Warum Bonner Protest so wichtig ist

8. Juli 2023 | Ausgabe, Ausgabe 4 / 2023, Dr. Susanne Gura, Gesellschaft, Nachhaltigkeit | 0 Kommentare

Dr. Susanne Gura

 

Königswinter würde mit seinen Riesen-Siedlungen in den Naturpark-Orten Vinxel und Stieldorf massiv gegen
Ziele und Grundsätze des neuen Regionalplans hinsichtlich Klima und Natur verstoßen und darüber hinaus auch noch in Bonn Verkehrschaos verursachen. Die zuständige Bezirksregierung Köln folgt trotzdem in der Regel den Wünschen der Kommunen.
Darum ist Protest aus Bonn so wichtig!

Ein Verkehrsgutachten warnt eindringlich: Durch eine weitere Besiedlung des Königswinterer Bergbereichs würden Bonner Pendlerziele während der Stoßzeiten nicht mehr erreichbar sein.
Das Kartenmaterial des Königswinterer Gutachtens reicht allerdings nicht weit genug nach Bonn, um Zahlen an den Pendlerzielen verfügbar zu machen.
In Beuel warnt das Gutachten vor einer hohen Verkehrsbelastung und Erreichen der Leistungsgrenzen von Pützchens Chaussee, B 56, Königswinterer Straße und Landgrabenweg.
Die verfügbaren Prognosen auf ausgewählten Ortsdurchfahrten haben wir in einer Übersicht zusammengestellt.
Grundlage der Gutachten-Berechnung ist der „Worst Case“, nämlich der schlimmste Fall, wenn alle ca. 27 Hektar Siedlungsbereiche in Vinxel und Stieldorf bebaut würden, die zum Zeitpunkt des Verkehrsgutachtens 2018 in der Diskussion waren. Seither hat der Stadtrat seine Wünsche an die für den Regionalplan zuständige Bezirksregierung noch weiter auf zirka 32 Hektar erhöht.
Für deren mögliche Umsetzung, sozusagen für die Steigerung des schlimmsten Falles, liegt bereits zum Zweck der Kita- und Schulplanung ein unverbindlicher Zeitplan bis 2041 vor.
Es wäre verantwortungslos, sich mit vagen Hinweisen aus Königswinter zu begnügen, dass nur ein Teil der umfangreichen Siedlungen realisiert würden, und dies vielleicht erst in vielen Jahren.
Derzeit kann man mithilfe des neuen Regionalplans diese Möglichkeiten wirksam begrenzen. Das muss nun genutzt werden. Regionalpläne werden etwa alle 20 Jahre neu aufgestellt.
Das Verkehrsgutachten empfiehlt, neue Einwohner prioritär im Königswinterer Talbereich anzusiedeln. Es hätte allerdings keine Bedenken gegen die Siedlungen in Vinxel und Stieldorf, wenn sie möglichst keinen zusätzlichen PKW-Verkehr verursachen. Das würden Anwohnende und Nutzende der Ortsdurchfahrten sicher unterstützen. Aber ist das möglich?
Eine Liste von Maßnahmen seien dazu notwendig. Wir haben sie in der BUZ-Ausgabe von Mai/Juni 2023 wiedergegeben und kommentiert. Das ist auch im Faktencheck auf unserer Webseite nachzulesen. Machbar erscheinen uns die Maßnahmen nicht. Will die Stadt Königswinter sie überhaupt umsetzen? Bisher kann man davon wenig erkennen. Beispielsweise ist die Anzahl PKW-Stellplätze im Vinxeler Bebauungsplan Alter Hobshof/Kapellenweg nicht beschränkt, und zur Vermeidung von zusätzlichem PKW-Verkehr sind weitere Maßnahmen nicht erkennbar.

Knackpunkt Pendler
Entscheidend sei nämlich, so das Gutachten, die Ansiedlung von Pendlern möglichst zu vermeiden. Die Königswinterer Siedlungspolitik will jedoch die Ansiedlung von Pendlern nicht vermeiden, sondern hat sie sogar zum Ziel. Arbeitsplätze in Königswinter reichen schon für die
vorhandenen Bürger bei weitem nicht aus.
Es geht um für Einfamilienhäuser im Grünen gefragte Lagen von PKW-Pendlern, weit überwiegend nach Bonn. Das Straßennetz in Königswinter ist laut Gutachten noch aufnahmefähig. Das durch die neuen Siedlungsbereiche prognostizierte Verkehrschaos in Bonn wurde in der Lokalpolitik beider Kommunen bisher kaum diskutiert.
Es kursiert sogar die Behauptung, dass die vom Gutachten geforderten Maßnahmen zur Vermeidung von mehr PKW-Verkehr nur für den „Worst Case“ notwendig seien. Das ist sachlich falsch.

Keine Priorität auf Regional- und Landesebene
Die Kriterien der Bezirksregierung für eine vorrangige Siedlungsentwicklung dienen einer angemessenen Erreichbarkeit, Auslastung und Tragfähigkeit der vorhandenen bzw. zu planenden Infrastruktur. Vinxel und Stieldorf erfüllen sie nicht. Die PKW-Nutzung ist schon jetzt sehr hoch und kann hier auch künftig kaum vermieden werden.
Auch der Landesentwicklungsplan NRW spricht dagegen: Siedlungsentwicklungen sollen in der Regel auf Nutzung und Abrundung bereits baulich geprägter Flächen beschränkt werden. Die Flächen bei Vinxel und Stieldorf sind nicht baulich, sondern durch Landwirtschaft geprägt.
Obwohl Königswinter gegen Ziele und Grundsätze des Regionalplans verstößt, folgt die dafür zuständige Bezirksregierung Köln in der Regel den Wünschen der Kommunen.
Auch darum ist Protest aus Bonn so wichtig!

Wohnraum nicht um jeden Preis
Von dem neuen Wohnraum für bis zu 2.400 neue Einwohner*Innen wären nur 30 Prozent bezahlbar, wie es das Königswinterer Baulandmodell von Investoren fordert (Bonn: 50 Prozent). Bis zu 800 Menschen würden also bezahlbar wohnen können.
Es würden bis zu 32 Hektar verloren gehen, ein wesentlicher Teil der Landschaft des nördlichen Naturparks Siebengebirge. Für die alltägliche Naherholung nutzen weit mehr Menschen diese Landschaft als die Anzahl neuer EinwohnerInnen. Sie ist zudem Biotopverbund und landschaftskulturelles Erbe. Ihre Böden sind amtlich schützenswert und dienen dem Klimaschutz.
Überwiegend sind Einfamilienhäuser geplant, die viel Fläche versiegeln und damit viel Grün vernichten.
Der neue Wohnraum würde zu Verkehrschaos führen – natürlich nicht nur für die Neuen, sondern für alle, die ihre Arbeitsplätze in Bonn erreichen wollen. Nicht nur PKWs würden im Stau stecken, sondern auch Busse – dort wo es keine Umweltspur gibt.

Was können Sie tun?

Nutzen Sie den Sommer für den Naturpark Siebengebirge:
Unterschreiben Sie „STOP Riesen-Siedlungen im Naturpark Siebengebirge“ bei OpenPetition und verbreiten Sie den Link. Unterschreiben dürfen Menschen jeden Alters und aus jedem Wohnort.
Downloaden Sie Bögen für je 10 Unterschriften – bisher kam fast jede zweite Unterschrift auf Papier!
Sprechen Sie über die Riesen-Siedlungen im Naturpark mit Ihren Bekannten bei allen möglichen Gelegenheiten! Wenn‘s geht, auch mit Lokalpolitiker*Innen.

Wir beraten Sie gern: Tel: 0177 669 1400,
sg@siebengebirgsregion.de (Susanne Gura)

 

 

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