Gesellschaft,  Kommentar

Ich packe meinen Koffer und nehme mit … Verantwortung

Die BUZ schnürt das Reisegepäck für unsere Abgeordneten

Herbstzeit ist Wanderzeit. In den kommenden Wochen werden wieder zahlreiche Delegierte ihre Wahlkreise in Richtung Berlin verlassen, um nach der Wahl ihre Arbeit im deutschen Bundestag aufzunehmen. Damit die von uns gewählten Vertreter*innen auch wissen, worin sie uns vertreten sollen, schnürt die BUZ mit dieser Ausgabe einen lokal- und umweltpolitischen Themenkatalog als Reiselektüre. Darin enthalten: Schwerpunkte, die uns und unsere Leserschaft beschäftigen.

Kathrin Schlüßler

Momentan schauen alle erwartungsvoll auf den 24. September. Bundestagswahl. Der Abschluss eines anderthalb Jahre dauernden Wahlmarathons. Der Herbst 2017 wird noch einmal heiß. Kein Wunder, dass sich bei der Fülle an Wahl content Verdruss breit macht. Darum richten wir unseren Fokus auf danach: Was bleibt, wenn der Staub sich legt? Welche Wahlversprechen überleben die Koalitionsverhandlungen?

Kompromisse sind Grundpfeiler einer Demokratie. Doch sollten diese nicht aus kommerziellen Beweggründen eingegangen werden. Unsere Umfrage macht sehr deutlich, dass die Menschen eben solche Zugeständnisse zugunsten der Wirtschaft für faule Kompromisse halten. Es gibt Themen, die bedingungslose Unterstützung benötigen. Dazu zählen laut Umfrageergebnis Umwelt- und Naturschutzbelange. Unsere Befragten fordern hier mehr Mut.

Ein immer wiederkehrender Aspekt im Naturschutz ist eine emissionsarme und sozialverträgliche Mobilität. Dass eine urbane Seilbahn Teil eines ganzheitlichen Verkehrskonzepts sein kann, erörtert unser Reporter.

Auch Radfahren ist eine wichtige Komponente im städtischen Verkehrs plan. Bonn nimmt im Jubiläumsjahr des Stadtradelns an der Kampagne teil und will so für eine nachhaltige Fortbewegung werben. Ihre ganz eigenen Erfahrungen zur Fahrradfreundlichkeit der Stadt Bonn bringt unsere Reporterin in ihrer Kolumne näher.

Plastik in den Weltmeeren. Wissen wir; alles schon gehört. Und trotzdem ist es wichtig, es stetig anzusprechen und zu visualisieren. Zahlreiche Forschungsprojekte beschäftigen sich, teilweise sehr erfolgreich, mit der Beseitigung des Plastikmülls in den Ozeanen. Doch das Problem bleibt (vermutlich noch auf Jahrhunderte) brisant. Neben den großen, makroskopischen Anteilen, die Meerestiere schädigen und paradiesische Strände verschmutzen, sind vor allem Kleinstteilchen besorgniserregend. Diese Mikro- und Nanopartikel, die durch Zerfall entstehen oder neuerdings durch Kosmetikprodukte ins Abwasser gelangen, sind gewebegängig und können toxisch reagieren. So gelangt unser Müll letztendlich zurück in unsere Nahrungskette.

Auch an anderer Stelle ernten wir, was wir säen. Durch intensive Landwirtschaft und Pestizide auf den Feldern dezimieren wir die Populationen von Insekten, Singvögeln und anderen Arten. Mit dem flächendeckenden Einsatz glyphosathaltiger Totalherbizide befeuern wir den Raubbau an der Artenvielfalt. Wie Artenreichtum in der Landwirtschaft aussehen kann, zeigt der Lehrgarten für Nutzpflanzen der Universität Bonn, der zum Jubiläumsjahr der Uni 2018 dringend einer Runderneuerung bedarf. Dass Biodiversität Spaß macht, vermitteln die Bildungsprogramme des BION-Projekts.

‚Endlager‘ klingt in einem Millionen Jahre umfassenden Zerfallsprozess schon etwas zynisch: Der strahlenden Zukunft des Atommülls widmet sich unsere Reporterin in einer neuen BUZ-Serie. Ob künftig auch die Betreiber der Atomkraftwerke mehr in die Verantwortung genommen werden, begleiten wir in den folgenden BUZ-Ausgaben.

Außerdem zeigen wir, wie TTIP auf Japanisch funktioniert: JEFTA wurde still und heimlich ausgehandelt.

Erregt dies bei Ihnen Unmut, gar Protest? Der Frage, wie laut dieser sein muss, um gehört zu werden, geht unser Redakteur nach.

Ganz ohne Wahl content können wir so kurz vor der Bundestagswahl dann doch nicht. Braucht eine westliche Demokratie Wahlbeobachtung oder ist dies nur in Konfliktgebieten notwendig? Bei der Bundestagswahl im Herbst werden Wahlbeobachter*innen stichprobenartig Wahllokale besuchen. Schürt dies Misstrauen oder gibt es Wählenden Sicherheit? Was viele nicht wissen, wir alle können Wahlbeobachtende sein und so diesen fundamentalen demokratischen Prozess beglaubigen.

Die Quintessenzen der Wahlprogramme ausgewählter Parteien zu umweltpolitischen Prüfsteinen hat unsere Reporterin in unserem BUZ-O-MAT für Sie zusammengestellt.

Damit haben wir das Ränzlein für unsere Delegierten geschnürt. Anders als ein Wanderausflug in die Eifel, ist die Reise der Abgeordneten nach Berlin kein Spaziergang. Der politische Gegenwind weht oft orkanartig und das Reisegepäck mit Versprechen aus dem heimischen Wahlkreis wiegt mit jedem Schritt schwerer. So auch die Verantwortung, die ein solches Mandat mit sich bringt. An diese appellieren wir und unsere Leserschaft eindringlich. Politiker*innen unterschätzen mitunter die Bereitschaft der Bevölkerung, auch tiefgreifende Veränderungen mitzutragen. Im Grunde geht es hierbei ausschließlich um eine verständliche Kommunikation: Die Menschen abholen, Entscheidungen und Konsequenzen teilen und damit den fruchtbaren öffentlichen Diskurs befeuern, erzeugt Redlichkeit. Dem gegenüber wird heimliches Gemauschel im Hinterzimmer immer Misstrauen hervorrufen. Die Demokratie braucht Ihre Stimme!