ZOB erhalten und in den neuen ZOB integriert werden.

Vorstellung der Autorenschaft

Das Verkehrsforum Bonner Bürgerinitiativen(VF) versteht sich als Lobby für den
Umweltverbund aus Fuß-, Rad- und Öffentlichem Verkehr. Es wurde 1985 gegründet als
Bündnis aller Umweltverbände gegen den Ausbau Bonns zur Auto-gerechten Stadt.

 

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