Paten der Nacht – gegen zunehmende Lichtverschmutzung
Einblicke in die Arbeit einer gemeinnützigen überparteilichen Organisation zur Eindämmung der Lichtverschmutzung.
Franziska Schmickler

Die Belichtung des Bonner Rheinufers bei Dunkelheit
(45 Minuten nach Sonnenuntergang).
Foto: Franziska Schmickler
Die Nächte werden im heller. Besonders in den Städten nimmt die Helligkeit in der Nacht durch das immer Anschalten von Straßenlaternen, Fassadenbeleuchtungen, Werbetafeln oder auch Beleuchtung von Gebäuden zu. Echte Dunkelheit ist vielerorts kaum noch existent. Was vom Menschen als sicher wahrgenommen wird oder eine angenehme Atmosphäre bedeutet, hat jedoch erhebliche Folgen für die Umwelt und Artenvielfalt. Die Organisation der „Paten der Nacht“ engagiert sich seit 2019, um auf diese Thematik aufmerksam zu machen und Lösungen für einen bewussteren Umgang mit künstlichem Licht aufzuzeigen.
Was ist Lichtverschmutzung?
Die Lichtverschmutzung beschreibt den Prozess der künstlichen Aufhellung der Nacht und des Nachthimmels durch elektrisches Licht. Seit der Erfindung der Glühbirne 1879 wird die Dunkelheit zunehmend verdrängt. Diese
Aufhellung der Nacht, auch als Lichtmüll oder Lichtsmog bezeichnet, beeinflusst unsere Umwelt und Ökosysteme negativ und gilt als Form der Umweltverschmutzung. Dabei ist die Nacht eigentlich nie vollkommen dunkel. Besonders bei Vollmond ist die Nacht überraschend hell. Die Beleuchtungsstärke eines Vollmonds beträgt bis zu 0,25 Lux. Zum Vergleich: Eine typische Straßenbeleuchtung erzeugt oft 10 bis 30 Lux. Somit ungefähr also das 40- bis über 100-Fache der natürlichen Vollmondhelligkeit. Das zeigt, wie stark künstliche Beleuchtung die natürlichen Lichtverhältnisse verändert. Eine natürliche Grundhelligkeit entsteht auch durch das Licht von Sternen, Mond und Planeten. Zusätzlich sorgt ein sogenannter „Airglow“, durch chemische Prozesse in der Atmosphäre erzeugt, für zusätzliches Selbstleuchten.
Ursachen der Lichtverschmutzung
Ein wichtiger Grund für nächtliche Beleuchtung ist das Gefühl der Sicherheit durch die Beleuchtung von Wegen und Straßen. Entgegen der verbreiteten Annahme verbessert starke Beleuchtung nicht immer die Sicht. Die Anpassung des menschlichen Auges an die Dunkelheit kann bis zu 30 Minuten dauern. Wird die Umgebung stark beleuchtet, kann diese Anpassung gestört werden. Aber auch durch die Ausübung von Freizeitaktivitäten
wie etwa Flutlichtanlagen auf Sportplätzen, Open-Air-Veranstaltungen oder Konzerten wird die künstliche Beleuchtung verstärkt eingesetzt. Ein weiterer Faktor der Lichtverschmutzung ist auch die Werbebeleuchtung oder reine Zierbeleuchtung. Heutzutage werden häufig Gebäude, Fassaden und Brücken beleuchtet. Aber auch Bäume, Hecken, Gärten oder Teiche werden mit künstlichem Licht versehen, diese Lichtquellen bleiben zum Teil auch die ganze Nacht eingeschaltet. Teilweise verfehlen diese Beleuchtungen auch ihr eigentliches Ziel. Besonders über dicht besiedelten Gebieten bildet sich eine sogenannte Lichtglocke, die über hunderte Kilometer leuchtet und die Nacht selbst an dunkleren Bereich
erhellt. So eine Lichtglocke entsteht durch künstliches Licht über Städten, Dörfern und Industriegebieten, das in den Himmel abgestrahlt wurde und mit der Erdatmosphäre reagiert. Das Licht wird in der Erdatmosphäre an den Partikeln der Luft gestreut. Das erfolgt umso stärker, je größer der Blauanteil des Lichts ist.
Entwicklung der Lichtverschmutzung
Besonders durch das Sinken der Kosten für Licht wird dieses vermehrter eingesetzt, was nicht nur den Nachthimmel erhellt, sondern auch eine große Menge an Energie kostet. Laut „Paten der Nacht“ betragen die Kosten für nutzlos verschwendetes Licht zirka 20 Milliarden Euro pro Jahr.
Folgen der Lichtverschmutzung
Licht ist ein starker Zeitgeber für nahezu alle Organismen der Erde und steuert lebenswichtige Prozesse, somit sind diese auch zwingend auf den Wechsel angewiesen. Ein wichtiger Prozess sind die Wach- und Schlafphasen sowie Zell-Reparatur und -Regeneration. Das heißt durch den vermehrten Einsatz von künstlichem Licht geraten diese Prozesse aus dem natürlichen Takt. Es kann sogar zum Artensterben kommen und ganze Ökosysteme geraten aus der Balance, was durch deren Vernetzung zu umfangreichen Folgen führen kann, auch für uns Menschen. Besonders betroffen sind Insekten, die mehr als die Hälfte aller Tierarten ausmacht und viele von ihnen nachtaktiv sind. Eine Folge davon ist die Gefährdung der Bestäubung. Im Sommer sterben in Deutschland geschätzt 100 Milliarden Insekten an den Straßenlaternen aufgrund der Dauerumkreisung des Lichts oder sie verbrennen oder fallen Fressfeinden zum Opfer. Die Folgen des Insektensterbens ist ein sinkendes Angebot an Nahrung für alle Tierarten und eine Reduzierung der Artenvielfalt und damit ein noch weiter steigendes Artensterben. Eine drohende Konsequenz für den Menschen sind umfangreiche Ernteausfälle. Somit betrifft das Thema jeden.
Lösungsansätze
Wie können wir also die Lichtverschmutzung reduzieren? Die Paten der Nacht geben dafür einige hilfreiche Hinweise. Die positive Nachricht ist, dass die Lichtverschmutzung ein Umweltproblem ist, dass im Gegensatz zu vielen anderen Problemen einfach einzudämmen ist. Mit einfachen Mitteln kann jeder einen Beitrag zur Reduzierung von Lichtverschmutzung leisten:
1. Reduzierung der Lichtintensität
2. Justierung der Licht-Richtung (nur nach unten)
3. Montagehöhe anpassen und so niedrig wie
möglich einstellen
4. Nutzung von niedrigen Farbtemperaturen
5. Reduzierung der Dauer der Beleuchtung
6. Prüfen der Notwendigkeit der künstlichen
Lichtquelle
7. Jalousien/Vorhänge schließen, damit das Licht
im Raum bleibt
Weitere Tipps und Möglichkeiten des eigenen Einsatzes zur Reduzierung von Lichtverschmutzung können unter https://www.paten-der-nacht.de/ gefunden werden. Als kleiner Hinweis: Die internationale Dark Sky Week (https://idsw.darksky.org/) fand vom
13. bis 20. April 2026 statt. Am 11. September 2026 wird die Earth Night (https://www.earth-night.info/ ) mit vielen Umweltaktionen, bei der jährlich Millionen Menschen, und auch Städte und Unternehmen bei Einbruch der Dämmerung das Licht ausschalten/reduzieren. Setze mit ein Zeichen für den Klimaschutz und schalte Dein Licht aus!
Es folgt eine Anzeige unserer Unterstützer*innen/in eigener Sache.
Auch Sie können uns durch Werbung in der Bonner Umweltzeitung unterstützen! Unsere Mediadaten












0 Kommentare