Sag mir, wo die Bäume sind …

8. Januar 2024 | Ausgabe 1 / 2024, BUZ Aktuell, Dr. Manfred Fuhrich, Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Politik | 0 Kommentare

Baumkataster – Inventur der Natur

In Straßenzügen, in Parks oder auf Friedhöfen, überall begegnen wir der grünen Lunge der Stadt. Mehr als 125.000 Bäume bieten besonders im Sommer viel Vegetation. Das Stadtbild wird vor allem durch die rund 30.000 Straßenbäume geprägt.


Dr. Manfred Fuhrich


Bäume sind liebgewordene Freunde des Menschen. Der Wald ist Sehnsuchtsort für viele. Aber die alltägliche Lebensqualität beweist sich in den Wohnquartieren und in der Innenstadt. Deshalb verdienen unsere Stadtbäume höchste Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Durch das Bonner Stadtbaumkonzept soll die Zahl der inner-
städtischen Bäume erhöht werden. Luftbildaufnahmen und Vorort-Untersuchungen haben ergeben: „In rund 540 Straßen im Stadtgebiet gibt es keine Bäume.“ (Online-Ausgabe des Generalanzeigers vom 19.04.2023). Es gibt also noch viel zu tun. Doch wo stehen die erfassten Bäume und wie heißen sie? Das Baumkataster gibt Auskunft.

Bonner Baumkataster im Internet

Das Bonner Baumkataster verfolgt das Ziel, alle Stadtbäume zu erfassen. In diesem Verzeichnis sind einige Informationen über die registrierten einzelnen Bäume festgehalten. Vom Stammumfang, einer Beurteilung des Gesundheitszustandes bis zu einer Kostenschätzung der durchgeführten Baumpflegemaßnahmen ist wohl alles dokumentiert. Bedauerlicherweise sind die meisten Informationen aus dem Baumkataster nicht im Internet zugänglich. Lediglich das Alter, der lateinische und der deutsche Name sowie der Baumstandort sind neben der Baum-ID für jeden öffentlich im Netz einsehbar. Die Internetdarstellung im Stadtplan (siehe Pfad im Kasten am Ende des Artikels) ist stadtweit mit genauen Standorten der einzelnen Bäume möglich. Jeder Baum ist schematisch mit einem grünen Punkt dargestellt. Durch Klicken auf das jeweilige Baumsymbol werden die Informationen in einem kurzen Begleittext dargestellt. Nachfolgend ein Beispiel für 55-jährige Linden (Tilia) vor der Friesdorfer Str. 6 am Fuße der Godesburg.

Das Baumkataster ist eine Bestandsaufnahme

Zuständig für die Erfassung der Bäume im öffentlichen Raum ist das Amt für Stadtgrün. Die Dokumentation dient als Grundlage für laufende Pflegearbeiten. Eine Baumkontrolle findet alle 15 Monate statt. Durch diesen Rhythmus erfolgt eine fachliche Kontrolle zu verschiedenen Jahreszeiten. Vor allem die Vitalitätseinschätzung spielt eine große Rolle, besonders hinsichtlich Beurteilung der Verkehrssicherheit. Bestenfalls in der Nähe des Standortes wird ein neuer Baum der gleichen Gattung gepflanzt. Nur aus der Angabe des Alters kann erahnt werden, dass ein alter Baum durch einen neuen ersetzt wurde.

Defizite des Baumkatasters

Das Baumkataster im Internet gibt keine Auskünfte darüber, wo ein Baum gefällt wurde und aus welchem Grund. Der Baum fehlt einfach in der Fortschreibung des Katasters. Auf der Internetseite sucht man allerdings auch Auskünfte über Zustand der Bäume und über bisherige oder geplante Pflegemaßnahmen vergebens. Hier wäre mehr Transparenz gefordert. Ein weiterer Mangel ist es, dass die Bäume auf den öffentlich zugänglichen Liegenschaften von Bund und Land nicht erfasst sind. Auch nicht die Bäume auf privaten Grundstücken. Es handelt sich eben um ein rein kommunales Baumkataster. Die Lebenswirklichkeit ist eine andere und die klimatische Wirkung aller Bäume muss Leitlinie für Klimaanpassungsmaßnahmen sein. Trotz dieser Mängel ist das Baumkataster eine interessante Informationsquelle für alle, die eine erste Auskunft über die Stadtbäume in Bonn erhalten wollen. Der Charakter des Baumkatasters ist eher auf die interne Benutzung durch die Verwaltung und zuständigen Gremien angelegt. Die Beschäftigung mit dem Baumkataster wirft viele Fragen auf. Diesen soll in einer späteren Ausgabe der BUZ nachgegangen werden. Von zentraler Bedeutung ist es, inwieweit diese gesammelten Daten im Baumkataster Handlungsgrundlage für die Mitwirkung der Baumkommission und des Naturschutzbeirates sind. Es stellt sich die Frage, welche Aufgabe die beiden Gremien haben und wie kompetent sie besetzt sind. Schließlich dienen diese Stellungnahmen für die Beschlussfassung in der Bezirksvertretung und im Stadtrat. Nicht Daten, sondern Taten verbessern die Lebensqualität in unserer Stadt. Aber kluge Entscheidungen bedürfen zuverlässiger Informationen.

Dieser Artikel baut auf einem Beitrag von Hanna Wetzel in der BUZ- 5_2020 auf. Er wurde ergänzt, gekürzt und überarbeitet von Manfred Fuhrich.
Hanna Wetzel hatte in einem freiwilligen Praktikum im Ökozentrum einen weiter gefassten Artikel zum Thema „Baumschutz im kommunalen Alltag“ verfasst: Baumschutz im kommunalen Alltag: Baumkataster, Baumschutzsatzung, Baumschutz in der Bauleitplanung, Baumpatenschaften – Bonner Umwelt Zeitung

Zu finden ist das Baumkataster auf folgender Webseite der Bundesstadt Bonn: Online Stadtplan der Bundesstadt Bonn und dann im Menü Umweltschutz „Stadtgrün Informationen“ und weiter mit „Stadtbäume“ anklicken. Die Adresse vorher einzutragen, ist hilfreich. Einen direkten Zugang für Internetnutzer*innen gibt es nicht.

Mehr von Dr. Manfred Fuhrich

In eigener Sache

Bufdi gesucht!

Bad Godesberg. Ab April 2024 bietet
das Ökozentrum Bonn e. V. eine Stelle im
Bundesfreiwilligendienst an.
Sie erwarten spannende koordinatorische
Aufgaben rund um Ökozentrum und Bonner
Umwelt Zeitung, Planung und Layout
der Zeitung, redaktionelle Arbeit bis hin
zur Betreuung unseres Webauftritts.
Wir suchen offene und selbstständige
Menschen, die Spaß an Kommunikation
und organisatorischen Aufgaben haben.
Wir freuen uns, Sie kennen zu lernen!
[0228-69 22 20, info@oez-bonn.de]

Sie sehen eine Anzeige unseres Unterstützers Murphy&Spitz

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Beitrag teilen

Verbreite diesen Beitrag!