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Streiflichter- Grelles Licht und lauter Lärm

22. Mai 2026 | Ausgabe 3 / 2026 Licht und Lärm, Dr. Manfred Fuhrich, Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Streiflichter | 0 Kommentare

Grelles Licht und lauter Lärm


Dr. Manfred Fuhrich


„Gehen sie aus im Stadtpark die Laternen…“ Hit des Jahres 1963, gesungen von Gitte Haenning und Rex Gildo. Dieser Schlager sieht es als Vorteil, dass nur noch der Sternenschein auf das Paar fällt. Doch ein solcher romantischer Moment wird in den Städten immer seltener. Die „Lichtverschmutzung“ trübt den Blick zum Himmel. Zuviel künstliches Licht unterdrückt die Produktion des „Schlafhormons“ Melatonin, was zu Schlafstörungen führen. Das sorgt verliebte Paare nicht. Lichtverschmutzung ist ein zunehmendes Problem städtischen Lebens. „In hellen Großstädten kann man mittlerweile nur noch wenige helle Sterne erkennen, während ein dunkler Landhimmel mehrere tausend Sterne zeigt. Dies … raubt auch Bürgern und Bürgerinnen die Chance auf ein einzigartiges Naturschauspiel.“ bund-sh.de/stadtnatur/Lichtverschmutzung/

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Städtebund „Slow City“

Doch es gibt Initiativen, sogar Städtebündnisse, die das Problem erkannt haben und Gegenmaßnahmen ergreifen. Der Begriff für das Bündnis ist abgeleitet von „Slow Food“, eine Initiative zur Förderung von regional bestimmten und zugleich umweltbewusster Ernährung und Esskultur. Sinngemäß übertragen bedeutet dies eine Stadtentwicklung, die sich auf die Eigenart und Qualitäten des Ortes bezieht. Doch dieser Ansatz ist viel mehr als der Titel suggeriert, es geht nicht etwa um „langsame“ Stadt; Slow Food bedeutet auch nicht langsames Essen. Gleichwohl ist das Symbol für das Städtebündnis eine Schnecke. Dennoch ist das Leben in der Stadt im umfassenden Sinne gemeint. Es geht um nichts mehr als um lebenswerte Städte. https://www.cittaslow.de/

Die Idee „Slow City“ wird eine Bewegung

Die Idee „Slow City“ kommt aus der Toskana. Dort hatte sich ein Bündnis kleiner Städte mit Namen „Città Slow“ bereits Ende der 90er Jahren gegründet und wuchs bis heute auf über 80 Mitgliedsstädte. Es gibt eine Vielzahl von Kriterien für den besonderen Charakter. Auch in Deutschland gibt es ein solches Städtebündnis. Inzwischen sind dies 25 Gemeinden. Hier stehen Bemühungen im Vordergrund, Umweltbelastungen zu reduzierten. Zu ihnen gehören: nachhaltige Umweltpolitik, charakteristische Stadtstruktur, regionale Identität. Dabei wird die Bedeutung der kleinen Städte für das Erreichen der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN) hervorgehoben. www.cittaslow.de

Weniger Lärm und Lichtreize

Im Zusammenhang mit diesem BUZ-Schwerpunktthema sind Kriterien „Überwachung und Reduzierung von Umweltbelastungen“ durch „Reduzierung öffentlicher Lichtverschmutzung“ und „visueller Umweltverschmutzung“ und „Reduzierung von Lärm“ relevant. Bei einem Besuch in zertifizierten Städten ist zu erkennen, dass Neonlichter, Leuchtreklame und grelle Lichtquelle vermieden oder zumindest erkennbar reduziert werden. Gleichwohl bedurfte es zahlreicher Anstrengungen, Umweltbelastungen durch grelles Licht zu reduzieren. Allen voran waren es Argumente der Sicherheit im öffentlichen Raum, die es zu berücksichtigen gab. Für Geschäftsleute war der Werbeeffekt auffälliger Leuchtreklame ein schlagendes Argument.

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Foto: Dr.Manfred Fuhrich

Sicherheit ist gewichtiges Argument

Sicherheit ist immer wieder ein ernst zu nehmender Aspekt für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Es geht ja nicht um eine „Verdunkelung“ der Stadt, wie sie in Kriegszeiten als existenzsichernd anzusehen ist. Im Fokus steht ein angemessenes Maß an künstlicher Beleuchtung. Helles Licht ermöglicht abendliche Teilnahme am öffentlichen Leben. Aber dies führt zu erheblichen Nachteilen, wie z.B. Irritation der Tiere, sodass das sich Argumente pro Sicherheit auch ins Gegenteil verkehren.

Übertragbarkeit von klein auf groß?

Die Slow City Städte haben als Pioniere innovative Ansätze erprobt, deren Umsetzung in anderen Städten nicht immer möglich erscheinen. In Deutschland haben viele Städte dennoch bereits Initiativen ergriffen und erste Programme in Einzelmaßnahmen umgesetzt.

Das Beispiel Köln

Die Stadt Köln hat schon sehr früh das Thema reflektiert und sich dieser Herausforderung gestellt. „ Künstliche Beleuchtung ist wie selbstverständlich Bestandteil einer urbanen Umgebung, verlängert sie für uns Menschen doch den nutzbaren Tag und vermittelt zudem ein subjektives Gefühl von Sicherheit. Doch dieses Licht ist nicht immer sinnvoll eingesetzt. Es wird ganz klar zu viel beleuchtet! Abseits von Wegen, aus rein dekorativen Gründen, zu hell, schlecht fokussiert oder in besonders insektenschädlichen Lichtfarben. Aufgrund technischen Fortschritts und Wohlstands erhöht sich die Erhellung in deutschen Großstädten jedes Jahr um fast 10 Prozent.“ https://www.stadt-koeln.de/artikel/07928/index.html

Auch anderenorts wird angeregt, das Problem der Lichtverschmutzung zu lösen, z.B. durch das Planungsrecht bzw. Bauordnungsrecht: „Insbesondere mit Festsetzungen im Bauleitplanverfahren lässt sich die Entstehung von unnötigen Lichtimmissionen bereits im Vorfeld vermeiden und ein verantwortungsvoller Umgang mit Kunstlicht verwirklichen. Ziel ist es, den übermäßigen Lichteinsatz nicht nur im Sinne des Artenschutzes und der Energie- und Ressourceneinsparung, sondern auch für den Erhalt des Orts- und Landschaftsbilds zu verhindern. https: / /www. lichtverschmutzung.de/dokumente/Umsetzung_Vorgaben_Planungshilfen_Licht_LKR_Fulda.pdf

Doch nicht nur auf staatliche Vorgaben kommt es an, sondern auch das Problembewusstsein und Verhalten der Menschen ist letztlich entscheidend. Der „Erklärfilm Lichtverschmutzung“ aus der Schweiz stellt die einfache Frage: „Braucht es überhaupt eine Beleuchtung?“ Häufig schon, aber nicht immer; siehe oben zu den Bedürfnissen verliebter Paare. https://www.youtube.com/watch?v=J7D9UbOzLtg

Dunkelheit macht Angst, das kennen wir alle aus der Kindheit. Umso begrüßenswerter ist der Aufklärungsfilm für Kinder – aber nicht nur für Kinder. Ohne drohenden Zeigerfinger wird in diesem kurzen Videoclip aufgeklärt. Neugierig geworden? Dann den
Link anklicken: https://www.youtube.com/watch?v=mgx7jgRzGpU

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