Energie,  Nachhaltigkeit,  Ökologie

Dachbegrünungen vereinen viele Vorteile in sich

Über den Kopf gewachsen

Unbekannte*r Gastautor*in

Grünpflanzen auf dem Dach? Da denkt manch einer an seine verstopfte Regenrinne oder das Vordach, das bereits Moos angesetzt hat. Dabei hat die aktive Begrünung von Dachflächen längst viele Freunde gefunden. Vom Fachbetrieb durchgeführt ist langfristige Freude an der zusätzlichen Grünfläche gewährleistet.

Für eine Dachbegrünung gibt es zahlreiche Gründe. Zum Einen bietet die Pflanzenschicht eine zusätzliche Dämmung und gleicht Extremtemperaturen aus. Zum Anderen wird die Dachhaut langfristig geschützt. Auch optisch macht die Begrünung etwas her. Und seit einiger Zeit gibt es hierfür sogar Fördergelder. Doch zunächst stehen interessierte Hausbesitzer*innen oder Bauherr*innenen vor der Frage, ob sich der zusätzliche Aufwand lohnt und wie sich das Vorhaben sicher umsetzen lässt. Vor der Planung ist eine gründliche Überprüfung, insbesondere der Dachbelastbarkeit, der An- und Abschlüsse, der Abdichtung sowie des Brandschutzes angeraten. Inzwischen existieren hier klare Standardisierungen für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen (Richtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau, FLL), die dem Planer, dem Bauherrn und den ausführenden
Firmen klar sagen, mit welcher Technik und mit welchen Materialien eine Dachbegrünung perfekt ausgeführt werden kann. Spezialisiert auf diese Vorhaben sind insbesondere Gartenarchitekten, Fachbetriebe für Begrünung und auch manche Garten- und Landschaftsbaubetriebe.
Vorrangig geeignet für eine Dachbegrünung sind Flachdächer oder Dächer mit einer Neigung von unter 30°. Auf die Dachhaut wird zunächst ein Durchwurzelungsschutz, der bei Neubauten auch direkt bei der Abdichtung erfolgen kann, und gegebenenfalls eine Drainageschicht mit einem Filtervlies aufgebracht. Üblich ist bei kleineren Flächen der 1-Schicht-Aufbau aus rein mineralischen Vegetationsschichten. Die pflanzenernährende Vegetationsschicht sollte aus natürlichen Rohstoffen wie Lava oder Bims bestehen, um den Pflanzen auf dem Extremstandort Dach die besten Voraussetzungen für eine artgerechte Vegetationsentwicklung zu geben. Die Begrünung kann als extensive oder intensive Variante erfolgen. Erstere erfordert weniger Pflege und Kosten und belastet das Dach mit weniger Gewicht. Auf einer Substratschicht von sieben bis 15 Zentimetern Stärke kommen robuste, wasserspeichernde Pflanzen zum Einsatz, die auch längere Trockenperioden überstehen, wie zum Beispiel Fingerkraut, Königskerze, aber auch Kräuter wie Schnittlauch oder Thymian. Die ein- bis zweimal jährlich erforderliche Pflege besteht darin, den Wasserabfluss zu kontrollieren und angewehte Sämlinge und Wildkräuter zu entfernen. Intensivbegrünungen dagegen weisen eine Schichtstärke von 25 bis 50 Zentimeter auf. Dort wachsen Stauden und sogar Gehölze. Die statischen Anforderungen sind weitaus höher und die erforderliche Pflege entspricht in etwa der eines Gartens gleicher Größe.

Inzwischen haben viele Anbieter von Dachbegrünungen bereits Komplettangebote im Programm.
Die Kosten betragen bei der extensiven Variante in etwa 50 bis 100 Euro pro Quadratmeter.
Wofür der Eigentümer sich auch entscheidet, er genießt viele positive Begleiterscheinungen, wie: die geringeren Abwassergebühren, den zusätzlichen Schutz der Dachhaut vor der UV-Strahlung, die verbesserte Wärmedämmung sowie den Staub- und Schallschutz.

Bild: Dachbegrünungen bieten viele Vorteile

Foto: Magmaplant

Erste Untersuchungen bestätigen sogar, dass als Folge einer Dachbegrünung Schadstoffe gebunden undteilweise entschärft werden.Die Kommunen honorieren diesbezüglich, dass Gründächer als Wasserspe Abflussspitzen werden verringert und Kanalquerschnitte sowie Regenwasserrückhalteeinrichtungen können kleiner dimensioniert werden. Dadurch sinkt letztendlich auch die Hochwassergefahr.
Die Stadt Bonn bietet zurzeit zwei Formen der Förderung für Dachbegrünungen an.
Erstens kommt eine gespaltene Abwassergebühr zum Tragen, die Niederschlags- und Schmutzwasser getrennt berechnet. Wer sein Dach begrünt, also Fläche entsiegelt und Regenwasser zurückhält, bekommt auf Antrag in Bonn 50 Prozent der Abwasserkosten erlassen. Zweitens fördert das Land NRW im Rahmen der „Initiative ökologische und nachhaltige Wasserwirtschaft” mittels direkter Zuschüsse für Dachbegrünungen in Höhe von 15 Euro.

Beitragsbild: Nicht ganz so ernst genommene Dachbegrünung Foto: A.Dreher via Pixelio

Hierzu eine interessante Veranstaltung zu diesem Thema!

https://www.verbraucherzentrale.nrw/umwelt-haushalt/dachbegruenung-leicht-gemacht-alle-wichtigen-schritte-onlineseminar-69386