Gesellschaft,  Nachhaltigkeit,  Ökologie

Gute Besserung vom Universum

Gesetz der Anziehung

Liegt es im Bereich des Möglichen, dass die Corona-Pandemie ein unerwartetes Resultat aus Abermilliarden Gebeten, Wünschen und Ängsten ist? Das Virus als eine verquere Art von Erster Hilfe des Universums, um uns Menschen vor uns selbst zu retten? – Falls es dabei überhaupt um uns geht.

Ingo Heseler

Kennen Sie das Buch The Secret – Das Geheimnis von Rhonda Byrne? Ich kann diesem Ratgeber nicht allzu viel abgewinnen. Byrne versteift sich darin zu sehr auf Glück und Erfüllung durch beruflichen Erfolg und durch das Anhäufen von Geld. Wenn in dieser Gesellschaft schon alle arbeiten sollen, dann wenigstens als in schillerndem Luxus badende Workaholics. Tschakka! Im Grunde aber verkauft auch Rhonda Byrne einfache Hamsterräder als Karriereleiter. Doch leben wir nach Milliarden von Jahren der Evolution oder der Schöpfung tatsächlich deshalb nun auf dieser Erde, um einen glänzenden Job zu haben und reich zu werden? Auch wenn das jetzt vermenschlichend klingt (und im weiteren Verlauf noch Weiteres), möchte ich glauben, dass der Urknall, Gott oder welche Kraft auch immer einst die Elemente ins Rollen brachte, ein ergreifenderes Geheimnis im Sinn gehabt hat als unsere Berufswahl, unsere Gehaltsstufe oder den Deutschen Aktienindex.

Trotzdem greift Rhonda Byrne in The Secret etwas sehr Spannendes auf: das Gesetz der Anziehung; Gleiches zieht Gleiches an. Je präziser, klarer und ausdauernder in unserem Innern eine Idee, ein Wunsch, eine Haltung, aber ebenso etwa eine Angstvorstellung sei, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass daraus eines Tages auch im Außen Wirklichkeit werde. Aufmunternde Aufforderungen wie Denk positiv! oder Kopf hoch! lehnen sich an dieses Prinzip. Für diese Art Energieausgleich sorge das Universum. Auf welche Weise dies geschehe, und ob dies dann auch den eigenen Erwartungen entspreche, sei eine andere Sache.

Selbsterfüllende Prophezeihung?

„Die Erde ist freundlich. Warum wir eigentlich nicht?“, klagt Herbert Grönemeyer in seinem Lied Stück vom Himmel. Betrachte ich die weltweiten Entwicklungen in Natur- und Klimaschutz, welche es seit Beginn der Industrialisierung bis heute nie ausreichend gab, stimmen mich ihre Tendenzen sehr traurig. Ihnen zufolge werden wir Menschen es wahrscheinlich komplett vermasseln, unsere gesunde, liebevolle und umsorgende Mutter Erde zu bewahren. Nicht nur vielen Tierarten ist der Mensch es – seit der Überwindung der atomaren Bedrohung während des Kalten Kriegs ist der Mensch nun auch sich selbst wieder der größte Feind geworden. Ich befürchte, wir werden durch unsere klimapolitische Massenträgheit an uns selbst scheitern.

Das ist purer Pessimismus. Und wie verhält sich mein Pessimismus mit dem Gesetz der Anziehung, wenn Gleiches Gleiches anzieht? Ich glaube, gar nicht gut. Mit meiner Angstvorstellung könnte ich womöglich genau zu dem beitragen, was ich doch von Herzen dringend vermeiden will. Weil in mir diese starke Befürchtung existiert, die sich so oder ähnlich im Außen manifestiert. Wird der Klimakollaps also (m)eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Darin steckt vielleicht ein winziges Stückchen Wahrheit. Doch es ist zu einfach gedacht. Erstens bin ich nicht der einzige Mensch, dessen Inneres sich im Außen spiegeln möchte. Zweitens schaue ich nicht nur dystopisch durchtränkt Richtung Zukunft. Ich trage auch grüne Utopien und Zuversicht in mir.

Also hoffe ich, dass sich das Universum nicht nur diesen einen düsteren meiner Gedanken zur Brust nimmt. Bestimmt entfalten alle meine Gedanken und Gefühle ihre Wirkung nach außen; die einen stärker, die anderen schwächer – eine Art mäandernder magnetischer Mischmasch. Wann und auf welche Weise er wirkt, kann ich nur schwerlich überprüfen, geschweige denn kontrollieren. Vermutlich werde ich in den meisten Fällen noch nicht einmal eine Wirkung oder deren Ursache erkennen. Zu komplex sind einfach die Dynamik und Interaktionen der Gedanken- und vor allem die der Gefühlswelt. Zumindest aus meiner menschlichen Sicht. Das Universum hingegen durchblickt es wohl.

Das Unerwartete

Neben meinem Mäandermagnetmischmasch fließt dem Universum natürlich auch der jedes anderen Menschen zu. Überdies würde ich mich kaum wundern, sollten sogar Flora und Fauna mit dem Universum in Verbindung stehen und auf ihre besondere Weise Heilung herbeisehnen. Grund genug hätten sie. Es wäre der überfällige oder der von uns nicht wahrgenommene Aufschrei der komplett unschuldig Betroffenen. Ebenfalls könnte es sein, dass Verstorbene eine Rolle spielen. Wer weiß schon allzu genau, ob und in welcher Form ihre Energien weiterhin wirken? – Diesen galaktischen Mischmaschmegamix empfängt und verarbeitet das Universum permanent und pausenlos; sämtliche Gefühle, Gedanken, Gebete und Ängste aller Geschöpfe. In der Analytischen Geometrie wären dies unendlich viele vieldimensionale Modelle mit ebenfalls unendlich vielen Vektoren, welche unentwegt wachsen, schrumpfen, verschwinden, erneut auftauchen, sich neu ausrichten, einander umwinden, sich abstoßen oder sogar beides gleichzeitig.

Wie wäre es da, wenn dann plötzlich aufgrund all dieser miteinander vermengten vektorgleichen Energien irgendwo auf der Erde etwas völlig Unerwartetes entsteht? Etwas, das im Eiltempo den kompletten Globus umspannen kann. Etwas, das die Menschheit als Zerstörerin von Natur und Klima bekämpfen oder zumindest eindämmen könnte. Beispielsweise ein leicht übertragbares und lebensbedrohliches Virus. Biologie als Antwort auf Biologie. Einfach, um das verwundete Wunder zu retten, welches sich bereits lange vor dem Homo Sapiens ganz gut allein um die Sonne drehte. Ein Virus als absurd erscheinende Erste Hilfe. Ein Virus wie der Stromstoß eines Defibrillators, der das tödliche Kammerflimmern eines Herzens aufhebt, damit es wieder im gesunden Rhythmus schlagen kann. Ein Virus, das die Menschheit in die Knie zwingt und einen für unmöglich gehaltenen Beinahestillstand fast aller Lebensbereiche bewirkt. Ich glaube, würde dieser Stillstand, wie ihn jüngst das Corona-Virus SARS-CoV-2 nahezu weltweit ausgelöst hat, noch Jahre andauern, wäre zumindest theoretisch dem Erhalt des Klimas und der Natur vorerst einigermaßen gut gedient.

Abgeschnittene Locken wachsen nach

Nüchtern betrachtet ist es einfach nur eine von vielen Pandemien, wie sie in der Geschichte der belebten Erde schon sehr häufig aufgetreten sind. Der zurzeit etwas winselnde Kapitalismus und sein bester Freund, der Mensch, werden sich nach den Lockdown-Maßnahmen sicherlich sehr schnell zurück in die gewohnten Spurrillen der zerfahrenen Straßen des Wirtschaftswachstums begeben. Die alten abgeschnittenen Locken wachsen nach. Hamsterräder werden wieder in Schwung gebracht. Immerhin aber führt uns dieses Virus vor Augen, dass es grundsätzlich möglich ist, tiefgreifende und vor allem schnelle Veränderungen auf sehr vielen Ebenen unseres Alltags zu akzeptieren – solange die Politik den Sinn dahinter nachvollziehbar erklärt und auch dazu steht. #FightEveryCrisis

Und das Geheimnis?

Vielleicht ist das Geheimnis des Universums und das unserer Existenz gar nicht so geheim. Vielleicht dürfen wir Menschen gemeinsam mit den Tieren, Pflanzen und andersartigen Geschöpfen auf der Erde verweilen, um ihre vollkomene Schönheit zu bestaunen, sie zu bewundern und – Festhalten! – um in ihr einfach nur zu SEIN. (Das sagt sich so leicht.) Vielleicht ist es nicht mehr, aber gewiss auch nicht weniger. Es besteht jedoch die Gefahr, dass dies viele langweilt.

Schlussgedanke

Mein Artikel hier hält wahrscheinlich keiner wissenschaftlichen Analyse stand, vielleicht auch keiner grenzwissenschaftlichen. Ich kann nichts belegen. Ich habe nichts recherchiert, allerhöchstens mich selbst. Allein das fiel mir ungewohnt schwer. Es war mir lange unmöglich, mich diesen Worten hier zu nähern. Tage des tippenden Umherirrens im Labyrinth meiner Tastatur. Dann wollte ein Teil in mir dazu übergehen, meinen Verstand auf ein notwendiges Maß zu drosseln. Stattdessen sollte er meiner Intuition das Wort übergeben. Das wäre dem Schwerpunkt Spiritualität vielleicht ja sogar zuträglich. Doch mein Verstand ließ sich nicht lumpen und verbündete sich mit Selbstzweifeln und Vorwürfen („Das ist peinlich für dich, wenn du das schreibst, Ingo!“, „Das zu lesen, ist anmaßend!“). Ich glaube, der Energie zwischen den Zeilen sind diese Blockaden und Konflikte anzumerken. Das kann irritieren. Aber teilweise spiegelt es auch mein Naturell wider. Gleiches zieht Gleiches an.

Eine gekürzte Fassung dieses Artikels erschien in der BUZ-Ausgabe Mai/Juni 2020.