Nachhaltigkeit,  Politik

Wohin mit dem Plastikmüll?

China stoppt seine Müllimporte aus dem Ausland

Im Jahr 2017 machte der europäische Anteil des Müllexports nach China und Hongkong 70 % aus. Deutschland war alleine für 800.000 Tonnen Kunststoffabfälle (Plastikmüll) verantwortlich. Dies entspricht ca. der Hälfte unserer gesamten Kunststoffabfallmenge.

Die chinesische Regierung hat der Welthandelsorganisation (WTO) Ende des letzten Jahres mitgeteilt, dass verschiedene Müllsorten (insgesamt 24) zukünftig nicht mehr aus dem Ausland nach China exportiert werden dürfen. Dazu zählen u.a. Elektroschrott, Altpapier und auch Plastikmüll. In den vergangen Jahrzehnten hat China unseren Müll gerne genommen, um aus den Abfallstoffen Rohstoffe aufzuarbeiten, die später in verschiedene Produktionsprozesse zurückgeführt wurden. Wir haben diese Abfallstoffe günstig geliefert und waren unseren Müll los, so dass beide Seiten von diesem Geschäft profitiert haben. Warum soll dieses nun eingestellt werden? Zum einen produziert China mittlerweile genug eigenen Müll und ist nicht mehr auf den aus Europa und damit auch aus Deutschland angewiesen, zum anderen ist der Importstopp Teil des chinesischen Plans den Kampf gegen die industrielle Umweltverschmutzung aufzunehmen und somit Mensch und Umwelt zu schützen. Die EU-Kommission hatte bis zuletzt noch versucht eine Übergangsfrist auszuhandeln, jedoch ohne Erfolg.

Ein Blick zurück

In den 2000er Jahren etablierte sich die Volksrepublik China zu einem der global bedeutendsten Müllimporteure. Besonders die chinesische Nachfrage nach Elektroschrott war enorm, was sich in den Rohstoffen, welche in den Altgeräten vorhanden sind, begründet. Vor allem Handys / Smartphones enthalten wertvolle wiederverwertbare Rohstoffe, wie z.B. Kupfer, Eisen, Aluminium, Gold oder Platin. Doch auch Plastikmüll war begehrt, denn die Kunststoffindustrie in China benötigt für Ihre Produktion von meist neuen „Wegwerfprodukten“ Unmengen an neuem Rohstoff.

Durch den Import von ausländischem Müll etablierte sich eine eigene Industrie, die vor allem Familien- und Kleinunternehmen eine sichere Arbeit und damit ein sicheres Einkommen bescherte. Kleinteilige Strukturen und niedrige Löhne zusammen mit den günstigen Wertstoffen aus dem Ausland sicherten einen wirtschaftlichen Profit, der jedoch gleichzeitig eine enorme Belastung für die Umwelt bedeutete. Aufgrund einer mangelnden Regulierung und Kontrolle dieser Familienbetriebe, wurden Arbeits- und Umweltschutzgesetze gar nicht oder kaum eingehalten. Gleichfalls wurde auch das „Basler Übereinkommen über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung“ vom 22. März 1989 nicht nachgekommen, welches u.a. auch von China (nicht jedoch von den USA) unterzeichnet wurde.

In dieser Konvention wird festgelegt, dass die Ausfuhr von giftigen Abfällen auf ein Mindestmaß zu begrenzen ist. Jedoch sind die Begrifflichkeiten und die genauen Mengen nicht näher definiert. Seit Februar 2013 findet in China jedoch ein Umdenken statt. Mit der zunächst zeitlich begrenzt angelegten „Operation Grüner Zaun“ (Operation Green Fence) hat die chinesische Regierung festgesetzt, dass eingeführter Müll aus dem Ausland nur noch zu 1,5% verunreinigt sein darf. Im Rahmen dieser Aktion hat China in der Vergangenheit Müll, der nicht den Vorgaben entsprach, in die jeweiligen Herkunftsländer zurückgeschickt. Dazu zählten Verunreinigungen jeglicher Art, z.B. die Mischung unterschiedlicher Plastikarten oder die Kontamination durch nicht recyclebare Stoffe.

Mülltrennung in Deutschland

In Deutschland wird der Müll getrennt, das weiß bisweilen jedes Kind. Bei Papierabfall und Glas klappt das auch vorbildlich gut – hier gelingt eine fast sortenreine Trennung, was für den Wiederverkaufswert als Recyclingmaterial von großer Bedeutung ist. Weniger gut klappt die Mülltrennung dagegen bei Plastik- bzw. Kunststoffabfall, so dass eine große Menge entweder in der Müllverbrennungsanlage landet oder eben exportiert wird. Was in China mit unserem Plastikmüll passiert ist uns dann gleichgültig – ganz nach dem Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“.

Und jetzt?

Aufgrund des zukünftig fehlenden chinesischen Absatzmarktes muss eine Lösung für unseren Plastikmüll her. Die nahe liegendsten Alternativen bestehen in Recycling, Verbrennung oder die Lagerung auf einer Deponie. Um im Bereich der Kunststoffabfälle jedoch eine höhere Recyclingquote zu erreichen, müssen Investitionen in neue und bessere Sortieranlagen getätigt werden. Die Skepsis vor allem der Verpackungsindustrie in recyceltes Verpackungsmaterial ist zurzeit allerdings noch groß, da sie Einbußen in der Qualitäts- und Liefersicherheit befürchten. Auf dem Markt befindet sich im Moment lediglich ein Hersteller, der seine Produkte in Kunststoffflaschen abfüllt, die komplett aus Plastik aus dem Gelben Sack produziert wurden. Verbrennen stellt keine gute Lösung dar.

In den deutschen Müllverbrennungsanlagen wird aktuell mehr Müll verbrannt als überhaupt anfällt, denn auch Deutschland importiert Müll. Vor allem um die Anlagen wirtschaftlich voll auszulasten. Außerdem geht bei der Verbrennung der Materialwert verloren und die schlechte CO2-Bilanz spricht ebenfalls nicht dafür. Auch die Lagerung auf einer Deponie ist ökologisch wenig sinnvoll, da ein enormer Flächenbedarf und die Freisetzung von Klimagasen die Folge sind. Darüber hinaus könnten neue Absatzländer gefunden werden, die unseren Müll importieren, z.B. afrikanische Länder oder andere asiatische Staaten, wie Thailand oder Malaysia.

Tipp für den Verbraucher

Auch der Verbraucher kann zur Entlastung des Problems beitragen. Das Stichwort dabei lautet: Plastikfrei leben. Oder zumindest seinen Plastikabfall reduzieren. Blogs im Internet und Buchveröffentlichungen geben zahlreiche Tipps und Tricks worauf man achten kann und wie der Umstieg auf ein Leben ohne bzw. mit weniger Plastik / Kunststoff gelingt.

Cynthia Roggenkamp