Gesellschaft,  Interview

Interview mit dem Internet

Das Social Media-Meinungsbild

#Klima #Umwelt #Wandel #Engagement

In Anlehnung an das letzte Interview möchten wir uns gerne weiter mit Engagement im Klima- und Umweltschutz befassen. Warum setzen sich manche Menschen so für den Wandel der Gesellschaft ein? Warum tun es andere nicht? Es scheint auch eine Glaubwürdigkeitsfrage zu sein…

In dieser Ausgabe probieren wir mal wieder was Neues. Wie beim effizienten Gruppeninterview wissen wir nicht, ob es funktioniert. Aber das finden wir nur heraus, wenn wir es ausprobieren. Mit den Hashtags der Überschrift habe ich die sozialen Medien durchforstet. Was ich dazu im Bonner Raum dann lesen durfte, habe ich Ihnen hier kommentiert.
Es sei vorweggenommen: Wir Bonner scheinen sehr zurückhaltend mit der Verwendung von Hashtags (Schlagworten) zu sein; jedenfalls, wenn wir Social Media nutzen. Oftmals musste ich meine Recherche regional stark ausweiten.

Ausrede Doppelmoral

Auf Twitter gibt es die erweiterte Suche, in der Sie allerhand Parameter eingeben können, um Ihre Suche zu präzisieren. Bei dieser Suchanfrage: klima engagement near:“Bonn, Deutschland“ within:50mi since:2018-07-01 until:2018-10-17 erhielt ich zum Tag meiner Recherche genau zwei Ergebnisse. Das System hat hier die Begriffe „Klima“ und „Engagement“ in einem 50 Meilen-Radius um Bonn vom 1. Juli bis zum 17. Oktober gesucht.
Floris Biskamp, nach eigenen Angaben Korrespondent aus Köln, schrieb am 9. Oktober folgendes:

Ich finde es gut und richtig, den selbstdementierenden Moralismus aufzuspießen, den manche in Bezug auf Umweltschutz und Klimawandel an den Tag legen — die SUV-Fahrt zum Bioladen ist das treffende Klischee. (1/2)

Floris Biskamp

Wirklich gelangweilt bin ich aber von denjenigen, die über Klima und Umwelt überhaupt nur sprechen, wenn sie solche Doppelmoral oder die nur marginalen Effekte symbolischer Kämpfe oder dergleichen anführen können, um sich über jedes ökologische Engagement lustig zu machen. (2/2)

Floris Biskamp

Bevor ich das weiter beleuchte und nach anderen Stimmen suche, sehen Sie hier noch die direkte Reaktion der Seefahrerin Anke Dörsam aus Berlin:

Mit dem Billigflieger zur Klimakonferenz. Im H&M-Outfit zur Solidaritätsdemo. Mit dem Einweg-Tchibo-Kaffee-Becher zum Grünen-Parteitag. Generell immer: #Starbucks.

Anke Dörsam

Folge ich dem Hinweis auf die klimatische Doppelmoral und gebe eben diese Schlagwörter bei Twitter ein, finde ich, siehe da, ein AFD-Kommentar. Petr Bystron schreibt am 15. Oktober:

Selbst exzessiv rumfliegen und mit dem Dienst-SUV zum Fahrradstellplatz brettern, aber anderen die Mobilität einschränken wollen – wegen #Klima und so! Gewohnte grüne #Doppelmoral! Nur noch #AfD!

Petr Bystron

Darauf gibt es natürlich Kommentare, die ich aus Platzgründen und weil ich gerne jugendfreie Texte schreiben möchte, nicht alle behandeln kann:

Schön zu hören, dass Sie auf den Fahrdienst des Deutschen Bundestags verzichten werden und künftig zu Fuß zum Berliner Hauptbahnhof laufen, um von dort die steuerfinanzierte BahnCard100 zu nutzen. Ihre Doppelmoral ist erbärmlich.

Matthias

Sie wissen aber schon, dass man nichts übertreiben darf. Wieso sollte ein Grüner nicht fliegen dürfen? Bei Ihnen dürfen ja auch Ausländer in der Partei sein, oder? Es gibt so viel mehr als nur schwarz und weiß. Das Leben besteht aus den Farben dazwischen.

Doctor Sloth

Das Autofahren mit Dreckschleudern verbietet die Vernunft, nicht die Grünen.

Puccinia punctiformis

Ein Flugverbot für Grüne bringt nichts, die sind hohl in der Birne, die heben auch von alleine ab…………

Rolf Kirchner

Von Tweets zur Doppelmoral beim Klimaschutz gibt es viele, viele mehr. Alle verlaufen im Kern ähnlich. Ein, aus dem Zusammenhang gerissenes, Detail wird mit einer absurden und polarisierenden Forderung verbunden. So können sich die Followerinnen und Follower über die Kommentarfunktion herrlich streiten. Da ist der Beitrag von Floris Biskamp noch einer der Angenehmen.

Ausrede natürlicher Klimawandel

Verändere ich die Schlagworte in „Umwelt“ und „Klima“, finde ich einen Artikel in der Huffington Post Deutschland aus München. Dort heißt es:

Mehrheit der Deutschen ist bereit, zur Klimarettung ihre Lebensgewohnheiten zu ändern

Huffington Post Deutschland

Der komplette Artikel vom 14.10.2018 in der Huffington Post.
Diesen Tweet vom 14. Oktober kommentierten drei Personen:

Ich werde gar nix ändern, denn der Klimawandel ist nicht vom Menschen verursacht. Und der Mensch macht den auch nicht rückgängig.

Volker Hellein

wers glaubt wird selig……..

Helmut Erhard

Der Mensch kann das Klima nicht ändern. Es ist wie es ist. Klimawandel gab es schon immer. Das ist alles nur um Geld zu machen. Geld regiert. Und der Deutsche ist so dumm und glaubt den ganzen Ökoscheiss.

Michaelck

Die Bonner Naturenthusiastin Katharina Rogenhofer retweetet diesen Artikel mit den Worten:

Das gilt sicherlich auch für Österreich. Die Umwelt ist ein Thema, das parteiliche Grenzen überbrücken kann, denn von einer gesunden Umwelt hängen Landwirtschaft, Luftqualität, Wasserqualität, psychisches Wohlbefinden, das Klima, die Wirtschaft & unsere Lebensqualität ab.

Katharina Rogenhofer

Dazu konnte ich auch einen Tweet von WDR Aktuelle Stunde finden:

Zwei Grad wären fatal: Der Weltklimarat (IPCC) hat seinen Sonderbericht veröffentlicht. Danach kann und muss die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Professor Manfred Fischedick vom
@Wupperinst für Klima, Umwelt und Energie drängt zum Handeln. #Klimawandel

WDR Aktuelle Stunde

Unter diesem Tweet vom 8. Oktober ist das entsprechende Interview eingebettet. Unter anderem antwortete darauf:

Drei Nachweise, warum es seit 150 Jahren definitiv KEINE gefährliche Erderwärmung gibt:
https://youtu.be/IRuCQAuz53o Auch Fischedick weiss DAS!! @DerHerner
@antoinette5560

Klimamanifest_2007

Die NOTwendigkeit zum Handeln wird immer erst dann verstanden, wenn allen das Wasser bis zum Hals steht.

DerHerner

Das lässt sich nicht mehr stoppen. Wissenschaftler in USA sprechen bereits von 4-5 Grad.

Ackermann

Verfolgen Sie diese Spur weiter, finden Sie ziemlich schnell ein YouTube-Video vom User „Klima Manifest Heiligenroth“. Dieses Video vom 14. August besteht aus zusammengeschnittenen Sequenzen, O-Tönen und Ausschnitten von Auftritten des Naturphilosophen Prof. Dr. Harald Lesch. Es soll aufzeigen, dass Herr Lesch mit seiner Behauptung des menschgemachten Klimawandels lügt. Hier eine Auswahl der Kommentare darunter:

Ich habe nicht einmal verstanden, wo Harald Lesch jetzt gelogen haben soll. Extrem schwaches Video.

Groldi Rainer

Lesch „verkauft“ den Leuten eine gefährliche Erderwärmung bei 14,5°C, obwohl er selbst an anderer Stelle behauptet, dass der Normalwert der Erde bei 15°C liegt. Wo, bitte schön, ist dann eine gefährliche Erderwärmung? Denn 14,5°C sind bekanntlich immer noch KLEINER als 15°C !!

Klima Manifest Heiligenroth

Ihr seid nicht [nur] ignorant, Ihr habt auch noch einen billigen Stil, wenn es darum geht, hoch angesehene Wissenschaftler und tolle Menschen zu verunglimpfen. Schämt Euch!

S. F. aus A

Ist schon klar, dass „unbequeme Wahrheiten“ über Harald Lesch wehtun. Ist uns auch klar, dass unsere nicht-widerlegbare Kritik an Harald Lesch eine Art von Gotteslästerung ist, insbesondere, wenn man unser 2. Video über die Schwindeleien von Lesch gesehen hat,
hier: https://youtu.be/MyPzHeBUu6Y Lesch verwendet nun sogar auch noch in seinen Vorträgen nachweislich gefälschte Grafiken.

Klima Manifest Heiligenroth

Das zweite Video kommt wie angekündigt zum gleichen Schluss, nur fallen die kritischen Kommentare nun deutlich geringer aus. Nur ein Beispiel noch von diesem Kommentarbereich für diejenigen von Ihnen, die gerne in die Physik abtauchen möchten

Hier macht sich sowieso nur einer lächerlich. Nämlich derjenige, der nichtmal das Stefan-Boltzmann-Gesetz verstanden hat. Kleiner Tipp: Harald Lesch hat das Stefan-Boltzmann-Gesetz verstanden☺

proGerechtigkeit

Es zeigt sich bei der Lektüre dieser Kommentare eines eindeutig: Wer sein Verhalten nicht ändern will, wer sich nicht für das Klima oder die Umwelt engagieren will, der findet im Netz ausreichend Quellen, Informationen und Unterstützung.

Trotzdem engagieren

Am Ende meiner Recherchen zeigt sich, dass ein Interview mit dem Internet doch gar nicht so leicht zu strukturieren ist, wie gedacht. Meine Idee war, keine Person, mit der ich mich abstimmen muss, keine Termine, keine Wartezeiten.
Dem sozialen Netz eine Frage zu stellen und daraufhin eine breite und facettenreiche Auswahl an Antworten zu erhalten, hat sich als eine Wunschvorstellung herausgestellt. Passend zum allgegenwärtigen Filter-Algorithmus musste ich auch deutlich mehr negative als positive Beiträge und Kommentare lesen. Die Frage nach dem „Warum FÜR Engagement im Klima- und Umweltschutz“ kann ich nun auch nicht so richtig beantworten. Da frage ich beim nächsten Mal doch wieder lieber echte Menschen.
Die Frage nach dem „Warum brauche ich mich nicht einsetzen“, beantwortete sich über die Zeit der Recherche eindringlich: andere Ziele, andere Informationen.
Es gab allerdings auch schöne positive Beiträge – diese sind nur nicht so leicht zu finden – und damit versuche ich mit einem guten Gefühl auszusteigen. Ein Facebook-Post von Johanna Schäfer vom 19. Juni soll Sie am Ende des Interviews wieder inspirieren. Denn neben den Verschwörungstheorien, Ausreden und Doppelmoralen gibt es auch Menschen im Netz, die mitreißen und verändern wollen

What‘s doesn‘t kill you makes you stronger.
Gilt zwar oft im Leben, aber lässt sich nicht auf unser #Konsumverhalten und unsere Art und Weise wie wir den Planeten nutzen (ausbeuten) übertragen. Welche Rolle spielst du beim #Klimawandel? Was ist dein Beitrag für die #Gemeinschaft? Wie viel trägst du zur Umweltverschmutzung und somit zu einem ungesunden Lebensumfeld für Mensch und Natur bei? Der Schlüssel zu all diesen Fragen liegt einerseits in dir und andererseits im #werkzeugkoffer #SDGs.

SDG12 = Responsible #consumption Verbessere etwas an deinem Konsumverhalten Schritt für Schritt. Tolle Inspiration kannst du dir zum Beispiel im @naturalou_shop holen.Was machst du für #Klima, #Menschheit oder #Planet? Schreib es gern in die Kommentare 🙂 #comeon
Ich bin so happy jeden Tag mit Menschen verbringen zu dürfen, die etwas besser machen wollen für unsere gemeinsame Zukunft, danke @jesuispaulipourtoi, @ronngb, @sdgaction, @pascaleenpeiris, …und all ihr anderen #BonnLAB #KAINGA #BonnFiji & Co Mitmacher! ♥♥♥♥

Johanna Schäfer

Tobias Landwehr