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LRBS – Zehn Jahre Kampf um Versammlungsstätte

15. Juni 2026 | Ausgabe 3 / 2026 Licht und Lärm, Dr. Susanne Gura, Gesellschaft, LRBS, Nachhaltigkeit | 0 Kommentare

Nicht nur Schlafstätte für Pendelnde

Für das größte Baugebiet von Königswinter wurde ein Bebauungsplanverfahren in Vinxel nach zehn Jahren eingestellt. Weil der noch vorhandene Bebauungsplan eine Gemeinbedarfsfläche hat, könnte die ersehnte Versammlungsstätte eine zweite Chance bekommen.


Susanne Gura


Bild: St Patrick in Manhattan ist vorerst vom Tisch: Die grau gefärbten Gebäude im Hintergrund sind zu hoch, zu groß und zu nah an der ebenfalls grau gefärbten Vinxeler Kapelle. Quelle: Ratsinformationssystem der Stadt Königswinter, Vorgang 276/222.

Der 2024 abgerissene Alte Hobshof und die sanierungsbedürftige Kapelle, das Vinxeler Wahrzeichen, bilden den früheren Ortskern von Vinxel, gelegen am nördlichen Rand des Naturpark Siebengebirge. Die Nähe zu dem Bonn ließ Vinxel in den letzten Jahrzehnten stark wachsen.. Gewerbe und Versorgungsstrukturen gingen verloren. Viel los ist allerdings auf der engen Vinxeler Straße, weil für praktisch jede Erledigung der PKW in Gang gesetzt wird. Radwege gibt es weder im Ort noch an der Straße hinunter zum Rheintal. Die beiden Buslinien verbinden den Wohnort im Grünen halbstündlich, abends nur stündlich, mit Bonn, mit Siegburg und mit Oberkassel an der Linie 66. Ein Leben ohne PKW ist für Familien kaum möglich. Soll sich Vinxel weiter so entwickeln?

Keine neuen Pendler mehr ansiedeln, empfiehlt ein Verkehrsgutachten von 2018, das die Stadtverwaltung anlässlich einer „Integrierten Stadtentwicklung“ beauftragt hatte und das Ergebnis seitdem beharrlich ignoriert. Im Königswinterer Bergbereich wird der Naturpark fürs Wohnen im Grünen verbraucht. Die Anzahl von SeniorInnen in zu groß gewordenen Einfamilienhäusern ist hoch, ortsnahe kleine Wohnungen fehlen. Dank Spekulation ist der Leerstand von Wohnraum und Gewerbeflächen in Königswinter überdurchschnittlich hoch.

Sieben lehrreiche Fehler

Die Vinxeler BürgerInnen waren enormen Herausforderungen ausgesetzt, die sich nicht wiederholen dürfen:

  1. Am historischen Ortskern wäre eine Gemeinschaftsfläche ersatzlos wegbeschlossen worden, die Stadt hätte auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet, all das für eine bei so großen Projekten ohnehin vorgeschriebene Kita. Kitas erfordern keine Gemeinbedarfsflächen.
  2. Die Chance auf eine Versammlungsstätte wäre vertan worden. Sie ist nämlich im bisherigen Bebauungsplan eingetragen. Einen Teil dieser Fläche hat die Stadt bereits für ein Aussiedlerheim verwendet und einen über eine steile Kellertreppe erreichbaren Raum für Vereine bereitgestellt.
  3. Eine viel zu große und zu hohe Bebauung ohne jeden lokalen Bezug hätte die kleine Kapelle optisch erdrückt.
  4. Weniger als zehn Prozent der Wohneinheiten wären kleine Seniorenwohnungen gewesen.
  5. In den vier Entwürfen für den Bebauungsplan steigerte der Investor die Anzahl Wohneinheiten von 90 über 114 auf 142, um dann auf 117 zu sinken. Trotzdem wurde von Rat, Verwaltung und Medien nur die selektive Wahrnehmung mit der falschen Analyse verbreitet, der Investor sei den Bürgern von 142 auf 117 entgegengekommen, und Rat und Bürger hätten immer weitere Forderungen gestellt.
  6. Einen Bürgerworkshop hat die Stadtverwaltung nicht ausgewertet, sondern dies allein dem Investor überlassen.
  7. Der Investor SHP Vinxel wurde speziell für dieses Projekt mit geringstmöglichem Eigenkapital gegründet. Manche Vinxeler sprechen von Glück, dass die Firma keine Bauruine übrigließ, als wegen Erkrankung des Geschäftsführers das Projekt gestoppt wurde.

Sieben Probleme nicht vom Tisch

Diese misslungene Planung ist vom Tisch, aber sie hinterlässt doch einige Probleme:

Blinde Flecken: An der bisherigen Ignorierung der Empfehlung des oben genannten Verkehrsgutachtens, keine neuen Pendler anzusiedeln, hat sich nichts geändert, und auch
nicht an der Ignorierung der Äcker, die laut Studien der Bezirksregierung Köln zu Klimaschutz, Biodiversität und Naherholung beitragen.

Noch schlimmer: Eine weitere, viermal größere Ackerfläche gleich daneben – ebenfalls Teil des Naturparks Siebengebirge – kam als neuer Siedlungsbereich in den Regionalplan und blieb trotz aller Proteste. Es gab sogar schon ein Bebauungsplanverfahren. Begründung: Das daneben bereits laufende Verfahren könne dann ohne Umweltprüfung erfolgen. Solcher Umgang mit dem Naturpark besorgt viele BürgerInnen.

Ohne Gaststätte: Die einzige Vinxeler Gaststätte, ein Biergarten im Alten Hobshof mit weitem Blick ins Pleiser Ländchen, wurde schon 2016 unnötig früh, mit medialem und rechtlichem Druck auf den Pächter, vom Erzbistum Köln abgewickelt. Schade für Pächter, KundInnen und TouristInnen.

Kapelleneinsturz riskiert: Unnötig früh und angeblich wegen archäologischer Grabungen wurde der Alte Hobshof abgerissen. Offensichtlich hatte der Investor Fakten schaffen wollen, weil Bürgerwünsche bestanden, Teile des Gebäudes für ein Bürgerhaus zu nutzen. Ein Einsturz der Kapelle war nicht auszuschließen. Der Abriss wurde nach Protesten und Dienstaufsichtsbeschwerde vom Denkmalamt gestoppt. Die Kapellengemeinde hatte Monate vorher schon Schutzvorkehrungen oder Beweissicherungsverfahren an der Kapelle gefordert, um mögliche Schäden durch die absehbaren Abrissarbeiten am Alten Hobshof dokumentieren zu können. Nun musste der unnötig frühe Abriss unterbrochen werden, bis Dachstuhl und Glockenturm notgesichert waren. Der in Kauf genommene Kapelleneinsturz, die vorgeschobene Archäologie, und der Versuch, per Abriss die Option Bürgerhaus zu schwächen, das empörte überregional, nicht nur den Kapellenverein.

Leerstand: Vinxel hat jetzt neben der Kapelle statt eines Biergartens mit Aussicht auf das Pleiser Hügelland eine gerodete Brache.

Investoren-Narrativ: Laut Generalanzeiger sind die Bürger und der Rat schuld, Investoren würden nun einen Bogen um Königswinter machen. Die BürgerInnen hingegen werden die wachsenden Ansprüche des Investors und die Zugeständnisse an ihn wohl kaum vergessen. Und in Wirklichkeit herrscht Neubauflaute in ganz Europa, vor allem wegen niedriger Rendite. Bundesweit, nicht nur in Königswinter, gibt es seit Jahren viel ungenutztes Bauland und viele ungenutzte Baugenehmigungen, trotz vielerorts hohem Bedarf an bezahlbaren Wohnungen.

Vertrauensverlust: Der abweisende Umgang von Stadtrat, Verwaltung und Medien mit dem Naturpark, der Versammlungsstätte, der Kapelle und den Einwohnern hat dem Vertrauen der BürgerInnen geschadet.

Auch Gutes ist entstanden

Kapellensanierung: Die erwartbaren Erschütterungen durch den drohenden Abriss des alten Hobshofes haben die Kapellengemeinde mobilisiert. Sie hat die seit Jahrzehnten fällige Sanierung der denkmalgeschützten Kapelle im Stadtrat durchgesetzt. Die Mittel dafür hatten Vinxeler Familien in Form von Land gestiftet, das die Kommune in den 1990ern an einen Investor verkauft hat. Die Kapelle wurde lediglich repariert. Nur mit viel Nachdruck wurden endlich Mittel für die Sanierung der Kapelle in den Haushalt eingestellt.

Investorenbürgschaft: Ein Einwohner fragte im Stadtrat, mit welchen Kriterien die Verwaltung die Bonität von Investoren einschätzen würde. Die Antwort des Bürgermeisters legte nahe, dass bisher kaum, aber künftig näher hingeschaut würde. Im neuen Königswinterer Bauturbo-Leitfaden heißt es inzwischen, eine Bürgschaft sei Bedingung.

Nutzungskonzept fürs Bürgerhaus: Die örtlichen Vereine haben ein Nutzungskonzept für eine Versammlungsstätte erstellt, die auf der Gemeinbedarfsfläche entstehen kann.

Aktive Bürgerschaft: Viele haben sich durch frühere Versäumnisse von Rat und Verwaltung nicht einschüchtern lassen und haben sich nicht nur an politischen Aktivitäten von lokalen Vereinen und Initiativen beteiligt, sondern trotz Frust auch weiterhin an den Veranstaltungen der Verwaltung.

Ausblick

Eine Versammlungsstätte ist für einen Wohnort kein Luxus, sondern notwendig, und sie darf nicht per steiler Kellertreppe große Teile der BürgerInnen ausschließen, wie es derzeit in Vinxel der Fall ist. Diese Chance bietet die Rückkehr zum alten und die mögliche Aufstellung neuer Bebauungsplanverfahren. Allerdings sind Verwaltung und Investoren nicht an Versammlungsstätten interessiert, und an die Versprechungen der Kommunalwahl mögen die Gewählten selten erinnert werden.

Die BürgerInnen müssen sich daher um Finanzierung und späteren Betrieb selber kümmern, und die Mittel auch bei privaten, nicht nur öffentlichen Gebern suchen. Nur, die nötige Fläche dürfen Rat und Verwaltung diesmal nicht wegbeschließen, sondern sie müssen das städtische Vorkaufsrecht nutzen, damit Vinxel endlich das Bürgerhaus bekommt, das seit den 1970er Jahren im Bebauungsplan steht.

Es wäre Zeit, auch die Bausünde zu thematisieren: Das Gebäude des ehemaligen Aussiedlerheims, inzwischen Sozialwohnungen (auf der Zeichnung Holtorfer Str.1), ist weit höher als die kleine Vinxeler Kapelle gegenüber, und erheblich größer als die Bebauung der Umgebung. Es setzt baurechtlich Maßstäbe – wenn auch die falschen. Man darf in der Umgebung genauso hoch und groß weiter planen. Aber man muss es nicht. Ein Bürgerhaus auf der Gemeinbedarfsfläche neben der Kapelle könnte neue Maßstäbe setzen, am besten lange bevor ein neuer Investor für das größte Königswinterer Wohnprojekt auftaucht und die Gemeinbedarfsfläche wieder mit genauso hohen Bauten in Anspruch nehmen will.

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