Nachhaltigkeit,  Politik

Plastikentsorgung für den Artenschutz

Plastikmüll in China

Ende 2020 wurde ein Pinguin am Juquehy Beach in Brasilien tot aufgefunden, nachdem er eine FFP2 (N95) – Maske verschluckt hatte. Die Grundstoffe der FFP- sowie medizinischen Masken und Einweg-Schutzkleidungen sind hauptsächlich Vliesstoffe aus Polypropylenmaterialien (PP). Dieser Kunststoff wird umgangssprachlich „Plastik“ genannt. Als größtes Hersteller- und Verbrauchsland von Kunststoffprodukten gilt China. Wie der chinesische Staat mit Kunststoffabfällen umgeht, erfahren Sie in diesem Artikel.

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Die größte Mülldeponie in China als auch Asiens namens Jiangcungou in der Stadt Xi’an war mit einer Gesamtlagerkapazität von 34,6 Millionen Kubikmetern ausgelegt und sollte 50 Jahre in Betrieb sein. Im Februar 2020 war sie nach lediglich 25 Jahren in Betrieb schon vollständig verfüllt und wurde geschlossen.
Diese rasante Auslastung war sicherlich durch den enormen Müllimport begründet. 2016 importierte die Volksrepublik China 46,6 Millionen Tonnen Feststoffabfälle, von denen 7,4 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle waren. Im Juli 2017 wurde schließlich ein Einfuhrverbotsplan von Kunststoffabfällen durch den Staatsrat eingeführt. Trotz dieses Einfuhrverbots waren 2018 noch 10.000 Tonnen Plastikmüll aus Deutschland angekommen – den importierten Feststoffabfällen untergemengt, welche 2019 noch 13,5 Millionen Tonnen ausmachten. Immerhin ein Rückgang von 71 Prozent gegenüber 2016.
Seit dem 1. Januar 2021 ist die Einfuhr aller Art von Feststoffabfällen in die Volksrepublik China vollständig verboten.

Verbrauch von Plastik in China

In den Megastädten Chinas hat die Zunahme der Express-Verpackungsabfälle 93 Prozent und in einigen Großstädten bis 90 Prozent des Anstiegs der Siedlungsabfälle verursacht. Laut der staatlichen Marktaufsichtsbehörde brachte der Gastronomie-Lieferservice Chinas jedes Jahr etwa 1,8 Millionen Tonnen Plastikmüll hervor. Wie Greenpeace Beijing berichtete, betrug der Verbrauch verschiedener Express-Verpackungsmaterialien im Jahr 2018 rund 9,4 Millionen Tonnen, wovon 9,1 Prozent Kunststoffe waren. 50,6 Prozent der Express-Verpackungen bestehen aus reinem Kunststoff oder enthalten Plastiktüten. Die 44 Prozent Wellpappe-Verpackungen enthalten auch Kunststofffüllfolie und Kunststoffband. Der Verbrauch an gefüllten Luftpolstern erreichte 158.500 Tonnen, mehr als 39,8 Milliarden Meter Packband mit einem Gewicht von 81.000 Tonnen. 15 Prozent der Express-Kartonverpackungsabfälle und fast alle Express-Kunststoffverpackungsabfälle werden in den Hausmüll gegeben.

Wie sieht es mit den Masken aus?

Weltweit wurden 2020 rund 52 Milliarden Masken produziert. Wenn die Masken unsachgemäß entsorgt werden, gelangen die Masken in die Ozeane. Unter der Annahme, dass die Wegwerfrate 3 Prozent beträgt und das Gewicht jeder Maske 3 bis 4 Gramm ausmacht, sind im vergangenen Jahr insgesamt 4680 bis 6240 Tonnen medizinischer Kunststoffabfälle in die Ozeane geflossen. In absolute Mengen umgerechnet entspricht dies 1,6 Milliarden Masken, meint die Umweltschutzorganisation OceansAsia.

Siedlungsabfall in China

2019 registrierte China 242 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle. Vor 2018 wurde der Müll in der Volksrepublik China größtenteils deponiert. Vor 2012 sogar über 70 Prozent des gesamten Entsorgungsvolumens. 2019 überstieg die Menge des thermisch behandelten Mülls zum Strom und zur Energie mit einer Einspeisevergütung zum ersten Mal das Volumen des deponierten Mülls. Der Anteil des thermisch behandelten und deponierten Siedlungsabfalls ist von 2010 bis 2019 ständig über 96 Prozent der Entsorgungsmenge und die Entsorgung von Siedlungsabfall ist zwischenzeitlich von 77,9 Prozent auf 99,2 Prozent stetig gestiegen. 2010 und 2011 wurden die Volumen des kompostierten Bioabfalls noch veröffentlicht, seit 2012 gibt es davon aber keine Daten mehr. Bezüglich der Menge von Plastik im Siedlungsabfall gibt es keine offiziellen Daten, da der Müll noch nicht gut sortiert ist.
Die ersten Verwaltungsvorschriften der Mülltrennung von Siedlungsabfällen in der Gesetzgebung galten 2012 in der Hauptstadt Beijing und wurden im Mai 2020 novelliert. Im Jahr 2008 erprobte Schanghai die Mülltrennung und erst ab Juli 2019 gibt die regionale Gesetzgebung Schanghais eine Vier-Tonnen-Mülltrennung vor. Demgemäß soll der Müll in blaue (recycelbarer Müll), rote (gefährlicher Müll), braune („nasser Müll“ wie Biomüll) und schwarze („trockener Müll“ wie Restmüll) Tonnen geworfen werden.
2017 wurde ein Umsetzungsplan für das Sortiersystem des Siedlungsmülls in ganz China veröffentlicht. Darin wurden 46 Städte gelistet, die Mülltrennung verpflichtend durchzusetzen haben. Gemäß des weiter gefassten Umsetzungsplans von 2019 sollte das Sortiersystem bis Ende 2020 in den 46 Städten aufgebaut und bis 2025 grundsätzlich in allen Präfektur- und größeren Städten eingerichtet werden. 2020 setzten die chinesischen Behörden das Ziel, mit diesem Sortiersystem eine Recyclingquote von 35 Prozent des Siedlungsabfalls bis 2025 im ganzen Land zu erreichen.

Plastikverbot in China

Die erste Mitteilung des Plastikverbots vom Staatsrat der Volksrepublik China erschien im Jahr 2001, fortan wurden Plastikregulierungen in Produktion, Import, Verschmutzungsvorbeugung sowie Sicherheitsüberwachung nacheinander angekündigt. 2020 sind vier Plastikregulierungen veröffentlicht worden. Neun Arten von Kunststoffen wie ultradünne Einkaufstüten und landwirtschaftliche Mulchfolie, Einweg-Geschirr und -Strohhalme und Kosmetika mit Kunststoff-Mikrokügelchen sind schließlich seit Ende 2020 verboten. Ziel ist es, nicht abbaubare Plastiktüten, Express-Plastikverpackungen und -Plastikbänder, Einweg-Plastikgeschirr und Hotel-Einweg-Plastikprodukte aus Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), Polyvinylchlorid (PVC), Polyethylenterephthalat (PET) bis Ende 2025 LANDESWEIT zu verbieten.

Plastikmüllentfernung aus dem Meer

2019 sind 389 Verbrennungsanlagen für Siedlungsmüll gemeldet, was dem 3,7-fachen von 2010 entspricht. Des Weiteren hat China 652 Deponien. Die derzeitigen Maßnahmen bestehen hauptsächlich darin, der Kontamination der Ozeane vorzubeugen und zu verhindern. Die Entfernung, Sammlung und Verarbeitung von Kunststoffen, die in die Ozeane schon gelangt sind, bleibt jedoch ein Problem. Von einigen technischen Lösungen kann sich China ein Vorbild nehmen:
The Ocean Cleanup aus den Niederlanden nutzt derzeit sogenannte „Interceptors“, deren Kapazität täglich circa 50.000 Kilogramm Kunststoffextraktion geschätzt wird. Entsprechend einer Schätzung des The Ocean Cleanup können durch den Einsatz der gesamten Flotte von Reinigungssystemen alle fünf Jahre 50 Prozent des Great Pacific Garbage Patch entfernt werden. Es ist geplant, bis 2040 etwa 90 Prozent des schwimmenden Ozeankunststoffs zu entfernen.
Zudem erfasst das australische Seabin-Projekt täglich eine Menge von 3,6 Tonnen Meeresschadstoffen wie Mikrofasern, Kraftstoffe, Öl und Plastik größer als 2 mm im Durchmesser. Seabins bewegen sich mit der Reichweite der Flut auf und ab und sammeln alle Meeresschuttstücke, während das Wasser durch die Wirkung einer Tauchwasserpumpe zirkuliert wird. Bis heute sind 860 Seabins in 50 Ländern einschließlich Hongkong, China in Gebrauch genommen.

Fazit für China und weltweit

Jedes Jahr sterben 1 Million Seevögel und 100.000 Meeressäuger an Plastikmüll, gab The Ocean Conference 2017 der Vereinten Nationen bekannt. Der „Plastikatlas 2019“ der Heinrich-Böll-Stiftung zeigte: Die zehn größten Plastikverschmutzer sind Coca-Cola, PepsiCola, Nestlé, Danone, Mondelez international, Procter & Gamble, Unilever, Perfetti Van Melle, Mars und Colgate-Palmolive. Anstatt die Verbraucher aufzufordern, den Kauf und den Nutzen von Kunststoffprodukten zu reduzieren, wäre es besser, das Engagement auf die Herstellerverantwortung zu fokussieren. Es ist wirklich an der Zeit, umweltfreundlichere Alternativen anstelle von Kunststoff zu verwenden.

Erschienen in der BUZ 3_21