Gesellschaft,  Nachhaltigkeit

Klimapolitik in Bürger*innenhand

Bonner*innen for Future

Carmen Planas

In besonderem Maße hängt das Thema „Klimawende“ von der Beteiligung engagierter Bürger*innen ab. Die so genannte direkte Demokratie wird auf Landes- und kommunaler Ebene zunehmend für ökologische Themen genutzt ‒ auch in Bonn.

„Bürgerinnen und Bürger waren nicht nur die Pioniere der Energiewende, sondern sind auch weiterhin ihre Treiber. Um die Klimakrise noch rechtzeitig zu stoppen, müssen wir alle in unseren Städten und Gemeinden aktiv werden und unsere Energieversorgung klimaneutral gestalten“, so Volker Quaschning, Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme.

Zahlreiche Bonner Initiativen

Auch in Bonn sind es zahlreiche Bürger*innen, die sich freiwillig für eine Klimawende auf den unterschiedlichsten Ebenen einsetzen. Einen guten ersten Eindruck erhält man, wenn man auf die Einträge unter www.bonn4future. de schaut. Hier sind zwar auch Institutionen wie die Alanus Hochschule oder die Stadt Bonn vertreten, überwiegend sind es jedoch Initiativen, die von engagierten Bürger*innen vorangetrieben werden. Bonn4Future ist nach Angaben der Stadt Bonn „das bisher umfangreichste Bonner Beteiligungsverfahren“.

Mit Bürgerbegehren Druck ausüben

Es sind diese Initiativen, die den Klimaschutz „auf die Tagesordnung der Gemeinde-, Stadträte und Kreistage“ setzen, meint Mehr Demokratie e.V.. So gelangte in Bonn der „Radentscheid“ als Bürgerbegehren beim Stadtrat auf den Tisch. Die Stadt war gezwungen, sich mit den verkehrspolitischen Zielen der Bonner Initiative auseinanderzusetzen. Einen sehr großen Erfolg mit einem Bürgerbegehren hatten die Kölner*innen. Mit einem Bürgerbegehren wurde erreicht, „dass der Stadtrat Ende 2021 einen konkreten Fahrplan für Strom und Wärme beschlossen hat. Beides soll bis 2035 auf 100 % erneuerbare Energien umgestellt sein“, so „Klimawende Köln“ (https://klimawende. koeln).

„Bonn, das Klima und wir“

Dann gibt es die Menschen, die dafür sorgen, dass über die engagierten Bürger*innen berichtet wird. Ein Beispiel hierfür ist die Ausstellung „Bonn, das Klima und wir“, die bis zum 27. November im Museum Koenig zu sehen ist. Das Ausstellungsprojekt von Ursula Jünger und Horst Bennemann stellt 14 Initiativen aus der Bonner Region vor, die sich für Klima- und Naturschutz engagieren. Zu sehen sind hier auch großformatige Fotos, die die zunehmende Umweltzerstörung dokumentieren. Ein kleines Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung. „Bonn diskutiert: Klima- und Biodiversitätsschutz lokal gedacht“, heißt der Diskussionsabend, der am 2. November um 18.00 Uhr im Museum stattfindet. Es beteiligen sich unter anderem Vertreter*innen vom NABU, von der solidarischen Landwirtschaft und von Fridays for Future. Moderator ist der Geologe Nikolaus Froitzheim, Professor an der Universität Bonn.

Ringvorlesung von und mit Bonner Akteuren

Froitzheim selbst setzt sich schon seit vielen Jahren fürs Klima ein. Zum Beispiel organisiert er auch dieses Jahr zusammen mit den Students for Future Bonn die Ringvorlesung „Aspekte der Erderwärmung“ an der Universität. Ab dem 19. Oktober findet sie immer mittwochs von 18.15 bis 19.30 Uhr im Hörsaal II im Hörsaalzentrum Campus Poppelsdorf statt. In der Ringvorlesung kommen Expert*innen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammen, um das Thema zu beleuchten. Und es soll auch darum gehen, welche Maßnahmen jeder Einzelne ergreifen kann – von der ehrlichen Quantifizierung des CO2-Fußabdrucks über Bürgerbeteiligung und Klimakommunikation bis hin zum zivilen Ungehorsam. Froitzheim startet die Vorlesungsreihe mit „Die schlechte und die gute Nachricht: Klimakrise, ökologischer Zusammenbruch und was ich dagegen tun kann!“. Und Gesa Maschkowski von „Bonn im Wandel“ schließt den Ring mit „Bonn4Future – Wir fürs Klima – der Aktionsplan für ein klimaneutrales und lebenswertes Bonn“.

„Bonn im Wandel“

Der gemeinnützige Verein Bonn im Wandel ist ein weiteres Beispiel für Bürger*innen, die in Bonn die Klimapolitik in die Hand nehmen. Bonn4Future wurde von ihnen initiiert und entwickelt. Und der Verein leistet eine wertvolle Vernetzungsarbeit. Unter https://bonnimwandel.de gibt es viele aktuelle Informationen, einen gut gepflegten, themenrelevanten Veranstaltungskalender und einen informativen Newsletter über zahlreiche Klima-Aktionen in Bonn. „Bonner*innen for Future“. Es gibt viele weitere Beispiele, die in Bonn und Umgebung zu benennen wären. Gemeinsam zeigen sie alle, dass sich zahlreiche Bonner Bürger*innen auf den Weg gemacht haben. Sehr bewusst ist ihnen, dass der Erfolg der Klimawende auch von der Qualität der eigenen Beteiligung abhängig ist und auch davon, die Mitbestimmung durch die Bevölkerung massiv einzufordern.