Gesellschaft,  Nachhaltigkeit,  Ökologie

Auerberger lösen Kriminalfall um ein Umweltverbrechen in Marokko

Dem Müll auf der Spur

Andreas Joppich

Das Jugendforum Auerberg, der Verein Lifemakers Bonn und der Unterwegs e.V. organisierten in den Herbstferien 2011 einen interaktiven Live-Krimi. Die teilnehmenden Kinder begaben sich auf eine fiktive Reise, begegneten Rollenspielern, hatten manches Hindernis zu überwinden und lernten dabei viel über den Umgang mit Müll.

Schockierende Nachrichten aus der arabischen Welt, der Heimat einiger der Teilnehmer/innen, sind der Ausgangspunkt. Eine neue Seuche sei ausgebrochen, und niemand wisse genau, woher diese komme – so zumindest die Aussage der Ärztevereinigung, aber es gibt auch andere Stimmen. Die Kinder machen sich auf den Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Zuerst treffen sie Ali. Er hat gerade ein Kind bekommen, doch die Tochter ist nicht gesund. Ali selber wollte die Gründe nicht erfahren. Die Kinder aber gehen zum Krankenhaus, um dort zu fragen. Sie erfahren, dass Alis Tochter eine überhöhte Dosis von Giftstoffen im Blut habe. Dies passiere leider immer häufiger in ihrem Ort. Wenn sie mehr erfahren wollen, könne vielleicht die Umweltaktivistin weiterhelfen.
Auf dem Weg müssen die Kinder durch ein Müllfeld. Sie dürfen den Boden nicht berühren, sondern können nur mit Hilfe kleiner Holzplatten dieses überqueren. Eine kooperative Aufgabe, die gar nicht so leicht zu bewältigen ist. Doch was erleben sie, als sie gerade das Feld überquert haben? Eine Frau wirft Batterien aus ihrem Radio einfach auf die Straße. „Umweltverschmutzerin!“, „Was machen Sie da? Das
ist doch giftig!“ Die Kinder haben richtig Wut. Es gelingt ihnen, die Frau zu überzeugen und gemeinsam gehen sie die Batterien ordnungsgemäß entsorgen.
Doch schon bekommen sie die nächste Hiobs- Botschaft. Die Stofffärberei, in der die Frau arbeitet, würde ihre Chemikalien auch einfach in den Fluss kippen. Wenig später sehen die Kinder verdächtige Fässer in einem See. In einer abenteuerlichen Aktion werden diese geborgen. Bei der Umweltaktivistin erfahren sie, dass eine ausreichende Umweltgesetzgebung existiert, diese aber oft nicht eingehalten wird. Zu viele Leute würden einfach wegsehen. Und ohne zwingende Beweise würde auch die Polizei nicht aktiv.
Die Kinder beschließen diese Beweise zu beschaffen. Sie klettern in die Färberei und durchsuchen das Gebäude. Ganz offensichtlich stehen dort eine Reihe von Eimern mit giftigen Substanzen. Aber werden diese wirklich illegal entsorgt? Dies bleibt lange offen, bis die Kinder dann einen Auftrag zur Entsorgung finden: schnell, günstig, diskret. Die Entsorgung soll um 12:45 stattfinden – in 45 Minuten. Da bleibt nicht mehr viel Zeit.

Schnell rennen die Kinder zur Polizei. Wie enttäuscht sind sie jedoch, als die Polizei nicht handelt. Die Formulierung des Auftrags ist zu vage, um als Beweis zu dienen. Was sollen die Kinder nun tun? Da es Freitag ist, schlägt Ali vor, erst einmal das Mittagsgebet zu machen. Vielleicht würde Allah ihnen einen Hinweis geben. Allah direkt macht dies nicht, aber die Kinder stellen fest, dass im Koran Umweltschutz tief verankert ist. Sie sprechen den Imam darauf an. Dieser bestätigt die Kinder. Das Sauberkeitsgebot beziehe sich nicht nur auf die Körperpflege, sondern auch auf den Umgang mit der eigenen Umwelt. Er beschließt mit ihnen den Unternehmer aufzusuchen. Aber auch hier erwartet die Kinder eine Überraschung. Sie gingen davon aus, einen Bösewicht zu treffen. Der Unternehmer ist jedoch nett und lädt sie zu Tee und Keksen ein. Er meint, er würde doch nur das machen, was die Konkurrenten auch tun. Niemand kümmere sich darum, wie der Müll entsorgt würde. Als er von den schwerwiegenden Folgen hört, ist er selber sehr betroffen. Er schildert den Kindern aber auch sein Dilemma. Er müsse auf dem Weltmarkt bestehen. Wenn seine Produktion zu teuer wird, dann bekommt er keine Aufträge und müsse seine Arbeiter/innen entlassen. Die Kinder sind der Meinung, dass er trotzdem seine Farben besser entsorgen oder andere Farbstoffe nutzen soll. Der Unternehmer stimmt zu und kündigt an, nach entsprechenden Möglichkeiten zu suchen. Unterdessen können die Kinder aber das Abkippen des bereits abgeholten Mülls verhindern. Er nennt den Kindern den geplanten Ort. Dort kommen sie dann auch genau rechtzeitig an. Das „Entsorgungs“-Unternehmen hat bereits angefangen die Fässer zu verteilen. In einem Wettlauf versuchen die Kinder, diese immer wieder auf den LKW zu bringen, während das Unternehmen sie weiter auf dem Feld verteilt. Ein spannender Wettlauf und lange scheint das Ende offen. Am Ende gewinnen die Kinder. Die Polizei erscheint und führt nun doch den Verbrecher ab. Zurück bei Ali berichtet dieser, dass er gerade positive Neuigkeiten aus dem Krankenhaus habe. Seine Tochter würde doch keine bleibenden Schäden davontragen. Alles scheint gut.
Alles? Nein, der Textilunternehmer braucht weiter Hilfe, damit er seine nun ökologischen Produkte auf dem Markt verkaufen kann. Gemeinsam wird überlegt, was die Kinder tun können, um Müll zu vermeiden – eigenen Müll sowie Müll in der Herstellung ihrer Konsumprodukte.
Die Idee der pädagogischen Live-Krimis wurde 2005 in Niedersachsen zum ersten mal umgesetzt. Im Rahmen des Pilotprojektes „Globales Lernen in der Freizeit“ vom Internationalen Haus Sonnenberg entwickelte er verschiedene Methoden, globale Zusammenhänge und Nachhaltigkeitsthemen auch in der offenen Jugendarbeit zu vermitteln – von Medienprojekten, über Geländespiele und Erlebnispädagogik bis hin zu den interaktiven Live-Krimis. Die Stiftung Umwelt und Entwicklung ermöglichte nun dieses
erste Angebot in NRW.
Grundgedanke bei allen Methoden des Globalen Lernens in der Freizeit ist, dass diese den Bedürfnissen, die Kinder und Jugendliche an ihre Freizeit stellen, gerecht werden müssen. Die Kriminalgeschichten tun dies. Trotz der Lerninhalte kommt der Spaß nicht zu kurz. So waren die Kinder beinahe traurig, als der Krimi gelöst war. Gerne würden sie schon bald ein neues ökologisches Abenteuer erleben.

Das Beitragsbild wurde aufgenommen von Jan Tornack / pixelio.de und zeigt eine wilde Müllkippe!