Nachhaltigkeit,  Ökologie

Ein Projekt für mehr Artenvielfalt auf Bonner Friedhöfen

Lebensstätte Friedhof

Finanziert vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) kümmert sich die Biologische Station Bonn / Rhein-Erft von 2020 bis 2023 um mehr Naturschutz auf Bonner Friedhöfen. Im Projekt „Lebensstätte Friedhof“ werden zunächst Flora und Vogelwelt erfasst, um dann zusammen mit dem Amt für Umwelt und Stadtgrün konkrete Verbesserungen anzugehen: Ziele sind die Anlage von drei Hektar Blühflächen, eine Anreicherung mit Nistkästen und Totholzhaufen sowie zwei Wildbienen-Nistwände.

Monika Hachtel

Friedhöfe dienen in erster Linie Bestattungen und dem Andenken an Verstorbene. Als „grüne Stadtoasen“ haben sie aber auch klimatische, soziale und ökologische Funktionen: Bäume und Freiflächen kühlen und speichern Wasser, sie sind Kulturgut, Erholungsort und Rückzugsraum für wilde Tiere und Pflanzen.
Bonn ist mit Friedhöfen reich ausgestattet: Auf 120 Hektar gibt es 48 Anlagen mit teilweise großem ökologischem Potenzial. Gefördert vom LVR und in enger Abstimmung mit dem Amt für Umwelt und Stadtgrün der Stadt Bonn arbeitet die Biologische Station Bonn / Rhein-Erft jetzt daran, sie für die Natur noch mehr aufzuwerten.

Ein Projekt – drei Ziele:
1. Dokumentation des Zustands und Wertes für die Natur
2. Aufwertung vor allem der nicht mehr für Bestattungen genutzten Areale
3. Öffentlichkeitsarbeit

Erfassung von Flora und Lebensräumen

Im Jahr 2020 wurden die Wildpflanzen erfasst, deren Artenvielfalt aufgrund der Vielfalt an Lebensräumen groß ist. Zierrasen, Bereiche mit Bodendeckern und die überwiegend gärtnerisch gestalteten Gräber wechseln sich kleinflächig ab mit Sträuchern, Hecken und Kleinstbiotopen wie alten Grabsteinen und Mauern. Ältere Friedhöfe sind park- oder sogar waldähnlich. Seltene Pflanzenarten kommen nur wenige vor, etwas Besonderes sind aber heimische Frühblüher und sogenannte Stinsenpflanzen: alte Garten- und Parkpflanzen, die über Jahrhunderte verwildert sind, wie Schneeglöckchen, Krokusse und Immergrün.

Schaffung von Blühflächen

Mit Blühwiesen schaffen wir einen für Friedhöfe ganz neuen Lebensraum, der die artenarmen Zierrasen vielerorts ersetzen kann. In den nächsten drei Jahren säen wir heimische Wildblumen auf 30.000 qm. Ab Juni 2021 kann man sich schon am Heiderhof, in Poppelsdorf, Dransdorf, bei Niederholtorf, am Kottenforst sowie auf Nord-, Süd- und Zentralfriedhof auf 20.000 qm Blumenwiesen anschauen.

Erfassung und Schutz der Vögel

Auf den 15 größten Friedhöfen erfassen wir die Vögel. Größe und Strukturvielfalt der Friedhöfe begünstigen deren Anzahl, die Nähe zu Wald oder landwirtschaftlicher Fläche fördert seltenere Arten wie Star, Grauschnäpper, Hohltaube. Spechte profitieren vom alten Baumbestand und schaffen Höhlen, in denen andere Vögel oder Fledermäuse ihre Junge aufziehen können. Mit speziellen Nistkästen bieten wir ab 2021 gezielt Brutplätze für Schleiereulen, Stare und Dohlen an.

Öffentlichkeitsarbeit

Ganz wichtig ist es, die Bevölkerung mitzunehmen: Während Blühflächen nicht zuletzt durch das Thema Insektensterben bekannt und anerkannt sind, braucht es für die Akzeptanz von „wilderen Ecken“ noch Auf- und Erklärung. Daher machen wir mit Infotafeln, Führungen und so weiter auf Besonderheit und Schönheit der Bonner Friedhöfe aufmerksam und erläutern den Wert von Holzhaufen und gesteuerter „Verwilderung“. Genauso wichtig sind Beratung und Abstimmung mit den Friedhofsverantwortlichen, um die neuen Lebensstätten auf alten Friedhöfen dauerhaft zu erhalten.

Erschienen in der BUZ 3_21