Nachhaltigkeit,  Ökologie

Plastik in den Weltmeeren

Gefahr für Tier und Mensch

Kaum vorstellbar, aber leider wahr: In unseren Meeren sollen circa 100 Millionen Tonnen Plastikmüll schwimmen, auch wenn man ihn nicht immer auf den ersten Blick sieht. Durch Wind und Wasser wird dieser Müll zu kleinen Teilchen zerkleinert. Tiere verwechseln die Plastikteilchen mit Nahrung und verhungern. Letzten Endes können sie auch in unserer Nahrung landen.

Claria Weber

Der häufige Einsatz von Plastik beruht auf Eigenschaften, die in unserem Alltag oder auch in anderen Bereichen besonders gefragt sind. Ein geringes Gewicht kombiniert mit guter Stabilität zeichnet sie aus. Eine schlechte Leitfähigkeit für Strom ist wichtig um Kabel zu isolieren. Damit man einen heißen Topf anfassen kann, ist ein Plastikgriff sinnvoll. Hier wird die schlechte Wärmeleitfähigkeit genutzt. Kunststofffasern können Baumwolle oder Wolle pflegeleichter machen. Mit anderen Worten: Einen Alltag ohne Kunststoffe kann man sich kaum vorstellen.

Plastik ist ein umgangssprachlicher Begriff für Kunststoffe. Diese bestehen aus langen Molekülen, sogenannten Makromolekülen, die in der Regel künstlich hergestellt werden. Auf Grund ihrer Länge können sie nicht in Zellen eindringen, sind daher biologisch inaktiv. Allerdings können Additive Probleme bereiten. Das sind Stoffe, die dem Kunststoff zugesetzt werden, um ihn besser behandelbar zu machen.

Kunststoffe findet man aber auch in Produkten, in denen man sie nicht vermutet: z. B. in Peelings, einigen Zahnpasten oder auch in Duschgels. Es handelt sich hier um sogenanntes Mikroplastik, das aus kleinsten Kunststoffpartikeln besteht, die kleiner als 5 mm sind. Sie dienen der besseren Reinigung von Haut und Zähnen.

Probleme durch Plastikmüll

War man früher ausschließlich begeistert über die Vielfältigkeit der Kunststoffe, so sieht man diese mittlerweile kritischer. Die gute Beständigkeit, die im Alltag von Nutzen ist, stellte sich als großes Problem heraus: Die meisten Mikroorganismen mögen die langen Makromoleküle nicht, d. h. in der Natur sind sie schlecht biologisch abbaubar.

Man schätzt, dass Plastikteile erst nach 300 bis 400 Jahren vollständig abgebaut sind. Die Kunststoffteile zerbröseln durch Wasser und Wind zu Mikroplastik, d. h. zu kleinen Teilchen. An deren Oberfläche können sich Giftstoffe anlagern. Tiere nehmen die Teilchen auf, weil sie diese mit Futter verwechseln. Sie können dann trotz vollen Magens verhungern. Sehr kleine Kunststoffteilchen können auch über den Kreislauf in den gesamten Körper gelangen und sich an verschiedenen Stellen festsetzen. Untersuchungen haben gezeigt, dass es dadurch zu Entzündungen kommen kann. Über die Nahrungskette können Plastikteilchen auch vom Menschen aufgenommen werden.

Wie kommen diese großen Plastikmengen in unsere Umwelt?
Wie kommt das Plastik in unsere Weltmeere? [Quelle: Wissensplattform eskp.de]

Plastikverpackungen kommen bei uns in die gelbe Tonne, ausgediente Plastikgegenstände in den Restmüll. Abfälle aus vermischten Plastiksorten werden meistens verbrannt, gelangen also nicht ins Wasser. In vielen Ländern funktioniert die Abfallentsorgung nicht so gut wie in Europa. 80 Prozent der Plastikeinträge ins Wasser stammen von Ländern aus Südostasien. Hauptverursacher sind China, Vietnam, Thailand, die Philippinen und Indonesien. Im Internet findet man unzählige Bilder von verunreinigten Stränden. Auf der Henderson Insel, die im Pazifik liegt, wurden 38 Millionen Müllpartikel gefunden, die zu 98 Prozent aus Plastik bestehen. Da die Insel unbewohnt ist, muss der Müll angeschwemmt worden sein.

Aber auch aus Nachlässigkeit lassen Tourist*innen ihren Müll am Strand liegen, anstatt ihn in einen Abfalleimer zu werfen oder ihn mit nach Hause zu nehmen. Auch an Nord- und Ostsee sind Urlaubsgäste nicht immer vorbildlich und lassen die eine oder andere leere Verpackung am Strand liegen. Würden diese nicht von den Gemeinden eingesammelt, würden sie schnell ins Meer gelangen und langsam zu Mikroplastik zerkleinert.

Aber auch unabsichtlich gelangen Plastikteilchen in die Umwelt. Das Umweltbundesamt hat 2015 in einer Studie herausgefunden, dass in Europa das Hauptproblem der Abrieb von Autoreifen ist. Den kann man schlecht beim Fahren wieder einsammeln. Mit dem Regen gelangt dieser in die Kanalisation und anschließend in die Kläranlage. Sind die Teilchen sehr klein, können sie in der mechanischen Reinigung nicht gefiltert werden. Die Mikroorganismen der anschließenden biologischen Reinigung können die Kunststoffteilchen nicht abbauen, so landen sie in den Flüssen bzw. später im Meer.

Dasselbe Problem haben wir mit Kosmetikprodukten, die Plastikteilchen enthalten. Sie gelangen mit dem häuslichen Abwasser ebenfalls in die Kläranlage und können dort nicht aus dem Wasser entfernt werden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes handelt es sich jedoch hierbei um relativ kleine Mengen: ca. 6 – 10 Prozent der insgesamt produzierten Kunststoffmenge.

Direkt ins Abwasser gelangen auch Fasern von Synthetikkleidung. Übeltäter sind vor allem Fleecejacken und moderne Funktionskleidung. Hiervon lösen sich bei jeder Wäsche ca. 1900 kleinste Fasern, nach längerem Tragen sind es noch mehr. Nur ein kleiner Teil kann in der mechanischen Reinigung der Kläranlage gefiltert werden. Die Mikroorganismen der anschließenden biologischen Reinigung sind mit dem Problem ebenfalls überfordert. So gelangen diese Fasern direkt in die Natur.

Auch die Müllbeseitung auf See stellt ein großes Problem dar. Aus Bequemlichkeit werden Abfälle oft über Bord geworfen. Was nützen hier Verbote, wenn deren Einhaltung nicht kontrolliert werden kann. Auch versehentlich verloren gegangene Fischernetze können für Tiere eine große Gefahr darstellen, da sie sich darin verfangen und eventuell keinen Ausweg mehr heraus finden. Netze bleiben oft auch in Schiffsschrauben hängen. Eine Reparatur ist teuer und aufwändig.

Was ist zu tun?

Leider gibt es nicht DIE eine Lösung für alle Probleme mit dem Kunststoffmüll. Das Problem Plastik in Kosmetika kann man jedoch relativ einfach angehen. Dort enthaltenes Mikroplastik ist leicht durch andere umweltfreundliche Stoffe zu ersetzen: z. B. Mineralerde oder Walnussschalenpulver. Hier können wir auch als Konsumierende Druck machen und solche Produkte nicht kaufen. Dazu muss man auf die Liste der Inhaltsstoffe achten. Der BUND hat dazu eine Broschüre „Mikroplastik – Die unsichtbare Gefahr“ herausgegeben. Man kann sie kostenlos herunterladen. Seit 2014 sind erfreulicherweise schon alle Zahnpasten frei von Kunststoffen.

Schwieriger sind die Probleme „Reifenabrieb“ und „Kunststofffasern aus Textilien“. Hierfür müsste die mechanische Reinigung der Kläranlagen verbessert werden. Wenn dies überhaupt möglich ist, dann wäre es allerdings nicht ganz preiswert.

Wichtig ist es, die Länder in die Pflicht zu nehmen, die den Hauptanteil an der Verschmutzung der Meere mit Plastik haben. Hier leisten schon seit einigen Jahren internationale Organisationen einen wertvollen Beitrag. Wichtig ist der Aufbau einer geregelten Müllentsorgung, aber auch das Recycling muss gefördert werden. Abfälle sollten in allen Häfen kostenfrei entsorgt werden können, damit niemand auf die Idee kommt, sie einfach über Bord zu werfen.

Ein anderer Ansatz wird mit der sogenannten „Seekuh“ verfolgt. Der Spezialkatamaran wurde in Lübeck gebaut und im September letzten Jahres „getauft“. Er wurde von der Umweltorganisation „One Earth – One Ocean“ in Auftrag gegeben und soll Plastik aus den Meeren fischen. NABU und WWF begrüßen die Initiative, wenn große Kunststoffteile damit eingefangen werden sollen. Sie geben aber auch zu bedenken, dass das Einfangen von Mikroplastik negative ökologische Folgen haben könnte. Außerdem würde so die Vorsorge in den Hintergrund gedrängt.

Was kann ich selber tun?

Man kann vor allem dort auf Plastik verzichten, wo es keine besondere Einschränkung bedeutet. Beispiele: Eine Plastiktragetasche kann ich sehr leicht durch eine Stofftasche ersetzen. Ein Butterbrot für unterwegs kann ich leicht in einer immer wieder verwendbaren Dose mitnehmen. Anfallende Abfälle immer ordnungsgemäß entsorgen: Kunststoffverpackungen gehören in die gelbe Tonne oder in den gelben Sack. Leider darf man ausgediente Plastikgegenstände dort nicht hineingeben. Ich kann so zwar nicht die Meere retten, aber wenigstens einen kleinen Beitrag leisten, damit in Zukunft weniger Plastik produziert wird.