Ökologie,  Politik

Radentscheid für Bonn

Entscheidung für das Rad

Mit dem Radentscheid Bonn wollen wir die Vision einer lebenswerten, kindergerechten und klimafreundlichen Stadt Bonn umsetzen, in der sich alle sicher bewegen können. Wir haben hierfür sieben konkrete Ziele definiert. Seit Oktober 2019 haben wir an unseren Zielen gearbeitet, seit Anfang Mai sammeln wir aktiv Unterschriften.

Tobias Mandt, Sprecher Radentscheid

Ein durchgängiges Radwegenetz

Wir möchten ein durchgängiges Radwegenetz in Bonn errichten. Egal, ob von Dottendorf nach Auerberg oder von Godesberg nach Duisdorf – unser Ziel ist ein Radwegenetz, das es allen Bonner*innen ermöglicht, sich sicher, komfortabel und schnell mit dem Fahrrad zu bewegen. Uns ist dabei wichtig, dass sich der Radentscheid an alle Bonner Fußgänger*innen und Radfahrer*innen im gesamten Stadtgebiet richtet.

Neue Geh- und Radwege

Bonn benötigt dringend neue Geh- und Radwege. Dabei müssen neue Mindeststandards eingehalten werden, die den einzelnen Verkehrsträgern ausreichend Platz einräumen und ein Nebeneinander des Fuß-, Fahrrad- und Autoverkehrs ermöglichen. Das Sicherheitsempfinden von Radfahrenden ist dann am höchsten, wenn Radwege baulich vor dem Befahren, Halten und Parken durch Autos geschützt sind. Wir möchten, dass auch die Menschen mit gutem Gefühl auf ein Rad steigen können, die sich heute noch nicht auf das Fahrrad trauen.

Die Einrichtung von Radwegen und Fahrradstraßen darf aber nicht zu Lasten von Fußgänger*innen geschehen. Um deren Sicherheit zu erhöhen und um möglichen Konflikten mit Radfahrenden entgegenzuwirken, müssen Gehwege von Radwegen baulich getrennt sein.

Sichere Kreuzungen

In Bonn ist es für Autofahrende an große Straßenkreuzungen oft schwer, den großen Fahrradverkehr rechtzeitig zu erkennen. Das macht sie zu den größten Gefahrenstellen für Radfahrende im städtischen Verkehr. Zu unseren Zielen gehört daher auch ein Kreuzungsdesign, das alle Radfahrenden im direkten Blickfeld des motorisierten Verkehrs über die Kreuzung leitet.

Sichere Einmündungen

Ein weiterer häufiger Konfliktpunkt sind Straßen- und Grundstückseinmündungen. Sie sollen so gestaltet werden, dass sie sicher und barrierefrei passierbar sind. Bei Einmündungen soll der Fuß- und Radverkehr der Hauptstraße niveaugleich (also erhöht zu der Fahrbahn der Nebenstraße) weitergeführt werden.

Mehr Abstellmöglichkeiten

Um das Fahrrad für alle attraktiver zu machen, werden auch Abstellmöglichkeiten gebraucht. Wir möchten daher, dass es genügen wohnortnahe und sichere Stellplätze gibt.

Wege nutzbar halten

Die besten Wege nützen nichts, wenn sie zugeparkt sind – für ein sicheres Vorankommen müssen Rad- und Gehwege frei gehalten werden – egal, ob von Schlaglöchern, Laub, Schnee oder falschparkenden Autos. Das bedeutet auch, dass im Falle von Baustellen alle Verkehrsarten gleichberechtigt und sicher umgeleitet werden müssen.

Transparente Umsetzung

Unser letztes Ziel ist es, dass alle Bonner*innen die Möglichkeit erhalten, die Umsetzung des Radentscheids öffentlich einsehen zu können. Deshalb fordern wir, dass die Stadt jährlich einen Bericht über den aktuellen Stand veröffentlicht.

Wie es weitergeht …

Der Radentscheid Bonn hat bereits über die Hälfte der benötigten 10.000 Stimmen gesammelt. Unser Anspruch ist aber nicht nur, das erforderliche Quorum zu erreichen, sondern so viele Stimmen wie möglich zu sammeln – damit wir ein starkes politisches Signal an Stadtverwaltung und Rat senden können. Dafür zählt jede Stimme aus Bonn und dem Umland!

Nach einer gemeinsamen Aktion mit dem ADFC zum Weltfahrradtag am 3. Juni haben wir gemerkt, dass der Zuspruch auf der Straße und die Bereitschaft zu unterschreiben sehr groß sind. Am Wochenende darauf haben wir am Brassertufer gemeinsam mit „Greenpeace Bonn“ und „Parents For Future“ eine vorübergehende Radspur, eine „Pop-Up-Bikelane“, eingerichtet. So war für die zahlreichen Radelnden bequemes und sicheres Vorankommen in beide Richtungen möglich. In diesem Abschnitt gibt es keinen richtigen Radweg. Die Situation ist dort häufig konfliktbeladen und gefährlich.

Im Zuge der Corona-Krise sind viele Menschen auf das Fahrrad umgestiegen. Weltweit haben viele Städte „Pop-Up-Bikelanes“ eingerichtet. Egal, ob Brüssel oder Bogotá, die Verwaltungen haben bewiesen: Wo ein Wille ist, ist auch schnell ein Radweg. Die Stadt Bonn lehnt derzeit leider die Einrichtung temporärer Rad- und Fußwege ab.

Für die kommenden Monate planen wir viele weitere Aktivitäten, wie zum Beispiel eine „Kidical Mass“ – eine abgesicherte Rundfahrt für Familien – dort, wo normalerweise kein Platz für Kinder ist: Auf den Straßen der Bonner Innenstadt.

enn Sie uns unterstützen möchten, freuen wir uns über Ihre Unterschrift. Lesen Sie das eingelegte Informationsblatt. Noch besser, wenn Sie selbst aktiv werden möchten und mit uns sammeln! Alle Informationen dazu auf unserer Website unter www.radentscheid-bonn.de. Wer uns helfen möchte, kann sich unter mitmachen@radentscheid-bonn.de melden!

Erschienen in der BUZ 4_20