Kommentar

Staustadt Nummer eins

Staus in Bonn, ein Novum?

Jürgen Huber

Diese Zeilen widme ich all denen, die zur Zeit versuchen, die Staus in Bonn der momentan regierenden Koalition in die Schuhe zu schieben.

Bereits im Januar 2020, als die Jamaika Koalition unter der schwarzen Mehrheit Bonns Geschicke bestimmte, wurde Bonn als Staustadt Nummer eins in NRW und Nummer sieben in Deutschland ermittelt. Oberbürgermeister Sridharan und die mehrheitlichen Teile seines Stadtrates vermieden es, den Autoverkehr in der Stadt einzudämmen.

Im September 2020 wechselten dann die Mehrheiten im Bonner Stadtrat als auch die Oberbürgermeisterin, und die Verkehrswende wurde eingeläutet. Diese nötige Verkehrswende, die den Individualverkehr mit dem Auto grundsätzlich aus der Stadt heraushält, gefällt nicht jedermann. Auch ist sie nicht gleich von einem auf den anderen Tag wirksam.

Viele europäische Städte haben es uns vorgemacht. Interessante und autofreie Innenstädte machen den Aufenthalt dort angenehm. Dazu bedarf es aber zur Zeit noch großer P&R-Parkplätze mit einem guten und bezahlbaren Bahn- und Busanschluss.

Ich hoffe, dass die nächsten drei Jahre ausreichen, zu beweisen, dass die Maßnahmen zur Verkehrswende eine merkliche Entlastung der Stadt bringen. Dann werden alle, die mit dem Auto in die Stadt müssen und das staufrei können, hoffentlich merken, dass dieser Stadtrat gute Arbeit gemacht hat und es mit einem Kreuz honorieren.

Es sind auch die Inhaber von Immobilien in der Innenstadt, die gefragt sind. Ich kann keine Mieten von über 100 Euro pro Quadratmeter bezahlen mit einem Lebensmittelgeschäft. Ich denke an die Vielfalt unserer Innenstadt vor vielen Jahrzehnten. Es gab einen Eisenwarenhandel, in dem Schrauben noch einzeln zu erhalten waren. Ein Käseladen mit sehr spannenden Käsesorten und durchaus erlebenswertem Bedienungspersonal am Dreieck. All das würde die Innenstadt Bonns zu einem interessanten Aufenthalts- und Einkaufsort machen.