Gesellschaft,  Kommentar

Mit 31 nochmal Praktikantin

Kaffee kochen. Das gehört auch bei der Bonner Umwelt Zeitung zu den wünschenswerten Fähigkeiten einer Praktikantin. Aber nicht weil der Chef das so will, sondern weil sonst der Tag der Praktikantin nicht losgeht. Alle anderen Aufgaben rund um die Zeitung und das Büro des Ökozentrums sind anspruchsvoll und bedürfen eines gesunden Koffein-Levels.

Kathrin Schlüßler

Erster Tag: Hallo. Schlüsselübergabe. Kurze Einführung. Und schon geht es los: E-Mails beantworten, NGOs koordinieren, telefonieren, Artikel recherchieren – das Büro des Ökozentrums Bonn e.V. in der Friesdorfer Straße in Bad Godesberg gleicht bisweilen einem Bienenstock. Da müssen die herein kommenden Artikel der ehrenamtlichen BUZ-Reporter*innen redaktionell überarbeitet und ins Layout eingepasst werden. Da muss die Finderin eines Hornissennestes in ihrer Garage an die zuständige Stelle weitergeleitet werden. Da benötigt die um die Umwelt besorgte Rentnerin ein offenes Ohr.

Diese kleinen und großen Aufgaben leistet das Ökozentrum seit seiner Gründung im Jahre 1982. Unter seinem Dach versammeln sich aktive Vereine wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Verkehrsclub Deutschland (VCD) uvm. Außerdem gründete das Ökozentrum die Bonner Umwelt Zeitung als Sprachrohr für umweltpolitische Fragen in Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und der Welt. Betrieben wird das Netzwerk durch viele Ehrenamtliche; oft koordiniert durch Bundesfreiwilligendienstleistende.

So ist es auch ein BFDler, der mich nach und nach in sämtliche Aufgaben einführt. Es wird schnell klar, hier muss man ein Allround-Talent sein. Und vor allem gut organisiert. Insbesondere für die vielen Ehrenamtlichen, die nicht die Zeit dazu haben. Es ist einerseits reine Büroarbeit, andererseits viel mehr als das. Denn hier laufen alle Fäden zusammen. Es ist spannend und fühlt sich gut an, ein Rädchen in dem Ganzen zu sein.

Zu den koordinatorischen Aufgaben übernehme ich nach und nach auch die redaktionellen. Recherche, Schreiben, Gegenlesen, Layouten. Photoshop, InDesign und diverse Schreibprogramme werden zu meinen wichtigsten Verbündeten. Bald bin ich ein Mitglied des Redaktionsteams. Auch die Überarbeitung der Website gehört nun zu meinem Aufgabenbereich.

Letzter Tag: Zwei Monate sind schnell vorbei. Eine BUZ rausgebracht, eine vorbereitet. Rechner runterfahren. Den Schlüssel behalte ich. Bis morgen. Denn ich schließe einen 6-monatigen Bundesfreiwilligendienst an und werde für drei Ausgaben Chefredakteurin der Zeitung.

Meine Praktikumszeit war sehr lehrreich und spannend und hat mich mit der praktischen Anwendung der theoretischen Grundlagen in einer Redaktion vertraut gemacht. Ich konnte in alle Bereiche während der Entstehung einer Zeitung hinein schnuppern und selbst übernehmen. Die Arbeit im Ökozentrum und an der BUZ bestärkte mich darin, dass die Wahl der Weiterbildung und der Praktikumsstelle genau die richtige war.