Der Weg zur Klimaneutralität bis 2035

15. Mai 2023 | Ausgabe 3 / 2023 Halbzeit im Bonner Rat, Gesellschaft, Susanna Allmis-Hiergeist | 0 Kommentare

Bonn hat einen Plan

Susanna Allmis-Hiergeist


Im Jahr 2019 fasste der Bonner Rat den Beschluss zur Klimaneutralität bis 2035. Dabei sollte auch das 1.5-Grad-konforme CO2-Budget eingehalten werden. Wie das gelingen kann, beschreibt nun der „Klimaplan 2035 für die Bundesstadt Bonn“.

Im November 2022 wurde das zirka 450 Seiten starke Werk offiziell übergeben. Es wurde von einem Expertenteam bestehend aus der Gertec
Ingenieurgesellschaft, Jung Stadtkonzepte und dem Wuppertal Institut in Abstimmung mit den Dezernaten, Ämtern und den Beteiligungsgesellschaften der Stadt Bonn entwickelt. Um den Plan in die Tat umzusetzen, wurden allein für 2023/2024 50 Millionen Euro in den Doppelhaushalt eingestellt. 168 Vollzeitbeschäftigte sollen die Aktivitäten vorantreiben, davon 55 auf neuen Stellen. Am 23.3.2023 hat der Rat der Stadt Bonn mit der Mehrheit der Koalition das Vorgehen bestätigt. Parallel zu den Arbeiten der externen Büros haben Bürgerinnen und Bürger im Mitwirkungsverfahren Bonn4Future Ideen für ein klimaneutrales Bonn gesammelt (siehe ausführlicher Bericht zum Klimaaktionsplan von Bonn4Future in der BUZ November/Dezember 2022).

Seit 1990 konnten die Treibhausgasemissionen in Bonn um nur 27% reduziert werden. Das zeigt den enormen Handlungsbedarf in den kommenden Jahren. Zur Einhaltung des einwohnerbezogenen Paris-konformen CO2-Ziels stehen Bonn noch zirka 16 Millionen Tonnen CO2-Restbudget zur Verfügung. Daraus lässt sich ein jährlicher Minderungsfahrplan errechnen.

Strategische Ziele

Der Klimaplan besteht aus einem strategischen Teil, der Klimaneutralitätsstrategie für die Gesamtstadt und einem Arbeitsprogramm Klimaschutz der Stadtverwaltung für die Jahre 2023 – 2025. Die Klimaneutralitätsstrategie beschreibt die CO2-Reduktionspotentiale in Handlungsfeldern wie Mobilität, Energie, Gebäude, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie modelliert den zeitlichen Verlauf der erforderlichen CO2-Einsparung der jeweiligen Handlungsfelder zur Erreichung des Gesamtziels in 2035. Dabei leiten sich die Sparpotentiale nicht immer unmittelbar aus Bonner Daten, sondern oft auch aus allgemeinen Studien zum Thema ab.

Im Bereich Mobilität wird ein „Dreiklang“ aus Umstieg auf Rad und ÖPNV sowie der Umstellung auf alternative Antriebe empfohlen. Dabei würde die Fahrleistung des Individualverkehrs um 38 Prozent sinken, die Fahrzeugkilometer des ÖPNV hingegen um 67 Prozent wachsen. Die Wärmeversorgung solle im Zieljahr zu 36 Prozent über Wärmepumpen, 27 Prozent über Fernwärme, 19 Prozent über weitere Stromnutzungen und der Rest über Solarthermie, Biomasse oder grüne Gase erfolgen. Die Verwendung von Strom für Mobilität und Wärmepumpen führe aber trotz Effizienzgewinnen und Einsparungen zu einer Verdoppelung des Stromverbrauchs bis 2035. Auch bei einem erheblichen Ausbau der Photovoltaik könne nur etwa ein Drittel davon im Stadtgebiet regenerativ erzeugt werden, der Rest müsse bundesweit bezogen werden.

Arbeitsprogramm Klimaschutz

Etwa die Hälfte des identifizierten CO2-Sparpotentials fällt auf den Bereich Energie. Daher soll u. a. das mit 2 Millionen Euro geförderte Programm „Solares Bonn“ aufgestockt und für 2024 vorgesehene weitere 2 Millionen Euro auf dieses Jahr vorgezogen werden. Die Stadt selbst will ihre Liegenschaften durchgängig mit Fotovoltaikanlagen ausrüsten. Bisher ist das nur bei 70 von in etwa 1000 Dächern der Fall. Im Bereich Wärme erhält die Verwaltung den Auftrag, ein Förderprogramm zur Gebäudeisolierung und zum Einbau moderner Heizungen auf den Weg zu bringen. Im Laufe der Beratungen in den Ausschüssen wurde die Vergabe von Fördermittel an Vermieter*innen daran geknüpft, dass die Sanierung nicht zu Mietsteigerungen führt.

Um die Bürger*innen zu beraten und Mitwirkungsmöglichkeiten auf Quartiersebene zu schaffen, sollen auf Anregung von Bonn4Future drei Klimabüros installiert werden. Für Initiativen und Vereine steht ein Fonds zur Verfügung, mit dem sozialökologische Projekte mit bis zu 3000 Euro unterstützt werden können. Haushalte mit geringem Einkommen erhalten darüber hinaus Darlehen für stromsparende Haushaltsgeräte.

Im Bereich Mobilität werden ein durchgängiges Radnetz und eine Elektrifizierung der ÖPNV-Flotte in Aussicht gestellt. Für Gruppen von bis zu fünf Personen soll es ab 2024 ein Tagesticket für 9,50 Euro im Nahverkehr geben.

In der Ratssitzung am 23.3.2023 wurden der Klimaplan und auch der Klimaaktionsplan zur Kenntnis genommen und die Verwaltung mit der weiteren Behandlung beauftragt. Sie soll die Maßnahmen des Arbeitsprogramms initiieren und die Umsetzung der Aktivitäten zur Beschlussfassung in die zuständigen Gremien bringen. Über Zielerreichung und Wirksamkeit will sich der Rat im Jahresrythmus informieren. Ein zusätzlicher Ansporn: Bonn wurde als eine von vier deutschen Städten ausgewählt, an einem ICLEI-Projekt (Local Governments for Sustainability) zum sozialgerechten Klimawandel teilzunehmen.

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