Gesellschaft,  Interview,  Politik

Jürgen unterwegs

Eine lange Zeit tat sich in Sachen Umweltdemos recht wenig. Die 68-er Generation schien gealtert zu sein, die Jugend noch nicht wach. Das änderte sich, als die 15-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg am Freitag, den 20. August 2018 vor dem schwedischen Reichstag für mehr Maßnahmen gegen die Klimakrise protestierte. Schnell übertrug sich die Aufmerksamkeit auf Deutschland. Der erste „Schulstreik“ in Deutschland durch Fridays for Future fand dann zu Anfang des Jahres 2019 statt. Die Jugend war im Rennen und es schlossen sich viele Gruppierungen an. Jürgen war unterwegs und sprach mit den Aktiven.

Jürgen Huber

Fridays for Future Bonn

In Deutschland dauerte es nicht lange bis sich die Schüler*innen organisierten. Im Januar 2019 geschah dieses ganz modern über Webpräsenz und Nutzung der sozialen Medien. Auch ganz konventionell mit Plakaten und Flugzetteln.
Im Januar 2019 gründete sich die Bonner Fridays for Future Ortsgruppe und begann nach dem Vorbild von Greta Thunberg mit den Freitags-Schulstreiks. Ziel war es, auf die Klimakrise aufmerksam zu machen und für echte Klimagerechtigkeit und Klimaschutz zu kämpfen. Die Politik wurde und wird dazu aufgefordert, auf die Wissenschaft zu hören und die Klimakrise wie eine Krise zu behandeln. 2000 Teilnehmende fanden sich am Freitag, den 18. Januar 2019 auf der Hofgartenwiese zum ersten Fridays for Future Schulstreik in Bonn zusammen. Auch hier in Bonn entstanden auf lokaler Ebene eine Reihe von Forderungen. Gemeinsam mit den Parents for Future Bonn wurden im Mai und August 2020 zwei Maßnahmenkataloge für ein klimagerechtes, nachhaltiges Bonn und für eine klimagerechte Verkehrswende der Stadt vorgelegt. Sie setzten sich seitdem dafür ein, dass die Stadt Bonn diese Maßnahmen umsetzt. So lesen wir es auf der Webseite: https://fridaysforfuture-bonn. de/forderungen/
Wichtige Etappen: Am 15. März 2019 versammelten sich auf der Bonner Hofgartenwiese gut 5000 Menschen zum „Globalen Klimastreik“. Nach der „Auftaktkundgebung“ begab sich der Demonstrationszug über die Adenauerallee durch die Innenstadt in die Südstadt um wieder zum Hofgarten zurückzukehren.
Am 12. April 2019 fand auf dem Münsterplatz eine Kundgebung mit anschließendem alternativen Unterricht in Form von Workshops rund ums Thema Klima statt. Hier machten viele andere Gruppen mit, die sich um den Klimawandel sorgen.
Am 9. August 2019 gingen trotz Ferien 1500 Menschen auf die Straße. Um zu beweisen, dass es gegen die Meinung der Kritisierenden den Schüler*innen nicht ums „Schulschwänzen“, sondern eben um einen echten Schulstreik ging.
Erfolg: Am 4. Juli 2019 verhandelte der Bonner Stadtrat über den Antrag, der von Fridays for Future, Parents for Future und der Klimawache zur Ausrufung des Klimanotstandes in Bonn erarbeitet wurde und nahm ihn an. Vorher fanden sich am 28.Mai 2019 rund 250 Interessierte, Klimabewegte und Mitglieder vieler Bonner Initiativen im Stadthaus ein. Alle Besucherplätze des Sitzungssaals waren in kürzester Zeit belegt, es musste sogar noch zusätzlicher Platz für die vielen Zuhörenden geschaffen werden. Dieses massive Auftreten hinterließ einen nachhaltigen Eindruck beim Bürgerausschuss der Stadt Bonn und auch im Rat.

Globaler Klimastreik

Bild: Demozug am Bonner Rheinufer Bildrechte: Jürgen Huber

Jürgen war dabei und nutzte die Gelegenheit, mit einigen der 3000 vom Veranstalter gezählten Teilnehmer*innen über deren Motivation zu sprechen. Eine sehr häufig zu hörende Antwort: „Die verdienen sich auf Kosten der Umwelt (und uns) dumm und dämlich, das darf nicht mehr sein“ ist noch die harmloseste Version. Auch Lützerath wurde thematisiert. Manche hatten kein Verständnis, warum nicht noch mehr Menschen auf der Straße sind, nach diesem heißen Sommer und der Flutkatastrophe im letzten Jahr. Während des „Interviewrundganges“ sah ich auf viele Banner, zwei davon fielen mir besonders ins Auge: “Kurzstreckenflüge nur für Insekten“ oder ein sehr hintersinniges mit der Aufschrift „Keine Gradwanderung“

Omas for Future

Das Wachrütteln der Politik steht bei Fridays for Future im Vordergrund. Anders die Omas for Future, die an die Eigenverantwortung der Menschen appellieren. Im Juli 2019 wird der gemeinnützige Verein „Leben im Einklang mit der Natur e.V.“, der Trägerverein der Omas for Future gegründet. Im Gründungsteam finden wir Klimawissenschaftler*innen und erfahrene Klimabotschafter*innen. Sie möchten eine Welt erschaffen, in der Menschen im Einklang mit der Natur leben. Es kann uns Menschen nur so gut gehen wie es der Erde geht. Die Generation 50+ wird motiviert, aus der Liebe zu ihren Nachkommen ihr persönliches Verhalten zu ändern und eine nachhaltige, lebenswerte Zukunft zu erschaffen. Dazu klären Omas for Future niedrigschwellig über Nachhaltigkeit auf, steigern das Verständnis für eine selbstwirksame, klimaschützende Orientierung im eigenen Leben.
Auf wissenschaftlicher Datenlage beruhende Informationen vermittelt Omas for Future unter anderem an Ständen auf Märkten, bei Veranstaltungen, in Bildungseinrichtungen und Vereinen. Mit kreativen oder spielerischen Aktionen, in Workshops und mit einem eigens erstellten Wissensquiz animieren sie zu alltagstauglichen Umsetzungen. Diese richten sich an alle Generationen und führen gleichermaßen zu bewussterer Wahrnehmung des Umfelds und bestenfalls zur alltäglichen Verhaltensänderung.
Erfolg: Da sich die Ortsgruppe Bonn noch im Aufbau befindet, können noch keine Erfolge verbucht werden. Wenn Sie zu Erfolgen hier in Bonn beitragen möchten, setzen Sie sich doch mit meiner Interviewpartnerin Elke Fischer (bonn@omasforfuture.de) in Verbindung. Übrigens sind auch OPAS sehr willkommen.

Artists for Future

Im April 2019 veröffentlichten die Artists for Future eine Pressemitteilung, dass mehr als 1400 Künstlerinnen und Künstler die Stellungnahme der Artists for Future unterzeichnet haben. Hierunter finden wir Kulturschaffende aus Musik, Literatur, Darstellender und Bildender Kunst. Da es sich um keine eigenständige Institution handelt und das Hauptziel darin besteht, die Proteste für mehr Klima- und Umweltschutz zu unterstützen, soll es keine zentrale Organisation für die Artists for Future geben. Stattdessen sollen alle Kunstschaffenden dazu ermutigt werden, in ihrem eigenen künstlerischen Umfeld dem Thema Umwelt- und Klimaschutz mehr Raum zu geben und notwendige Veränderungen anzustoßen. Inzwischen sind es bundesweit mehr als 2900 Kunstschaffende, die unterzeichnet haben. Weitere Infos findet Ihr hier: https://artistsforfuture.org/de/ und auf Seite 4 mit dem Artikel Performing 4 Future.
Ein interdisziplinäres Kunstprojekt fand im Bonner Kulturzentrum „Kultur 41“ statt. Make Peace with Nature war ein interdisziplinäres Kunstprojekt, das die Kulturlandschaften des Rheins und Indus verbinden und einen interkulturellen Austausch zwischen Orient und Okzident anregen wollte. Über die drei großen planetaren Krisen unserer Zeit: Klimawandel, Artensterben und Umweltverschmutzung. Dieses Projekt endete leider schon am 16. Oktober 2022.

Jürgen meint

Es geschieht viel um die „for Futures“. Es ist gut, wenn unterschiedlichste Gruppierungen für das Thema Klimawandel kämpfen. So kann jede suchende Person, die sich gerne einbringen möchte, eine zu ihr passende Gruppierung herausfinden. Aber Vorsicht, bei meinen Recherchen bin ich über die ein oder andere Gruppierung gefallen, die mir nicht ganz geheuer vorkam. Eine ganz gute Seite zur Suche findet ihr hier: https://www. for-future-buendnis.de/#gruppen

Foto: Ein origenelles Banner “Gradwanderung” Bildrechte: Jürgen Huber


Es bedarf nicht immer solch großer Organisationen, um der Umwelt zu helfen. Auch im „kleinen“ ist dieses recht einfach zu organisieren. So fanden sich während der Hitzewelle im Juli/August im sonst unter Wasser befindlichen Bett des Rheines unter anderem Heizkörper, Einkaufswagen, Fahrräder und vieles mehr. Hier zeigte sich dann wieder einmal die unflexible Seite unserer Verwaltungen. Keiner wollte für die Beseitigung der „Findlinge“ zuständig sein, weder das Wasser- und Schifffahrtsamt noch Bonn Orange. Wenn nicht die beherzte Bürgerschaft die Initiative ergriffen und die „Findlinge“ einfach weggeschafft hätte, wäre das Schweigen des steigenden Wassers wieder über diese unschönen Objekte geschwappt! Auch Bäume wurden vor dem verdursten gerettet. Eine „Menschenkette“, die Wassereimer transportierte, organisiert von den „Baumwächtern“, bildete sich vom Rhein bis zu den durstigen Bäumen. Kontakt: baumwaechter_one@posteo.de