Gesellschaft,  Nachhaltigkeit

Wegwerfen vermeiden

Lebensmittel-Müll

18 Millionen Tonnen – diese unglaublich große Menge Lebensmittel landet in Deutschland jährlich im Müll. Weltweit sind es sogar 1,3 Milliarden Tonnen. Ein Anteil von 30 bis 40 Prozent aller produzierten Lebensmittel. Die Gründe dafür sind vielfältig

Angefangen bei der Produktion, der Lagerung und dem Transport über die Supermärkte bis zu den Endverbrauchern. An allen Punkten innerhalb dieser Kette werden Lebensmittel weggeschmissen. Und wir die Verbraucher stehen am Ende des Prozesses. Während in den Entwicklungs- und Schwellenländern die Ursachen eher in der fehlenden Infrastruktur (Ernte, Kühlung etc.) liegen, liegt das Problem in den Industrienationen eher an unseren vorhanden Normen und unseren Ansprüchen an Ästhetik. Dazu kommt, dass wir planlos und viel zu viel einkaufen. Wir haben den Überblick über unsere Vorräte verloren und „vergessen“ was wir noch im Kühlschrank haben. Wir schmeißen Joghurts weg, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten ist und Äpfel, die eine braune Stelle haben. Und mit „wir“ meine ich jeden von uns.

Was wird weggeschmissen?

Lebensmittel Anteil
Obst & Gemüse 44%
Back-/ Teigwaren 20%
Essensreste 12%
Milchprodukte 8%
Getränke 7%
Fleisch & Fisch 6%
Süßigkeiten 3%

Es fällt auf, dass besonders Obst und Gemüse in der Mülltonne landen. Diese müssen in den Supermärktesn in erster Linie den Ansprüchen der Konsumenten gerecht werden. Bananen und Gurken müssen die „richtige“ Krümmung, Tomaten den „richtigen“ roten Farbton aufweisen und Äpfel die „perfekte“ Form haben. Dazu kommt, dass zu jeder Jahreszeit alle Obst- und Gemüsesorten in der Auslage liegen müssen. So wie gerade aktuell wieder zu beobachten: Erdbeeren und Spargel an Weihnachten. Aber auch im Tages- und Wochenverlauf muss die Auswahl immer gleichbleibend sein. Der Kunde möchte montags morgens den gleichen frischen Salat wie freitags abends kaufen können. Dies gilt natürlich genauso für Milchprodukte, Fleisch- und Backwaren.

Folgen der Lebensmittelverschwendung

Folgen dieser Wegwerfmentalität sind uns vielleicht gar nicht richtig bewusst. Jedoch werden für jedes Produkt Ressourcen benötigt, um dieses herzustellen, zu lagern, zu kühlen und zu transportieren. Somit bedeutet das Wegschmeißen von jedem Lebensmittel die Verschwendung von Wasser, fruchtbarem Boden, Dünger, Energie etc.– und das natürlich nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. So werden für die Produktion von 1 kg Brot 1.000 l Wasser und 750 g CO2 Äquivalente benötigt, bei 1 kg Bananen liegen die Werte bei 850 l Wasser und 850 g CO2 Äquivalenten, bei 1Kg Fleisch schon bei 15.500 l Wasser sowie 6.450 g CO2 Äquivalenten. Und damit ist der Ressourcenverbrauch noch nicht beendet. Für die Abholung und Entsorgung des Mülls muss erneut Energie aufgewendet werden.

Dazu kommt natürlich noch der ethische oder moralische Aspekt. Aktuell leiden ca. 815 Mio. Menschen weltweit unter Hunger. Dazu kommen die Menschen, die Mangelerscheinungen aufgrund von unzureichender Nährstoffzufuhr aufweisen und das obwohl nach verschiedenen Berechnungen zum jetzigen Stand alle Menschen weltweit mit den produzierten Lebensmitteln ernährt werden könnten. Vor diesem Hintergrund ist der sorglose Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen kaum zu rechtfertigen.

Problem: MHD

Ein Problem stellt für viele Menschen das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) dar, was keinesfalls mit dem „Verbrauchsdatum“ gleichgesetzt werden darf. Letzteres befindet sich auf leicht verderblichen Produkten wie Fleisch / Fisch und besagt tatsächlich, bis wann das Produkt nur verbraucht werden darf, da es bei anschließendem Verzehr zu gesundheitlicher Gefährdung kommen kann. Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt dagegen an „bis wann ein Lebensmittel bei sachgerechter Aufbewahrung auf jeden Fall ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen sowie gesundheitliches Risiko zu konsumieren ist“. Es gibt jedoch auch Lebensmittel, auf denen das MHD nicht aufgeführt werden muss. Dazu zählen z.B. frisches Obst, Gemüse und Kartoffeln, alkoholische Getränke mit einem Volumenprozent von mehr als 10 %, Backwaren, die innerhalb von 24 Stunden nach Herstellung verzehrt werden, Speisesalz oder auch Kaugummi.

Was kann ich tun?

Hier ein paar Tipps, wie man den Abfall von Lebensmittel vermeiden kann:

  • den Einkauf besser planen (was brauche ich
    wirklich und wie viel?)
  • auch „nicht perfekte“ Lebensmittel einkaufen
  • die richtige Lagerung von Lebensmitteln, um Verderb zu vermeiden
  • regionale und saisonale Lebensmittel kaufen
  • sich nach Ablauf des MHD auf die eigenen Sinne verlassen bzw. auf diese vertrauen, da viele Lebensmittel weiterhin bedenkenlos gegessen werden können (Vorsicht jedoch bei Fleisch und Fisch; hier auf das tatsächliche „Verbrauchsdatum“ achten!)
  • Reste einfrieren und später verbrauchen
  • „Reste essen“; spezielle Rezepte zur Resteverwertung findet man im Internet
  • Lebensmittel teilen, z.B. über Plattformen wie „Food-Sharing“

Nebenbei profitiert von weniger Lebensmittelverschwendung auch noch der eigene Geldbeutel, denn letztendlich wird bares Geld in die Tonnen geschmissen. Bis zu 200 € schmeißt so jede(r) Deutsche einfach in den Müll.

Vorbild: Food Sharing

Unter dem Motto „Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen“ wurde im Dezember 2012 im Internet die Plattform www.foodsharing.de freigeschaltet. Finanziert wurde der Start über so genanntes Crowdfunding, also eine Sammelaktion bei privaten Spendern, die das Projekt unterstützen wollten. Auf der Homepage wurde Anfang Dezember eine Zahl von 11.974.563 kg genannt, die die Menge an Lebensmitteln erfasst, die bereits vor der Tonne gerettet wurde. Aktuell nutzen ca. 200.000 Menschen die Plattform in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Darüber hinaus beteiligen sich etwa 4.000 Unternehmen an dem Projekt.

Ziele für die Zukunft

In den Sustainable Development Goals (SDG) fordert die verantwortliche Open-Working Group eine Reduzierung der Nahrungsmittelverluste bis zum Jahr 2030 um 50 %. Die EU und die Bundesregierung haben sich dieser Forderung angenommen und die entsprechende Reduzierung zum Ziel gesetzt. Jedoch sind bisher keine Strategien genannt worden, wie dieses tatsächlich erreicht werden kann bzw. soll. Da von der Politik aktuell kaum Lösungsansätze verfolgt bzw. in Angriff genommen werden, müssen wir als Verbraucher selber aktiv werden und handeln. Jeder kann mit den bereits genannten Tipps anfangen, um einen sorgfältigeren Umgang mit unseren Lebensmitteln zu erreichen.

Cynthia Roggenkamp