Rohstoffe – die Grundlage unseres Lebens

24. Juli 2023 | Ausgabe 4 / 2023, Das Denken befragen, Dr. Manfred Fuhrich | 0 Kommentare

Mit Rohstoffen sollte man behutsam umgehen. Da herrscht Einigkeit – auch bei den „umweltbewußten Umweltsündern“. Ein schonender Umgang mit Rohstoffen ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Umweltpolitik. Dies gilt ebenso für ein individuell verantwortungsvolles Handeln. Doch eine Ausnahme sollten wir machen. Es gibt einen Rohstoff mit dem wir verschwenderisch umgehen sollten. Unsere Phantasie! Sie ist gepaart mit Zuversicht und Tatendrang eine unerschöpfliche Quelle für einen erfolgreichen Umgang mit dem Klimawandel. Dennoch: Was haben wir persönlich mit Rohstoffen zu tun? Die kommen doch in unserem Alltag gar nicht vor.

Was sind überhaupt Rohstoffe?

Fragt man Wikipedia, dann lernen wir, dass wir unterscheiden müssen in Primär- und Sekundärrohstoffe und man erhält folgende Antwort: „Primärrohstoffe sind natürliche Ressourcen, die bis auf die Lösung aus ihrer natürlichen Quelle noch keine Bearbeitung erfahren haben. Sie werden aufgrund ihres Gebrauchswertes aus der Natur gewonnen und entweder direkt konsumiert oder als Arbeitsmittel und Ausgangsmaterialien für weitere Verarbeitungsstufen in der Produktion, im Bauwesen oder als Energieträger verwendet. Als Sekundärrohstoffe werden … die durch Wiederverwertung (Recycling) gewonnenen Rohstoffe bezeichnet.“
Durch Recycling können wir also die Nutzung von Rohstoffen verbessern, ohne immer wieder natürliche Rohstoffe auszubeuten. Doch es bleibt die Frage, was denn nun natürliche Rohstoffe sind. Die weiteren Ausführungen von Wikipedia sind sehr umfassend, fast erdrückend. Geht es nicht einfacher? Deshalb wagen wir den Versuch, nun zum ersten Mal ChatGBT zu fragen und bekommen sehr schnell einen klug erscheinenden Text:
„Rohstoffe sind natürliche Ressourcen, die in der Natur vorkommen und von Menschen genutzt werden, um Produkte herzustellen oder Dienstleistungen zu erbringen. Sie sind die Grundlage für die Produktion von Waren und dienen als Ausgangsmaterial für die Industrie, Landwirtschaft und viele andere Wirtschaftszweige. Es gibt verschiedene Arten von Rohstoffen, darunter natürliche Rohstoffe wie Bodenschätze, Pflanzen und Tiere sowie synthetische Rohstoffe wie Kunststoffe, Chemikalien und elektronische Komponenten. Zu den natürlichen Rohstoffen gehören beispielsweise Metalle wie Gold, Silber und Kupfer, Mineralien wie Kohle und Erdöl, Holz, Wasser und Nahrungsmittel.“
Soweit die recht nüchterne Beschreibung was Rohstoffe sind. Was Aufhorchen lässt: auch Tiere gelten demnach als Rohstoffe. Das klingt schräg. Aber ChatGBT gibt auch Hinweise für die politische Dimension von Rohstoffen: „Rohstoffe spielen eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft und können zu politischen und wirtschaftlichen Konflikten führen, wenn sie knapp werden oder von bestimmten Ländern kontrolliert werden. Der Handel mit Rohstoffen hat daher eine große Bedeutung für die internationale Wirtschaft.“ Rohstoffe sind also politisch, lehrt uns ChatGPT.

Unser Wohlstand baut auf Raubbau an Rohstoffen auf!

So zeigt sich, dass die eingangs gepriesene Phantasie nicht immer zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den natürliche Ressourcen geführt hat. Im Gegenteil: der Erfindergeist – nennen wir es technologischer Fortschritt – in Tateinheit mit ungebremstem Gewinnstreben, gefährdet unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Vielerorts hat ein rohstoffverzehrender Zuwachs an Konsumgütern zur Verbesserung der Lebensverhältnisse beigetragen. Die Ausbeutung von „Bodenschätzen“ hat aber andernorts zu Verwüstungen und Umweltschäden geführt. Doch dies nehmen wir nicht in unserem Alltag wahr. Wir ahnen nicht die verschlungenen Prozesse und immensen Schäden, die mit der Verwertung der Rohstoffe, also mit der Herstellung unserer Gebrauchsgegenstände und Lebensmittel einhergehen. Sie liegen außerhalb unserer Lebenserfahrungen. Wir bauen unseren Wohlstand auf „Fertigprodukten“, ohne den Charakter der Rohstoffe in ihnen zu reflektieren.
Auch in früheren Epochen wurden Rohstoffe intensiv genutzt. Sie wurden sogar nach ihnen benannt: Steinzeit, Bronzezeit oder Eisenzeit. Der technologische Entwicklungsstand einer Zivilisation bestimmt den Hunger nach Rohstoffen. Früher waren es Holz, Kohle, Rohöl – heute eher Silizium und Seltene Erden.

Schon frühe Warnungen vor Raubbau von Rohstoffen

Doch es gab immer wieder Warnungen, die natürlichen Ressourcen nicht zu intensiv auszubeuten. Der Club of Rome hatte bereits vor über 50 Jahren vor den Grenzen des Wachstums gewarnt. Das Werk fand fachlich Beachtung, aber Konsequenzen aus dieser bedrohlichen Bestandsaufnahme flossen nur unzureichend in nationale und internationale Umweltpolitiken ein. Der UN-Generalsekretär stellt fest: „die Hütte brennt!“ Geht es noch eindringlicher? Warnungen gab und gibt es genug. Wo bleiben die Taten?
Auch Bertolt Brecht hat uns gewarnt: „Mehr her sagen die Gäste, bis der Wirt die Rechnung zeigt!“ Jetzt ist dringender als bisher „Phantasie“ gefragt, und zwar nicht, wie wir noch besser die Natur mit ihren Rohstoffen ausnutzen können – von wegen „Technologieoffenheit“ – sondern wie wir den von uns verursachten Schaden minimieren können. Abwenden können wir ihn schon nicht mehr. Seien wir keine „rohen Menschen“, sondern gebildete Bürger*innen. Gehen wir mit der „Ressource Phantasie“ verschwenderisch um! Gleich morgen, denn es drängt.

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