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Gastbeitrag: Bewahrt Bonn vor Hitze und Feinstaub!

1. Juni 2026 | Ausgabe 3 / 2026 Licht und Lärm, Gastautor*in, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Umweltschutz | 0 Kommentare

Bonn und der Klimawandel aus ärztlicher Sicht


Prof. Dr. med. Jost Brökelmann und Prof. Dr. med. Dietrich Klingmüller


Projektion der Nettoveränderungen temp.-ass. Übersterb
© Grafik: Deutsches Ärzteblatt

Bonn war am 22.08.2020 die heißeste Stadt [1] und im Jahr 2011die lauteste Stadt in Nordrhein-Westfalen [2]. Im Jahr 2021 gab es in Bonn statistisch gesehen ca. 500 Todesfälle durch Hitze, Luftverschmutzung und Lärm [3,4]. Eine neue Studie zur künftigen Übersterblichkeit in den 15 größten deutschen Städten zeigt, dass bis Ende dieses Jahrhunderts durch den Klimawandel mit einer Zunahme der Todesfälle um etwa 1 % pro Jahr zu rechnen ist (s. Abb.) [5]. Das heißt, die Bonner müssten am Ende dieses Jahrhunderts mit fast 1000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr wegen des Klimawandels rechnen. Die Studie aus dem Institut für Epidemiologie, Helmholtz Zentrum München und dem Deutschen Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH) fordert wegen dieses prognostizierten Anstiegs der Todesfälle dringende Maßnahmen in allen Städten. Auch die Zahl der nicht-tödlichen Erkrankungen nimmt zu, weil Feinstaub und Hitze besonders gefährlich für Patienten mit Asthma, Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck werden. [6] Was kann man in Bonn tun, damit die Zahl der Toten und Kranken während des Klimawandels nicht weiter ansteigt?

Mit großem Aufwand wurde von Stadt, Rat, Verwaltung und engagierten Bürgern ein Klimaplan mit einem Maßnahmenkatalog erstellt, damit Bonn bis 2035 klimaneutral wird. Leider sind in
diesem Plan zwei Großbauprojekte des Bundes und des Landes NRW nicht enthalten, nämlich die Verbreiterung der Autobahn A 565 und der Bau des Campus Endenich der Universität Bonn.
Ein großes Problem ist in Bonn der Ausbau der Autobahn A 565, die quer durch Bonn verläuft und einen erheblichen Effekt auf das Stadtklima und die Luftverschmutzung haben wird. Laut
Plan soll die Autobahn auf über das Doppelte verbreitert werden. Dieses wird zu deutlich mehr Verkehr führen nach der Erfahrung “Verdoppelung der Straßen – Verdoppelung des Verkehrs“.
Beiderseits der sechsspurigen Autobahn sollen aus Lärmschutzgründen noch zwei mindestens 12 m hohe Schallschutzwände errichtet werden. Diese werden die Luftzirkulation in der Stadt
erheblich behindern. Es wird also im Stadtzentrum heißer werden und die Luftverschmutzung besonders durch Feinstaub wird weiter zunehmen. Schon 2020 wiesen die an die A565 angrenzenden Wohngebiete im Jahresmittel Feinstaubwerte PM2,5 von 13 μg/m3/a und höher auf. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO (2021) liegen alle Feinstaubwerte von 5 μg/m3/a und höher im gesundheitsgefährdenden Bereich. Dort sollten also Menschen über diese Gefahren aufgeklärt werden.

In den letzten Jahren haben wir viermal Einwendungen gegen den Autobahnausbau wegen Gesundheitsgefährdung der Anwohner erhoben und umweltmedizinische Gutachten gefordert. Die Autobahn GmbH will aber nicht für Umweltschäden, die sie mit ihren Asphaltbauten verursacht, Mitverantwortung tragen. Somit missachtet sie das Verursacherprinzip, welches sich international immer mehr durchsetzt.[7] Auch beim Land NRW bzw. der Bezirksregierung Köln sowie bei der Stadt Bonn wurden 2025 entsprechende umweltmedizinische Gutachten beantragt. Die Bezirksregierung Köln hat noch nicht geantwortet. Der Rat der Stadt Bonn hat die Forderung eines solchen Gutachtens jedoch befürwortet. Das zweite Großbauprojekt in Bonn ist der Campus Endenich. Parallel zur A 565 soll ein bis zu sieben Stockwerke hoher Gebäuderiegel als Campus Endenich der Bonner Universität errichtet werden. Durch beide Großbauprojekte wird die Innenstadt von Bonn nach Westen hin „eingemauert“ werden und die Luftzirkulation in der Stadt offensichtlich (s. o.) behindert. Bislang wurde für dieses Bauprojekt ein Verfahren mit Bürgerbeteiligung begonnen, aber noch nicht abgeschlossen. Hier könnte die Stadt über den Bebauungsplan noch einwirken. 2023 wurde das Projekt MUTABOR für die Stadt Bonn veröffentlicht [8]. Es belegt wissenschaftlich, mittels welcher Maßnahmen sich Bonn gegen Hitze und Feinstaub „anpassen“ kann. Leider berücksichtigt das Projekt weder den geplanten Ausbau der A 565 noch den Neubau des Campus Endenich der Universität Bonn. Auch im Klimaplan der Stadt Bonn sind diese Großprojekte nicht erwähnt.

Im Jahre 2025 wurde in Nordrhein-Westfalen das überarbeitete Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) verabschiedet. In § 8 und § 9 ist jetzt festgehalten, dass die untere Gesundheitsbehörde, das ist in Bonn das Gesundheitsamt, Stellungnahmen zur gesundheitlichen Verträglichkeit und zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Vorhaben abgeben kann und die Bevölkerung über Gesundheitsgefährdungen aufklären soll. Entscheidungsbefugnisse liegen jedoch beim Land NRW, Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz (LfGA NRW). Erfreulicherweise hat jetzt das Bonner Gesundheitsamt uns zugesagt, sich dafür einzusetzen, dass die Bonner Bevölkerung über die Feinstaubbelastung in allen Bonner Wohngebieten informiert wird. Ein Erfolg ist, dass die Europäische Union bestrebt ist, dass Europa bis 2050 klimaneutral wird und dann die strengeren Grenzwerte der WHO für Feinstaub PM2,5 von 5 μg/m3/a eingehalten werden.

„Die Quellen 1 bis 8 (s. eckige Klammern) können über die Redaktion der BUZ angefragt werden.“

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