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Wo steht Deutschland heute? – Ein Vergleich zwischen 2015 und 2025.

Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaschutzabkommen und der Agenda 2030 richtet sich der Blick auf die Fortschritte der Energiewende. Ziel ist es, den Klimawandel zu bremsen und die Wirtschaft klimafreundlich umzubauen – vor allem durch die Reduzierung von Treibhausgasen. Windräder prägen zunehmend die Landschaft, Solaranlagen wachsen auf Dächern und Feldern. Doch wo steht Deutschland heute, wie entwickelt sich Europa und welche Rolle spielt Nordrhein-Westfalen?


Franziska Schmickler


Der Fokus in Deutschland liegt auf Wind- und Solarenergie

Ein Blick auf die vergangen zehn Jahre zeigt, wie stark sich die Stromerzeugung in Deutschland verändert hat. Während im Jahr 2015 nur rund 32,3 % des Stroms aus erneuerbaren Energien stammten, lag der Anteil im Jahr 2025 schon bei 62,0 %. Damit hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien nahezu verdoppelt und spiegelt den konsequenten Ausbau in diesem Bereich wieder.

Alle erneuerbaren Energiequellen konnten ihren Anteil bei der Einspeisung ins Stromnetz steigern. Besonders hervorzuheben ist der Anteil an Windenergie. Dieser Anteil stieg von 14,4 % im Jahre 2015 zu 31,4 % im Jahre 2025 (on- und offshore zusammengerechnet) und hat sich somit nahezu verdoppelt. Es kann also festgehalten werden, dass die Windkraft einen wichtigen Anteil innerhalb der erneuerbaren Energien in Deutschland hat.

Gleichzeitig hat die Bedeutung fossiler Energieträger weiter abgenommen. 2025 stammte nur noch ein Drittel des Stroms aus der Umsetzung von Steinkohle. In dem Zusammenhang steht, dass seit 2018 der Steinkohleabbau in Deutschland eingestellt ist. Was bedeutet, dass die noch für die Energieerzeugung in Deutschland benötigte Kohle daher vollständig importiert werden muss. Dies wird mit einer Gewährleistung der Energieversorgung begründet. Die Tendenz des Imports ist seit 2018 rückläufig und ist von etwa 38 Millionen Tonnen auf ungefähr 22 Millionen Tonnen in 2024 gesunken. Zwischenzeitlich kam es jedoch im Zuge der Invasion Russlands der Ukraine zu einem Anstieg des gesamten Imports.

Der Rückbau von Kohlekraftwerken trägt insgesamt zu einer Reduzierung der CO₂-Emissionen bei und ist ein zentraler Baustein der deutschen Klimaschutzstrategie. Zudem zeigt sich, dass die Stromerzeugungskosten bei fossilen Energieträgern wie Stein- und Braunkohle bei einem Neubau von Kraftwerken inzwischen höher liegen als bei erneuerbaren Energien. Vor allem Windenergie und Photovoltaik gelten heute als kostengünstige und zukunftsfähige Formen der Stromerzeugung.

Deutschlands Energiewende im internationalen Vergleich

Wie schlägt sich Deutschland im europäischen Vergleich? Bei den Anteilen erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung nimmt Norwegen wiederholt die Vorreiterposition ein. Das gilt für 2015 als auch für 2025. Im Jahr 2025 stammten bemerkenswerte 99,2 % des norwegischen Stroms aus erneuerbaren Energien. Dabei werden diese Energien vor allem aus Wasserkraftwerken gewonnen, die das Land durch seine geografischen Gegebenheiten besonders effektiv nutzt.

Deutschland liegt im europäischen Ranking im Anteil der erneuerbaren Energien an der öffentlichen Stromerzeugung deutlich darunter und und lag damit 2015 auf Platz 14, zwischen Litauen (36,8 %, Platz 13) und Montenegro (30,6 %, Platz 15). Im Jahr 2025 dagegen auf Platz 13, zwischen der Schweiz (63,1 %, Platz 12) und Estland (58,9 %, Platz 14). Besonders stark ausgebaut sind in Deutschland, aber auch Schweden, den Niederlanden und Dänemark Wind- und Solarenergie.

Der Vergleich zeigt, dass Deutschland in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht hat, liegt aber im europäischen Spitzenfeld noch hinter Ländern mit vergleichsweise günstigen geografischen Bedingungen.

Energiewende in NRW –sowie in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis

In Nordrhein-Westfalen hat die Energiewende in den letzten Jahren ebenfalls deutliche Fortschritt gemacht. Der Anteil Primärenergiegewinnung in NRW an der gesamten Primärenergie Deutschlands sank von 31,8 % im Jahr 2015 auf 23,5 % im Jahr 2022.

Primärenergiegewinnung bezeichnet den Prozess, bei dem Energie direkt aus den jeweiligen Energiequellen gewonnen wird, ohne vorherige Umwandlung. Somit die erste Stufe der Energiegewinnung.

Innerhalb der Primärenergie hat der Anteil erneuerbarer Energien in NRW von 14,1 % im Jahr 2015 auf 24,7 % im Jahr 2022 zugenommen. Gleichzeitig sank der Anteil fossiler Energieträger von 82,7 % auf 70,8 %. Auffällig bleibt jedoch, dass der Anteil der Braunkohle innerhalb der fossilen Energieträger über die Jahre nahezu unverändert geblieben ist. Dies ist historisch gewachsen durch die geologischen Begebenheiten mit einem der größten erschlossenen Braunkohle-Lagerstätten Europas und die daraus resultierende Infrastruktur.

Der Stromverbrauch in der Region lag bei zirka 6.369 GWh pro Jahr (Stand 2024), davon entfallen etwa ein Drittel (2.217 GWh) auf Bonn und zwei Drittel auf den Rhein-Sieg-Kreis (4.152 GWh). Insgesamt wurden in 2024 nur 2,8 % des Bonner Stromverbrauchs aus in Bonn betriebenen Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien gedeckt. Im Rhein-Sieg-Kreis waren es 9,9 %.

Die erste Photovoltaikanlage auf städtischen Dächern Bonns wurde bereits im Jahr 1996 errichtet, jedoch kam bis Ende 2014 lediglich 8 Anlagen laut Marktstammdatenregister dazu. Somit wurde nur eine Nettoleistung von 44 kW erbracht. Zwischen 2015 und 2025 wurden im Stadtgebiet Bonn 4780 Solaranlagen in Betrieb genommen, die zusammen eine Nettoleistung von 30.779,3 kW erreicht haben. Im Vergleich dazu wurden laut Marktstammdatenregister im Bonn-Rhein-Sieg-Kreis vor 2015 7.754 Solaranlagen in Betrieb genommen, was eine Nettoleistung von 92736,0 kW ausmachte. In den Jahren 2015 bis 2025 wurden 17050 Solaranlagen in Betrieb genommen, daraus resultiert eine Nettoleistung von 14.6849,0 kW. Berücksichtigt wurden bei diesen Daten ausschließlich Anlagen, für die im Marktstammdatenregister ein offizielles Inbetriebnahme Datum verzeichnet ist.

Die Zahlen verdeutlichen, dass NRW und die Region trotz des insgesamt hohen Anteils fossiler Energien auf einem kontinuierlichen Weg Richtung erneuerbare Energien sind.

Energieeffizienz und notwendige Maßnahmen.

Wie kann das Ziel noch erreicht werden? Insgesamt zeigt sich ein positiver Trend auf vielen Ebenen der Energiewende in Deutschland, NRW und der Region Bonn. Deutschland hat den Anteil erneuerbarer Energien in den letzten zehn Jahren von 32,3 % auf 62,0 % nahezu verdoppelt, Europa verzeichnet Spitzenwerte in Ländern wie Norwegen und NRW trägt mit einem Anstieg von 14,1 % auf 24,7 % bei. Auch in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis werden Fortschritte sichtbar, etwa durch 2.362 installierte Solaranlagen in Bonn und einen Anteil erneuerbarer Energien am Strom von 1,4 % in Bonn und 5 % im Rhein-Sieg-Kreis (Stand 2021).

Gleichzeitig zeigt der Nachhaltigkeitsreport der IHK von 2025, dass 31 % der Unternehmen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis eine Klimaneutralität bis 2045 für erreichbar halten. Etwa ein Viertel der Unternehmen sieht dies eher skeptisch oder hält es für nicht umsetzbar. Knapp 40 % der Unternehmen geben an, dass die Umsetzung mit Unterstützungen, etwa durch Fördermittel, möglich wäre. Viele Unternehmen empfinden die Einhaltung von Klimaschutzvorgaben als Herausforderung, da sie zusätzliche Kosten verursacht. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Umsetzung der Energiewende noch Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringt, aber gleichzeitig Chancen eröffnet.

Durch den Ausbau von Wind- und Solarenergie sinkt der Anteil fossiler Energieträger, die CO₂-Emissionen gehen zurück und die Stromerzeugungskosten erneuerbarer Energien liegen mittlerweile unter denen fossiler Kraftwerke. Damit werden nicht nur die Klimaziele des Pariser Abkommens realistischer, sondern auch die Versorgung nachhaltiger und die Strompreise langfristig stabiler. Die Energiewende ist damit nicht nur ein technisches Projekt, sondern ein gemeinschaftlicher Prozess, der Politik, Wirtschaft und Bürger*innen zusammenbringt – auf dem Weg zu einer klimafreundlichen und wirtschaftlich starken Zukunft.

 

Quellen und weiterführende Links:

www.energy-charts.info

www.energieatlas.nrw.de

www.ihk-bonn.de

www.destatis.de

www.marktstammdatenregister.de

 

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