Was passiert nach Extremwetterereignissen?

13. Mai 2024 | Ausgabe 3 / 2024 | 0 Kommentare

Maßnahmen im Ahrtal

Klimaextreme sind keine weit entfernten Phänomene mehr. Besonders die Flut im Ahrtal 2021 hat uns das gezeigt. Eine erschreckende Katastrophe, die vielen Menschen den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Doch wie sieht es fast drei Jahre später in dem Flutgebiet aus? Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler beantwortet Fragen zum Wiederaufbau.


Farina Schwarze und Lina Jechow


1. Ist durch die Flut eine Sensibilisierung für das Thema Klimaschutz in der Stadt entstanden?

Bereits vor dem Flut-Ereignis vom Juli 2021 gab es in unserer Stadt viele Bestrebungen, die Stadt klimafreundlicher zu gestalten. Der Stadt ist es ein großes Anliegen, in Sachen Klimaschutz voranzukommen, Verantwortung für die nachfolgende Generation zu übernehmen und deutlich zu machen, dass aus der Flut-Katastrophe und ihren Folgen gelernt wurde. Daher spielt der Klimaschutz auch beim Wiederaufbau eine übergeordnete Rolle.

© Lina Jechow April‘24// Der Wiederaufbau läuft

2. Hat sich die versprochene Unterstützung von Land und Bund im kommunalen Alltag bemerkbar gemacht?

Mit dem Wiederaufbaufonds des Bundes und der Länder wurde eine große solidarische Leistung zur Unterstützung eingerichtet. Dafür sind wir sehr dankbar. Mit den zuständigen Stellen befinden wir uns in einem guten Austausch. Wir sind auf dem Weg und es wurde bereits vieles gemeinsam erreicht. Es gibt aber auch nach wie vor an manchen Stellen Nachbesserungsbedarf. So orientiert sich die Förderfähigkeit nach der Aufbauhilfe regelmäßig am Bestand vor der Flut. Das erscheint aus heutiger Sicht oft nicht sinnvoll wenn es um Barrierefreiheit und Klimaanpassung geht. Oft sind die Antragsverfahren zu kompliziert, was die Planungsprozesse weiter verzögert.

3. Hat sich die aktuelle Krisenlage weltweit auch auf das Engagement für die Stadt ausgewirkt?

Wir haben eher den Eindruck, dass das Engagement für unsere Stadt weiter anhält und sind sehr dankbar für die große Unterstützung von vielen Seiten. Einige Initiativen und Organisationen, die ihre Arbeit unmittelbar nach der Flut aufgenommen haben, haben ihr Hilfsangebot verlängert, wie beispielsweise die AHRche, der Spenden Shuttle, der Helferstab oder die Stiftung Ahrtal und viele der großen Hilfsorganisationen. So werden für unsere Stadt weiterhin wichtige Projekte realisiert und unterstützt, wie beispielsweise der Bau/Wiederaufbau neuer Spielplätze oder ein neuer Skatepark, der in den kommenden Monaten errichtet werden soll.

4. Wurden ausreichend Hochwasser gefährdete Flächen für die erneute Bebauung gesperrt?

Zuständig für die Ausweisung von Hochwasser gefährdeten Flächen ist die SGD (Struktur- und Genehmigunsdirektion) Nord. Diese hat bereits im Oktober 2021 ein vorläufig gesichertes Überschwemmungsgebiet ausgewiesen. Hier gilt grundsätzlich ein Bauverbot. Ausnahmen müssen bei der SGD Nord beantragt werden.

Die Brücke dient nun als Mahnmal

5. Wie stark waren der Einzelhandel und Gastronomie von der Flut betroffen?

Bei den IHK-Unternehmen waren im gesamten Ahrtal zirka 800 Betriebe betroffen. Bei den HwK-Unternehmen waren in der Stadt 306 von 388 Betrieben von der Flut betroffen. Gleiches gilt für 70 Prozent der Hotel- und 80 Prozent der Gastronomiebetriebe im gesamten Ahrtal. Weit überwiegend haben die Betriebe dem Standort Bad Neuenahr-Ahrweiler die Treue gehalten und wir konnten erfreulicherweise auch eine Reihe von Neuansiedlungen feststellen. Bedauerlicherweise haben einige von der Flut betroffene Betriebe aber auch von einem Wiederaufbau abgesehen und ihre Tätigkeit aufgegeben oder an andere Standorte verlagert.

6. Welche Maßnahme werden zur Prävention für Extremwetter getroffen?

Die Gewässerwiederherstellung und der damit verbundene Hochwasserschutz haben oberste Priorität in unserer Stadt. Unser Ziel, das auch einstimmig in einer Sitzung im Stadtrat Ende 2023 beschlossen wurde, ist es, einen durchgehenden Schutz der Bevölkerung und der Infrastruktur vor einem zukünftigen Hochwasser, wie es statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten ist, zu gewährleisten.

7. Inwiefern wird der Wiederaufbau klimagerecht und nachhaltig gestaltet?

Vor über einem Jahr wurde der Grundsatzbeschluss zum klimaangepassten Wiederaufbau in der Stadt gefasst.
Die bereits im Jahr 2022 beschlossene „Grünsatzung“ hat zum Ziel, die Dachbegrünung, im Stadtgebiet zu erhöhen .
Zusätzlich wurde mit dem Beschluss eines Maßnahmenkatalogs als Bestandteil des Klimaanpassungskonzepts ein wichtiger Schritt in Richtung Umsetzung des „Klimakonzepts“ gemacht.
Viele der beschlossenen Leitlinien wurden und werden im laufenden Wiederaufbau beachtet. Beispielsweise die Verwendung regionaler Materialien, insektenfreundliche Straßenbeleuchtung, die Begrünung und Entsiegelung von kommunalen Flächen.
Die Stadt hat nach der Flut mehrere Gebäude an die Fernwärme angeschlossen. Die Ahrtal-Werke bauen die Fernwärme im Stadtgebiet zudem weiter aus. Auch werden einige städtische Gebäude auf die Installation von PV-Anlagen geprüft. Im Rahmen des Wiederaufbaus wird zahlreich energieeffizienter saniert. Ein gutes Beispiel für einen veränderten Ansatz ist hier der Neubau der Kurparkliegenschaften. Die Planungen nach der Flut sind bezüglich Klimaschutz und -anpassung nochmal deutlich ambitionierter, als ohnehin schon geplant.

8. Wurden Anreize gesetzt, den privaten Wiederaufbau nicht im Gefährdungsgebiet vorzunehmen?

Die Regelungen der Aufbauhilfe sind so gestaltet, dass jedenfalls ein Wiederaufbau im von Hochwasser gefährdeten Bereichen nicht erfolgen muss. Für die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ist diese Thematik jedoch von untergeordneter Bedeutung, da in den von der SGD Nord als besondere Gefahrenbereiche klassifizierten Stadtbereichen nur vereinzelt Gebäude verortet sind.

Wir bedanken uns für das Gespräch und die interessanten Antworten.

 

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