Heimische Pilze, Kräuter und Vögel entdecken

28. März 2025 | Ausgabe 2/2025 Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Interview, Melanie Alessandra Moog | 0 Kommentare

Bewusstes Naturerlebnis mit Wildschytz

Umwelt verstehen, genießen und schützen lautet die Devise von Fabian Regnery und Tobias Wasle. Die beiden Gründer des
Naturerlebnis-Unternehmens Wildschytz entwickelten aus ihrer eigenen Liebe zur Natur seit dem Jahr 2020 verschiedene Formate, um mehr Menschen für die heimische Wildnis zu begeistern. Mit didaktischen Angeboten rund um Wald und Wiese, Pilze, Kräuter und Vögel möchten sie Mensch(en) und Natur miteinander verbinden.


Melanie Alessandra Moog


Gemeinsam habt Ihr das Unternehmen Wildschytz gegründet. Wie würdet Ihr es mit wenigen Worten beschreiben?

Freunde, Gründer-Duo und Co-Autoren: Fabian Regnery (links) und Tobias Wasle (rechts)
Foto: Fabian Regnery

Seit über vier Jahren bringen wir Menschen wieder zurück in die Natur direkt vor der Haustür und zeigen, was der heimische Wald alles zu bieten hat. Angefangen hat das Ganze mit Tobias und mir und unseren allerersten Touren, bei denen wir unterschiedlichste Gäste mit in den Wald genommen haben. Mittlerweile haben wir ein großartiges Team aus Wildschytzen mit verschiedenen Schwerpunkten und Spezialitäten, die jede Tour zu etwas ganz Besonderem machen. Wir bieten diverse Wanderungen und Lehrgänge an, wie z.B Gruppenführungen zu den Winterpilzen. Ja, auch im Winter gibt es nämlich essbare Pilze! Ab März kommen dann wieder die Kräuterwanderungen. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei, egal ob man nach einem Familienausflug in der Natur sucht, nach einem Firmenevent, einfach mal für sich selbst etwas Abwechslung möchte und aus der grauen Stadt ausbrechen will, oder den Wunsch hat, seine Fachkenntnisse zu Pilzen und Kräutern zu vertiefen.

Wo und in welcher Form ermöglicht Wildschytz Erlebnisse und Ausbildungen?

Wir bieten momentan an 40 Standorten in ganz Deutschland verschiedene Touren an. Ganz klassische Pilz- und Kräuterwanderungen, aber auch Vogelwanderungen. Im Bonner Raum sind wir zum Beispiel in der Waldau aktiv sowie in stadtnahen Naturgebieten bei Köln. Zusätzlich zu unseren Touren haben wir den Pilz- und Kräuterführer als Ausbildungen entwickelt, bei denen man sich über ein Jahr hinweg intensiv mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzt.

Fabian Regnery entdeckt Pilze auf Totholz
Foto: Fabian Regnery

Inwiefern liegt Dir und Deinem Geschäftspartner Tobias Wasle das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung am Herzen?

Das Konzept der BNE liegt uns am Herzen, weil wir das Verständnis für Biodiversität und die Sensibilisierung für nachhaltigen Naturaufenthalt fördern möchten. Dabei liegt unser Fokus hier hauptsächlich auf unseren geführten Wanderungen durch Wald und Wiese. In Zukunft möchten wir auch die partizipativen Methoden mehr fördern. Hierfür bietet sich unser Earthbound-Festival an, das wir jedes Jahr im Juni veranstalten.

Zum zweiten Mal organisiert Wildschytz im Juni das Earthbound Festival. Geht es dort teils auch ums Lernen und Erleben?

Das ist tatsächlich ein Hauptbestandteil des Festivals, denn es ist kein klassisches Musikfestival, sondern vortrags- und workshopbasiert. Unsere Guides, aber auch Festivalbesucher haben für das Festival tolle Aktionen und Vorträge vorbereitet. Wir hatten im letzten Jahr verschiedene Räucherworkshops, haben Tierfährten gesucht, an Kakaozeremonien teilgenommen und natürlich viel Spaß gehabt und neue Kontakte knüpfen können. Ich freue mich schon auf das kommende Earthbound Festival, denn es bildet für uns definitiv einen Höhepunkt des Jahres.

Im April 2024 erschien Euer Buch Abenteuer Wald (GU-Verlag), in dem wir Euch in die Natur begleiten. Inwiefern behandelt Ihr darin das Thema Nachhaltigkeit?

Wer das Buch bis zur letzten Seite durchliest, wird sehen, dass selbst das Buchpapier aus einer nachhaltigen Quelle stammt. Das Buch zeigt an vielen Stellen, wie ein bewusster Kontakt mit der Natur gelingen kann. Zum Beispiel wird deutlich, dass man beim Pilzesammeln nur mitnehmen sollte, was man kennt und auch direkt verbraucht. Nur weil ich eine Stelle mit vielen Steinpilzen gefunden habe, darf ich noch lange nicht alle mitnehmen. Die Tiere im Wald können schließlich nicht in den Supermarkt gehen, wenn das Nahrungsangebot knapp wird. Und genau das sollte einem immer klar sein. Zu junge und zu alte Pilze stehen lassen, keine Spuren hinterlassen: Wir sind nicht alleine im Wald, auch wenn wir die anderen Lebewesen nicht immer sehen können. Letztlich sind wir nur Gäste der Natur.

Im Buch geht es nicht nur ums sichere Erkennen verwertbarer Pilze, Kräuter und Beeren, sondern auch um Survival-Methoden. Was kann man in dieser Hinsicht von Euch lernen?

Wir stellen im Buch tatsächlich verschiedene Überlebensstrategien für die Wildnis vor. Darin zeigen wir zum Beispiel, wie wichtig die Wahl des Schlafplatzes und die Unterscheidung verschiedener Wasserquellen sind. Wenn es um lebenswichtiges, reines Trinkwasser geht, gibt es nämlich
Tücken zu beachten. Besonders spannend ist, dass man die Möglichkeit hat, solche Survival-Skills hautnah von uns zu lernen, denn wir werden auch im Jahr 2025 wieder Survival-Touren anbieten, bei denen man alles sehr anschaulich erlebt und erlernt. Das Leben und Überleben im Wald über mehrere Tage eröffnet letzten Endes auch eine neue Perspektive auf das Leben im Allgemeinen. Wir gehen ohne Handy alleine in die Wildnis. Habt Mut und kommt mal mit, es lohnt sich!

Welcher Weg führte Euch in die Natur?

Bei mir war es der klassische Weg in der Kindheit über meine Familie, die mich schon von Klein auf mit in den Wald genommen hat, um Pilze und Kräuter zu sammeln. Später in der Jugend herrschte bei mir mehr die Faszination für die Tiere des Waldes vor, bevor es mich wieder zu den Pilzen gezogen hat. Heute sind Pilze mein persönlicher Favorit, wenn es um Themen rund um den Wald geht.

Von Frühling bis Spätherbst finden zahlreiche
Wildkräuterwanderungen statt.
Foto: Fabian Regnery

Was ist Eure persönliche und unternehmerische Vision für eine Zukunft, sodass nachhaltige Naturverbindung, Umweltbewusstsein und Gemeinschaftssinn wachsen können?

Wir möchten Menschen in Gemeinschaft mit der Natur verbinden. Auf unseren Wanderungen kann man die Natur erleben und gleichzeitig ein Bewusstsein dafür schaffen, dass das nur gelingen kann, wenn man den Wald schützt und unterstützt. Mit dem Earthbound Festival möchten wir viele Menschen vernetzen, die sich sonst vermutlich nicht getroffen hätten, aber ähnliche Interessen verfolgen und sich dort austauschen können. Genau dieses Gefühl vom Naturerleben und dem Bedürfnis, das zu schützen, was man kennt und liebt, möchten wir Menschen über jegliche Grenzen hinweg näherbringen. Letztlich sind wir alle auf einem Planeten und Umweltschutz, Wissen und Bewusstsein sind globale Herausforderungen.

Vielen Dank für das Interview.

 

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