Utrecht als Vorbild für Bonn?

27. September 2023 | Gesellschaft, Jürgen Huber, Nachhaltigkeit, Politik, Umwelt | 1 Kommentar

 

Wegweiser zu Fahrradparkplätzen

Liebe Leser*innen,
vor kurzem las ich eine Pressemeldung der Stadt Bonn über die Studienreise einer Gruppe aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung sowie Handels- und Mobilitätsorganisationen aus Bonn in die niederländische Stadt Utrecht. Im Mittelpunkt standen die Erfahrungen der Stadt Utrecht, ihrer Unternehmerschaft und des dortigen City-Managements.
Die Meldung hat mich animiert, ein modernes Märchen, welches ich im April des Jahres 2019 erlebt habe, noch einmal zu erzählen.
Es ist das Märchen von einer Stadt, deren Innenstadt den Fußgehenden, Fahrradfahrenden sowie Bus und Bahn gehören. Wo Sie mit Bus und Bahn staufrei in die City kommen! In der es attraktive Geschäfte und gute Lokale gibt, und die Einzelhändler*innen zufrieden sind.

 

Fahrradparking Outdoor

Utrecht (367.951 Einwohner*innen), eine mit Bonn (338.396 Einwohner*innen) vergleichbare Stadt mitten in den Niederlanden, mit einer Fläche von 99 km² (Utrecht) gegen 141 km² (Bonn) ist uns um vieles voraus.
Mit dem Auto in Richtung Utrecht fahrend, weisen Schilder frühzeitig darauf hin, dass ein Befahren der Umweltzone mit privaten Dieselfahrzeugen untersagt ist, in der Fußgängerzone ist der Lieferverkehr ausschließlich für Euro 6 Diesel- und Elektrofahrzeuge gestattet.
Die gesamte Innenstadt ist für den KFZ Durchgangsverkehr gesperrt, hier fahren Bahnen, Busse und Fahrräder sowie der gewerbliche Verkehr, in den Niederlanden an blauen Kennzeichen zu erkennen.

 

Parkgebühren 2019

Wer also Utrecht mit dem Auto besucht, sollte sich einen nahe der Autobahn liegenden Park & Ride Platz suchen. Ein P&R Ticket für 5 Euro kann gezogen werden, und dann wird mit fünf Personen in Bus oder Bahn gemütlich die Innenstadt erreicht. Bei Stundengebühren von 4,53 Euro an der innenstädtischen Parkuhr ein guter Deal!
Dabei hätte es ganz anders kommen können, denn vor Jahrzehnten sollte Utrecht eine Autostadt werden, zugeteert bis über die Grachten. Aber die Utrechter Bevölkerung ging auf die Barrikaden, und so wurde dieses schöne Kleinod in den Niederlanden gerettet. Seitdem laden Busspuren, eine Metro und breite, von der Fahrbahn getrennte Radwege neben Fußgängerwegen zu einem entspannten Aufenthalt ein.

 

Schöne Geschäfte in Utrecht

Bäckerei

Zu lesen ist, dass die Betreiber*innen der Geschäfte sehr zufrieden mit ihren Umsätzen sind. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Utrechter Geschäftswelt nicht aufs Auto fixiert ist, sondern unter anderem auf eine sehr breite und niveauvolle Angebotspalette. Hier gibt es noch einen Käseladen, den gab es in Bonn am Dreieck auch mal. Einen Eisenwaren-händler, der in betagtem Alter noch am Tresen steht, auch den gab es in Bonn mal. Das sind nur einige Beispiele.

 

Eisenwarenladen

Biologische Frittenbude

Sie sehen, es ist gar kein Märchen, jedenfalls in Utrecht nicht!
Und wenn die Bonner Politik von Utrecht lernen kann, wie Verkehrswende richtig geht, kommen wir schneller zur Klimaneutralität.
Vielleicht wendet sich auch die IHK vom Individualverkehr in der Innenstadt ab, denn sie war ja dabei und hat gesehen, wie es ohne Auto geht.

 

Cafe

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1 Kommentar

  1. Eine Studienfahrt nach Utrecht stand heute auf dem Programm. Eingeladen hatten dazu die IHK Bonn/Rhein-Sieg und die Stadt Bonn. 30 Teilnehmende aus der Verwaltung, aus Verbänden und aus der Politik erhielten einen umfassenden Einblick in eine moderne Metropole.

    Utrecht ist die viertgrößte Stadt der Niederlande, hat den größten Bahnhof des Landes und einen überragenden Anteil an Radfahrenden mit dem größten Fahrradparkhaus der Welt.

    Allein der Bahnhof hat eine große Bedeutung für die Mobilität innerhalb der Stadt und die rund 60.000 Menschen, die täglich nach Utrecht pendeln.

    Utrecht wird weiter wachsen und die Basis dafür ist die Universität mit 90.000 Studierenden.

    Der Blick nach Utrecht zeigt, dass die Verkehrswende nicht zum Niedergang des Einzelhandels führt. Auch wenn das Fahrrad in Holland natürlich gesellschaftlich eine größere Rolle spielt als in Deutschland.

    Herzlichen Dank an Stefan Hagen und Katja Dörner sowie an Arnulf Marquardt-Kuron für einen äußerst interessanten Tag.

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