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Polyethylen im Gehirn und im Kunstrasen

19. Dezember 2025 | Ausgabe 6 /2025 Schwerpunkt: Bunter Herbst, Gastautor*in, Gesellschaft, Ökologie | 0 Kommentare


D. Klingmüller und J. Brökelmann


Große Mengen an Plastik sind weltweit verbreitet. Im Jahre 2019 wurden 368 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert. Dies führt dazu, dass wir ständig winzige Plastikpartikel aufnehmen, sowohl Mikroplastikals auch besonders kleine Nanoplastikpartikel. Es ist in Nahrung, in Getränken enthalten und auch die Luft kann belastet sein. Es ist daher nicht verwunderlich, dass bereits in menschlichem Gewebe Plastik nachweisbar ist. Man hat bei Probanden im Mittel 465 µg/g Plastik in der Leber, 666 µg/g in der Niere und – erschreckend– die höchsten Konzentrationen im Gehirn nachgewiesen (4763 µg/g). Bei dementen Patienten wurden extrem hohe Mengen mit 27215 µg/g gemessen (Nihart AJ). Ob Plastik bei Demenz eine Rolle spielt, kann man nur vermuten. Es gibt verschiedene Plastikarten. Der Hauptvertreter ist Polyethylen. Im Gehirn ist der Polyethylen-Anteil am Gesamtplastik 75 Prozent!
Besonders besorgniserregend ist, dass die Plastikkonzentration im Gehirn zwischen 2016 und 2024, also in 8 Jahren, von 3420 auf 4763 µg/g zugenommen hat.
Polyethylen ist der global am häufigsten verwendete Kunststoff. Es wird zur Herstellung von u.a. Folien und Verpackungen verwendet. Produkte aus Polyethylen sind sehr verwitterungsbeständig. Sie tragen wesentlich zur Umweltverschmutzung bei. Plastikmüll gibt es sowohl an Land, als auch in Gewässern (in den Ozeanen). Darüber hinaus entsteht Mikroplastik beim Reifenabrieb der Elektroautos, die wegen der Akkus besonders schwer sind.
Auch Kunstrasen besteht aus dem Kunststoff Polyethylen. Ein Hersteller schreibt, dass er völlig ungefährlich („physiologisch“) ist. Vermutlich kennt er die neuen Befunde nicht.

Foto: D. Klingmüller

Die Abbildung zeigt den Strumpf eines Fußballspielers mit Kunststoffpartikeln nach einem Spiel auf einem Kunstrasen. Hier muss dringend ausgeschlossen werden, dass es sich um lungengängige Partikel handelt. Denn Mikroplastik bleibt in Nase, Rachen und Kehlkopf hängen, während das besonders kleine Nanoplastik über die Lungenalveolen in die Blutbahn und so in das Gewebe gelangt. Dort kann es zu Lungenerkrankungen führen und und unter anderem in das Gehirn eindringen. Man muss daher zunächst den Feinstaub, der Mikro-/Nanoplastik enthalten kann, über dem Kunstrasen messen und den Polyethylenanteil bestimmen, um besonders die Kinder zu schützen. Kürzlich wurden die Daten dieser Studie kritisiert, so dass weitere Untersuchungen z.B. elektronenmikrospisch folgen sollen.

Literatur:
Nihart AJ et al.: Bioaccumulation of microplastics in human brain.
Nat Med 2025;31(4):1114
https://doi.org/10.1038/s41591-024-03453-1

 

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