Gesellschaft

Umweltbildung für neue Zielgruppen

Junge Aleviten aus NRW engagieren sich

„Benim sadık yârim kara topraktır“ („Meine treueste Geliebte ist die schwarze Erde“) heißt es in einem alevitischen Lied. Im Projekt „Die Erde ist unser Erbe – Klimaschutz im BDAJ-NRW“ haben sich junge Leute aufgemacht, ihre Wurzeln zu erkunden und sie mit Klima- und Umweltschutz zu verbinden.

Mika Wagner

Traditionell ist das anatolische Alevitentum, dessen Wurzeln mutmaßlich viele tausend Jahre zurückreichen, ein sehr naturverbundener Glaube. Die Natur ist dem Menschen seit jeher Verbündete und Spiegel; wie der Mensch selbst ist sie beseelt von göttlicher Wahrheit. Was aber bedeutet dies für alevitische Jugendliche, die – fern von der kargen, bezaubernden Bergwelt Anatoliens – in einem modernen Industriestaat aufwachsen? Kann die Rückbesinnung auf den Glauben dazu motivieren, im Umweltschutz aktiv zu werden? Mit diesen Fragen haben sich einige junge Erwachsene in diesem Jahr auseinandergesetzt.


Information, Natur und fröhliche Gemeinschaft


In Zusammenarbeit mit Initiativen wie Fridays for Future, Psychologie im Umweltschutz und Femnet e. V. ging es in Wochenend-Workshops um Themen wie den menschengemachten Klimawandel, eigene Konsummuster, Klimaschutz im Alltag, die Planung einer Umweltaktion oder das Thema Achtsamkeit. Dazu wagten die jungen Leute sich raus in die Natur, genossen die fröhliche Gemeinschaft und probierten, ob veganes Essen schmeckt und wirklich satt macht. Die erworbene Erfahrung – so der Plan – werden sie als Multiplikator*innen in den Bund der Alevitischen Jugendlichen (BDAJ) hineintragen. Im Laufe des Projektes wurde zudem ein erstes Konzept für eine nachhaltige und möglichst klimaneutrale Verbandsarbeit erarbeitet. Dazu wurde eruiert, inwieweit im NRW-Verband mit seinen rund 50 aktiven Jugendgruppen auch in Zukunft Interesse daran besteht, am Thema dranzubleiben.


Innovative Ansätze gesucht


Es ist eine mittlerweile häufig diskutierte, aber bisher weitgehend ungelöste Frage, wie Umweltbildung auch für sozialökonomisch benachteiligte, tendenziell naturferne Gruppen oder Menschen mit Migrationshintergrund attraktiv gestaltet werden kann. Dieses Projekt liefert einige innovative Ansätze zu dieser Thematik. Es wurde gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW und in einer Kooperation zwischen dem Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. und dem BDAJ NRW durchgeführt.

Infos bei Mika Wagner, BIM e.V. unter wagner@bimev.de

Erschienen in der BUZ 1_22