Gesellschaft,  Kommentar

[Klima] Wandel

Leitartikel BUZ 6-2018

„Das einzig Beständige ist die Veränderung“

Lange Nächte, kalte Winde, verfärbte Blätter: Herbst – die Jahreszeit, in der der Wandel am deutlichsten zu sehen und zu spüren ist. Auch der Hambacher Forst darf nach einer starken Protestwelle einen weiteren herbstlichen Wandel vollziehen. Dieser Tage wird der Begriff des Wandels jedoch weniger für die jahreszeitlichen Veränderungen verwendet als viel mehr für globale klimatische Prozesse.

Kathrin Schlüßler und Ralf Wolff

‚Wandel‘ hat viele Synonyme, doch keine eindeutige Definition. Bob Dylan hat mal was Schlaues über Change gesagt, aber da wir glauben, dass er das irgendwo abgeguckt hat und es nix Unoriginelleres als ein Dylan-Zitat gibt, versuchen wir es mal mit Heraklit. Der sagte:

„Alles fließt.“

Aha. Sonst noch was? Ja, irgendwas mit:

„Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen.“

Was soviel heißt wie: einerseits ist der Fluss beim zweiten Mal nicht mehr derselbe und andererseits hat sich auch der Mensch verändert. Da ist etwas dran, aber hilft das weiter? Diese Betrachtung des Wandels meint eher die Selbststeuerung eines System und den Menschen als Teil des Systems und weniger ein vom Menschen in Gang gesetztes Geschehen.

Nun stehen wir beim Klimawandel jedoch vor dem Problem, dass gerade der anthropogene Einfluss die Selbststeuerung des Systems Umwelt stört.

„Die Welt ist im Wandel. Ich spüre es im Wasser. Ich spüre es in der Erde. Ich rieche es in der Luft.“

Ob Tolkien eine Ahnung davon hatte, wie treffend Galadriels Worte den Zustand des Planeten mehr als 60 Jahre später wiedergeben? Vermutlich. In den 1950ern boomte die Wirtschaft und die Industrialisierung war nach dem Zweiten Weltkrieg in die nächste Runde gegangen – weitere Meilensteine in der Karriere der anthropogenen klimatischen Umbrüche.

Sie merken, wir vermeiden den Begriff Klimawandel, denn unsere Umwelt ist längst kein selbstregulierendes und selbstheilendes System mehr. Wandel ist also nicht das richtige Wort. Richtiger wäre Veränderung. Wir Menschen verändern bewusst unsere Umwelt, denn wir wissen um die Folgen unseres Handelns. Um den Einfluss des Menschen zu reduzieren, bedarf es weiterer Umbrüche: Wandel wird oft sehr allgemein für Veränderung, für sozialen Wandel und Lebenswandel geführt. Was so banal klingt, scheint doch einen tieferen Sinn zu haben. Aber nur in Verbindung, also wenn alles zusammenhängt: Eine wirkliche Veränderung kann sich nur ereignen, wenn jede*r Einzelne seine Lebensführung und sich somit die Gesellschaft verändert. Hier ist Veränderung also die bewusste Entscheidung dafür, das System zu steuern, aber nicht auf die bisher betriebene zerstörerische Weise. Es braucht Entwicklung, also die Kombination der Kräfte des Wandels und der der aktiven Veränderung. Der Mensch ist Teil des Systems; er kennt die Wechselwirkungen und steuert gezielt.

Wir haben zusammengetragen, wie Menschen aktiv werden können. Mit welchen konkreten Maßnahmen zum Beispiel die Ziele des Pariser Klimaabkommens umgesetzt werden sollen, wurde in zwei Zwischenkonferenzen in Bonn und Bangkok erörtert. Auf der Klimakonferenz in Katowice im Dezember diesen Jahres werden die Ergebnisse ratifiziert. Wie es hinter den Kulissen einer solchen Zwischenkonferenz aussieht, hat unsere Autorin im Gespräch mit einem Mitarbeiter der 48. SB herausgefunden.

Sich mit verschiedenen Hashtags ein Bild des vielfältigen Klima- und Umweltengagement in der Region Bonn-Köln zu – das versuchte unser Redakteur mit dem Social Media Algorithmus. Dabei stellt er fest, dass Umweltengagierte im Netz kaum die Zweifler überzeugen können. User folgen oft nur den Vorschlägen aus dem Netz und sind so schnell in ihrer Filterblase gefangen ohne es zu merken. Wer sich bisher also wenig für Umwelt- und Klimaschutz interessierte, dem werden entsprechende Inhalte auch nicht angezeigt. Kann also das Internet zum Verhaltenswandel in der Nutzung der natürlichen Ressourcen anregen? Allein eher nicht. Es braucht ein Bewusstsein und aktives Handeln, dann kann das Internet ein wertvolles Werkzeug sein.

Die Diskussion um den Erhalt des Hambacher Forsts dreht sich mittlerweile nicht mehr (nur) um den Stopp des Kohleabbaus, sondern wirkt darüber hinaus in die Gesellschaft hinein. Am sechsten Oktober kamen auf Initiative der Umweltverbände 50.000 Demonstrierende nach Kerpen-Buir, um für ihre Forderung nach einem Stopp des Kohleabbaus persönlich Flagge zu zeigen. Mit welcher unangemessen Härte die Polizei im Auftrag der Landesregierung die Konzerninteressen von RWE an der Kohlekommission vorbei durchsetzt, lässt bei Vielen die Frage aufkommen, wo die Gesellschaft öffentlichen Raum hat, in dem sozialpolitische Themen offen und kontrovers ausgehandelt werden. Die Menschen wollen nicht alle Rechte am Öffentlichen Raum an eine übermächtige Privatwirtschaft verlieren.

Eine besondere Art des Verhandelns haben die Fijianer in die Klimadiplomatie eingeführt – den Talanoa-Dialog. Nach altem Südseebrauch können Konfliktparteien zu einem Konsens finden, wenn sie sich respektvoll Geschichten erzählen, um der gegnerischen Seite Verständnis für die eigene Sichtweise oder Betroffenheit zu vermitteln. In der Klimadiplomatie kommt dieser Dialog seit der COP23 unter der Präsidentschaft von Fiji zum Einsatz. Unsere Redakteurin hegt die Hoffnung, dass die nationalen Klimaschutzbeiträge auf der 24. Klimakonferenz in Katovice konkretisiert werden.

Immer mehr Menschen wohnen auf unserer Erde und allen steht ein Dach über dem Kopf zu. Hierbei nur den allernötigsten CO2-Abdruck zu verursachen, versuchen schon einige Vertretende der tiny-house-Bewegung. Wie viele Quadratmeter brauchen Sie zum Glücklichsein? Finden Sie es heraus mit unserem Beitrag über die Minihäuser.

Auf den Klimawandel können Verbrauchende direkt, aktiv und persönlich reagieren – mit einer angepassten Ernährung. Wer mit Bedacht weniger Fleisch zu sich nimmt, trägt zu einem verringerten CO2-Ausstoß bei. Auf Seite fünf verdeutlicht der Artikel „Fleisch ist mein Gemüse“ anhand einer Tabelle, welche extremen Treibhausgas-Emissionen die weltweite Tierhaltung mit sich bringt.

Zu guter Letzt stellen wir vor, wie in die SOS-Kinderdörfer Umwelttechnologien Einzug gehalten haben und den Waisenkindern ein gutes Lebensumfeld ermöglichen.