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Die Sonne ist für uns alle da

„Wozu ist die Sonne da? Nachts scheint sie nicht und tagsüber ist es sowieso hell!“


Dr. Manfred Fuhrich

Diese Position offenbart ein besonderes Verständnis von Wirklichkeit. Es wird von der unmittelbaren Beobachtung der Realität abgeleitet. Man glaubt, was man sieht. Der Sonne ist das egal. Sie scheint und scheint.

Die Sonne spendet Energie

Die Sonne spendet Licht und nicht nur das, sie spendet Leben. Sie ist eine dauerhafte Energiequelle, aber der Grad der Nutzung ist dann doch Schwankungen unterworfen, wie beim Wind. Sie scheint nicht nachts (genauer: sie scheint immer, aber anderswo) und wenn Wolken aufziehen, ist die Lichtausbeute sehr unzuverlässig. Das Problem sind also die Wolken und nicht die Sonne. Große Hoffnungen dürfen auf sogenannte große „Akkufarmen“ gesetzt werden, die dazu beitragen können, die Energieversorgung in Dunkelflauten (keine Sonne, kein Wind) zu sichern.

Sonnenenergie im Überfuss

Auf jeden Quadratmeter Erdoberfläche strahlen durchschnittlich 1.000 Kilowatt. Das ist mehr als wir brauchen. An sonnigen Tagen könnte dies für eine Vollversorgung der privaten Haushalte mit elektrischer Energie ausreichen. Theoretisch. Aber in der Praxis ist dies weniger, weil es letztlich auf den Wirkungsgrad der Solarpanelen ankommt. In dieser Technologie sind in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt worden. Ein Wirkungsgrad von 24 Prozent gilt inzwischen als Standard. Verschattungen durch Bäume oder Nachbargebäude führen zu Einbußen.

Balkonkraftwerke boomen

Sonne auf‘s Dach.
Foto: Dr. Manfred Fuhrich

Aktuelle Meldungen berichten über eine Millionen installierte Balkonkraftwerke in Deutschland. Balkonkraftwerke müssen nicht genehmigt, wohl aber bei der Netzagentur im Marktstammregister gemeldet werden. Allerdings wird dies nicht kontrolliert, sodass von einer nicht unwesentlichen „Dunkelziffer“ auszugehen ist. Immerhin, diese rasant gestiegene erfasste Menge erneuerbarer Energie ersetzt ein ganzes Atomkraftwerk.

Der Begriff „Balkonkraftwerk“ hat sich in den letzten Jahren durchgesetzt. Fachlich korrekt spricht man von Steckersolarkraftwerken oder MiniSolaranlagen. In diesem weiter gefassten Begriff wird zweierlei deutlich. Zum einen müssen die Solarpanelen nicht zwingend am Balkon, genauer: an der Balkonbrüstung, montiert werden. Auch an der Hausfassade lassen sich noch gute Ergebnisse erzielen.

Mein Haus – mein Kraftwerk

Zum anderen sind solche Anlagen nutzerfreundlich. Sie können über einen Stecker direkt an das häusliche Stromnetz angeschlossen werden. Es bedarf keiner besonderen Vorkenntnisse und keiner zertifizierten Fachkräfte, um eine solche Anlage zu installieren. Mieter müssen allerdings die Zustimmung des Hauseigentümers einholen.

Steckerstreit

Lange währte ein Disput darüber, ob ein handelsüblicher Schukostecker ausreicht oder ein spezieller Stecker notwendig ist, der sogenannte „WielandStecker“. Es gibt aber keine gesetzlich verbindliche Regelung, wohl aber eine technische Norm des VDI, die z. B. hinsichtlich Versicherungsfragen relevant ist.

Restriktionen für Solarnutzung

Eine weitere Einschränkung liegt in der zulässigen Maximalleistung der Anlage. Sie ist aktuell auf maximal 800 Watt Paneldimension festgelegt. Zudem darf die Anlage insgesamt nicht mehr als 2.000 Watt Leistung erbringen.

Chancen solarer Energienutzung

Es liegt im öffentlichen Interesse, die Energieversorung nachhaltig zu sichern. Dies kann nur durch dezentrale Produktion gewährleistet werden. Letztlich hängt hiervon die Resilienz unserer technischen Infrastruktur ab. Unser zentralisiertes Energieversorgungssystem ist zu anfällig gegenüber externen Angriffe oder technisch bedingten „Blackouts“. Die große Chance für unsere Gesellschaft liegt zudem darin, dass jeder als Kleinproduzent von Energie zum Gelingen der Energiewende beitragen kann. Die kontinuierlich sinkenden Anschaffungskosten und die geringen Betriebskosten von Photovoltaik begünstigen diesen Trend. Erleichterungen ergeben sich auch durch kürzlich reduzierte Vorschriften hinsichtlich Denkmalschutz und Abstandsregelungen zum Nachbargrundstück.

Sonne auf dem Dach

Ein noch größeres Potenzial liegt in den größeren Anlagen auf dem Dach. Hier bedarf es professioneller Installation. Die Kosten für Material und Installation sind zudem signifkant höher. Diese beiden technischen Anforderungen erschweren den Einsatz im privaten Bereich. Wohl aber sind dies hervorragende Möglichkeiten für öffentliche Gebäude, wie Schulen, Kirchen. usw.

Speicher

Für ein anderes Problem bei der Nutzung von Solarenergie gibt es hoffnungsvolle neue technologische Fortschritte. Speicher waren bisher recht teuer. Sie lagen in den Anschaffungkosten höher als die Solarmodule insgesamt. Allerdings ist in letzter Zeit ein erheblicher Preisrückgang zu verzeichnen. Kleinere Speicher werden zunehmend auch für den privaten Haushalt immer erschwinglicher. Bisher hatte China ein weitgehendes Monopol. Deutschland versucht aufzuholen.

Förderprogramme

Es gibt zahlreiche Förderprogramme. Neben der Vielzahl staatlicher Solarförderprogramme bieten Kommunen zusätzliche Anreize für die Installation von Solaranlagen an privaten Gebäuden. Fortschrittliche Kommunen mobilisieren im privaten als auch in ihrem eigenen Gebäudebestand. Für private Antragsteller steht ab 1. Januar 2026 ein neues Budget für „Solares Bonn“ in Höhe von 800.000 Euro zur Verfügung. Die Stadt Bonn braucht darüber hinaus Kraftanstrengungen im öffentlichen Bestand, um ihre Spitzenposition nicht zu verlieren. So bekennen sich CDU, SPD und FDP in ihrer Kooperationsvereinbarung zu einer Solaroffensive auf öffentlichen Gebäuden.

Mehrwert ohne Mehrwertsteuer

Unabhängig von solchen Fördermaßnahmen gibt es aktuell einen viel einfacheren Weg den Kauf von Solaranlagen zu unterstützen. Der Verzicht auf die vollständige Mehrwertsteuer schon bei dem Kauf machte den Erwerb einer Solaranlage attraktiv.

Solarer Aufbruch oder Einbruch?

Allerdings wird auf Bundesebene angekündigt, die Förderung zurückzugefahren, mit dem Argument, dass sich Solarstrom auch ohne Förderung für private Anwender rentiert. Die Installation von Solaranlagen durch Private könnte so einen ähnlichen Einbruch erfahren wie der Kauf von Elektroautos. Die wiederum wären ein hervorragender Beitrag für die Speicherung von Energie. Die Wertschätzung der solaren Energie ist ein zentraler Baustein für den Erfolg der Energiewende. Global, national und eben auch in Bonn.

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