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„Service Learning“ – Innovatives Lernformat an der Uni Bonn

20. Juli 2026 | 2026, Ausgabe 4 / 2026 Innovation, Carmen Planas, Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Naturschutz, Ökologie, Umwelt, Umweltschutz | 0 Kommentare

Lernen durch Engagement

Die Universität Bonn bietet ihren Studierenden mit „Service Learning“ („Lernen durch Engagement“) ein innovatives Lernfor-mat an, das großes Potenzial hat, die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu fördern. Dieses Bildungskonzept ist in aller Munde, wenn es um zukunftsfähiges Denken geht, das eine verantwortungsvolle nachhaltige Zukunft im Blick hat. Das Lehr- und Lernkonzept „Service Learning“ ist ein wichtiger Baustein, mit dem inzwischen viele Hochschulen ihrer BNE-Verantwortung gerecht werden wollen, so auch die Uni Bonn.


Carmen Planas


Das BNE-Bildungskonzept gilt als wichtiger Motor, wenn es darum geht, die globalen Herausforderungen unserer Zeit zu verstehen. Keine Bildungsinstitution in Deutschland kann heutzutage BNE ignorieren. Die Hochschulen tragen hierbei eine besondere Verantwortung. Denn hier werden komplexe Probleme lösungsorientiert analysiert und reflektiert. Hochschulen sind durchaus der Ort, wo bedeutsame Innovationen im Sinne von BNE für die Gesellschaft angebahnt werden können.

Wichtige Säule: Partizipation

„Wir fordern die Hochschulen auf, die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen – damit Partizipation mehr wird als ein Schlagwort“, so der Appell des BNE-Forums Hochschule in seinem Beschlusspapier „Partizipation als Schlüssel nachhaltiger Hochschulentwicklung – Studierende als Mitgestaltende für eine zukunftsfähige Hochschule“ von 2025.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen im Rektorat der Universität Bonn.
Fotos: © Gregor Hübel / Universität Bonn

Partizipation gilt als wichtige Säule des BNE-Bildungskonzeptes. Es geht um die Möglichkeiten und die Fähigkeit, sich aktiv an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Wie lässt sich das in der Hochschullehre umsetzen? Gefragt sind unter anderem innovative Lernformate, zu denen auch „Service Learning“ zählt. Im Mittelpunkt steht hierbei: fachliches Lernen soll mit gesellschaftlichem Engagement verknüpft werden.

„Lebensräume in der Vertikalen“

Mit gutem Beispiel geht die Universität Bonn voran, die seit einigen Jahren „Service Learning“ anbietet. „Lebensräume in der Vertikalen“ heißt etwa ein aktuelles interdisziplinäres Service-Learning-Seminar für Studierende, die sich für gebäudebrütende Arten wie Haussperlinge, Mauersegler oder Fledermäuse einsetzen möchten. Typisch für „Service Learning“ ist, dass ein Partner vor Ort beteiligt ist: das Klimaviertel Beuel Mitte.

Theorie, Praxis, Reflexion

Theorie, Praxis, Reflexion heißt der Dreiklang von „Service Learning“. Für die Studierenden, die am Gebäudebrüter-Seminar teilnehmen, heißt das, dass sie sich fachliches Wissen aneignen, etwa zur ökologischen Bedeutung urbaner Artenvielfalt. Und in der Praxis entwickeln sie zusammen mit Beueler Bürger*innen Lösungen, um die lokale Tierwelt zu schützen. Der Artenbestand muss erfasst und konkrete Schutzmaßnahmen wie Nisthilfen umgesetzt werden. Zum Ende dieses Sommersemesters, reflektieren die Studierenden ihre Erfahrungen, dokumentieren und veröffentlichen ihre Ergebnisse.

„In the MOOD for climate action”

Als Gebäudebrüter steht der Spatz im Mittelpunkt eines Service-Learning Angebotes der Uni Bonn. Unter losen Dachpfannen, Mauerlöchern oder Nischen haben sie gerne ihre Nester. Im Klimaviertel Bonn Mitte werden sie sowie andere Gebäudebrüter beobachtet und erhalten Nisthilfen.
Foto: Rhododendrites – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=125462845

Unter www.service-learning.uni-bonn.de sind sieben Service-Learning-Angebote benannt. Das jüngste Seminar heißt „In the MOOD for climate action“, das mit Studierenden aus aller Welt durchgeführt wird. Im Fokus: Klima und Nachhaltigkeit. Und wieder gilt für alle Beteiligten, dass sie zu dieser Thematik nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch arbeiten sollen. Es gilt, ein konkretes Thema vor Ort zu finden und auch Kooperationspartner*innen. Wie bei allen Service-Learning-Angeboten können sich alle interessierten Studierenden der Uni Bonn anmelden und auch Credit Points erwerben.

Gesellschaftliche Verantwortung

Die Universität Bonn ist Mitglied des „Hochschulnetzwerkes Bildung durch Verantwortung“, das sich ausdrücklich die Förderung innovativer Formate wie „Service Learning“ im Bereich „Lernen und Lehre“ auf die Fahne geschrieben hat. Ziel sei es, das zivilgesellschaftliche Engagement und die Transferaktivitäten von Studierenden, Lehrenden sowie weiteren Hochschulangehörigen zu stärken und damit auch die Fähigkeiten gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. In der kommenden Konferenz des Netzwerkes im Oktober geht es um Demokratie: „Stärkung der Demokratie im Hochschulwesen durch „Service Learning“ und gesellschaftliches Engagement.“ 41 deutsche und drei österreichische Hochschulen sind inzwischen Mitglieder dieses Hochschulnetzwerkes.

Hochschulen und BNE

Aktuelles Buch zum Thema „Hochschulen und BNE“. Kostenfrei unter www.wbv.de
Foto: wbv Media

Wer sich mehr für das Thema „Hochschulen und BNE“ interessiert, dem sei das Buch „Bildungsmanagement zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in Hochschule und Weiterbildung“ empfohlen. Es ist 2025 im wbv-Verlag erschienen und steht kostenfrei online zur Verfügung. Unter den zahlreichen Beiträgen ist einer explizit dem Thema „Service Learning“ gewidmet: „Tu Gutes und lerne daraus“ von Matthias Kramer, Jeanine Marie Rühle und Marcel Schröder.

„Wir waren ambitionierte Change Agents“

Die Autor*innen haben auch persönliche Erfahrungen mit „Service Learning“ gemacht und erzählen in ihrem letzten Kapitel davon. Da heißt es zum Beispiel: „Trotz der tiefen wissenschaftlichen Expertise, mit der die Komplexitäten der Klimakrise in meinem Studium gelehrt wurden, waren es die zivilgesellschaftlichen Kooperationen, die Praxismodule des Service Learnings, die mich für den Einsatz für nachhaltige Entwicklung gewannen und bis heute gewinnen.

Denn Selbstwirksamkeit entsteht außerhalb des Hörsaals. Sie entstand bei mir im Gewinnen von Projektpartner:innen, wuchs im selbstverantwortlichen Stecken von Zielen in der studentischen Kleingruppe und festigte sich in dem Gefühl, das erste Mal tatsächlich Teil der Lösung zu sein. In diesen Momenten waren wir keine Studierenden mehr, die sorgenvoll der Lehre über die Entwicklung des Planeten folgten. Wir waren ambitionierte Change Agents der sozialökonomischen Transformation.“

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