Nachhaltigkeit

Stadtwerke Bonn haben auf ein elektronisches Stellwerk umgeschaltet

Warum die U-Bahn Nutzer*innen in den letzten zehn Tagen mit Bussen unterwegs waren beschreiben wir euch in diesem Artikel.

Jürgen Huber

Mit dem Austausch des alten Stellwerks am Hauptbahnhof endete am 10. August 2022 ein Großprojekt von SWB Bus und Bahn. Vor zehn Jahren wurde damit begonnen, die Stellwerke von Relaistechnik auf den elektronischen Betrieb umzustellen. Vom 2. bis 10. August wurde der Betrieb auf den Stadtbahnlinien 16, 18, 63, 66, 67 und 68 nur eingeschränkt bedient. In dieser Zeit ersetzten Busse in bestimmen Abschnitten die Bahnen, betroffen waren vor allem Bereiche zwischen Hauptbahnhof und Olof-Palme-Allee, aber auch die Südbrücke.

„Eine Stellwerksanlage steuert und sichert alle Fahrten der Stadtbahnen mit Hilfe von Signalen, Weichen und Schrankenanlagen“, erklärt Joachim Schallenberg, Fachbereichsleiter der Verkehrsleitstelle von SWB Bus und Bahn. Gemeinsam mit seinem Team überwacht er von der Thomas-Mann-Straße aus den Bahn- und Busverkehr in und um Bonn. Damit die Stadt- und Straßenbahnen sicher und verlässlich fahren, ist zudem eine moderne Verkehrsinfrastruktur notwendig.

“Die für die Bürgerschaft unbekannte und meist unsichtbare Signaltechnik ist seit rund 50 Jahren rund um die Uhr im Einsatz gewesen und gewährleistete so täglich die Sicherheit zehntausender Fahrgäste im Stadtbahntunnel und den angrenzenden Strecken der Bonner Stadtbahnen”, ergänzt Christian Lehr, Fachbereichsleiter für Signaltechnik bei SWB Bus und Bahn.

Unterm rollenden Rad erneuert

Die meisten Arbeiten rund um die Stellwerksumstellung fanden unter dem „rollenden Rad“ statt. Das heißt, es wurde schon im Vorfeld zwischen den Zugpausen oder der Betriebsruhe gearbeitet. “Wir wollten den Verkehr möglichst aufrechterhalten und so wenig wie möglich für die Fahrgäste einschränken”, so Lehr und Schallenberg. Die aktuellen Arbeiten am Stellwerk “Ramersdorf Südbrücke” haben in 2019 und die an den Stellwerken “Bonn Zentral” und “Bundesrechnungshof” in 2020 begonnen.

In dieser Zeit wurden im Tunnel und auf der Südbrücke die neuen Anlagen montiert. In der ersten Augusthälfte wurden sie in Betrieb genommen und die alten Anlagen demontiert. Die neue Stellwerkstechnik wurde aktiv geschaltet und geprüft. Auch Probefahrten fanden statt, deshalb musste der Bahnverkehr in dieser Zeit durch Busse ersetzt werden.

Die neuen Stellwerke machen den Bahnverkehr sicher und flexibler

Das Stellwerk regelt unter anderem in den Tunneln, dass zwischen den Stadtbahnen ausreichend Abstand gehalten wird. Außerdem werden zu hohe Geschwindigkeiten technisch ausgeschlossen, denn das Stellwerk überwacht an kritischen Stellen auch die Geschwindigkeit der Bahnen. Sollte ein Fahrzeug zu schnell sein oder über ein rotes Signal fahren, so greift das Stellwerk aktiv in die Elektronik der Bahn ein und bremst sie bis zum Stillstand.

Das alte Stellwerk Nahverkehrsbahnhof wurde mit der Umstellung in vier neue Stellwerke aufgeteilt, die elektronisch miteinander verbunden sind. Mit den neuen Stellwerken kann der Fahrbetrieb viel flexibler auf Störungen reagieren, da nur kleinere Abschnitte im Streckennetz betroffen sind.

Ab jetzt können die Bahnen technisch einfacher auf beiden Gleisen in beide Richtungen fahren als bisher. Bei einem medizinischen Notfall in der Bahn, einer Baustelle oder einem Defekt an einem Fahrzeug muss weniger Bahnersatzverkehr organisiert werden. Wo vorher die Strecke gesperrt worden wäre, kann der Fahrbetrieb zukünftig aufrechterhalten bleiben.

Seit 50 Jahren in Betrieb

Mit dem Bau des Bonner U-Bahn-Tunnels in den 1970er Jahren musste für den sicheren Betrieb der Bahnen ein Stellwerk mit seinen dazu gehörenden Signalen, Weichenantrieben und den sogenannten Gleisfrei-Meldesystemen aufgebaut werden. Das Gleisfrei Meldesystem zum Beispiel schließt aus, dass ein zweiter Zug in einen von einem Zug belegten Streckenabschnitt einfahren kann. Das Stellwerk Nahverkehrsbahnhof ist die größte Stellwerksanlage im Streckennetz der SWB. Es befindet sich im Gebäude in der Thomas-Mann-Straße, in dem auch die Betriebsleitstelle untergebracht ist.

Das Stellwerk gehört zur Netzinfrastruktur, koordiniert und steuert die Abwicklung aller Fahrten der Stadtbahnen mit Hilfe von Signalen, Weichen und an der Oberfläche auch die Schrankenanlagen.

Ein Austausch der veralteten Relaistechnik wurde notwendig, da kaum noch Ersatzteile zu erhalten sind, denn die mechanischen Relais sind wartungsanfällig. Auch „wissendes Personal“, welches sich mit der Relaistechnik auskennt, wird immer seltener.

Moderne Bahnen möchten moderne Stellwerke. Foto: CAF als Hersteller der neuen Stadtbahnen

Kosten und Ausblick

Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland bezuschusst die Arbeiten mit Fördersätzen zwischen 40 bis zu rund 68 Prozent. Insgesamt handelt es um ein Projektvolumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

In den kommenden Jahren sollen sukzessive vier weitere Stellwerke in Bonn, Königswinter und Sankt Augustin modernisiert werden. Auch hier soll der Verkehr weitgehend aufrechterhalten bleiben.

Hintergrund

Mit den Stellwerken „Bonn Zentral“ und „Bundesrechnungshof“ wurden jetzt die letzten beiden Abschnitte des alten Stellwerk Nahverkehrsbahnhof vollständig erneuert. Die ersten beiden Bauabschnitte – das Stellwerk der Rheinuferstrecke (Linie 16) und der Vorgebirgsstrecke (Linie 18) – sind bereits in 2015 fertig gestellt worden.

Das alte Stellwerk Nahverkehrsbahnhof sicherte die Strecken von der Stadtgrenze bei Buschdorf bis zur Haltestelle Ollenhauerstraße” sowie die Streckenäste Dransdorf bis Bonn-West und Stadthaus/Hauptbahnhof einschließlich der unterirdischen Abstell- und Wendeanlagen Kaiserplatz und Heussallee. Das Projekt Stellwerksumstellung läuft bereits seit 2012.

Vor und während der Umstellung

Ein großes Lob muss ich als Nutzer von Bahn und Bus an die SWBV loswerden. Die Informationspolitik war vorbildlich, im Vorfeld als auch während des Umbaus. Hier kann die Stadtverwaltung Bonn noch viel von Ihrer „Tochter“ lernen.

Beitragsbild: Das alte Relaisstellwerk an der Thomas-Mann-Straße hat jetzt ausgedient. (Foto: Meike Böschemeyer)