Die Geschichte der Beueler Bio Metzgereien

1. Mai 2024 | Gesellschaft, Jürgen Huber, Nachhaltigkeit, Neues-Nur Online, Ökologie | 0 Kommentare

Die Nachricht vom Bioladen MOMO in Beuel über die Aufgabe der Bio Metzgerei hat mich dazu animiert, einen Artikel über die Bio Metzgereien in Beuel zu verfassen. Seit fast 50 Jahren war es der Beueler Bevölkerung möglich, Bio Fleisch direkt vom Metzger zu erwerben.


Jürgen Huber


Die Anfänge

Als ich in den späten 1980er Jahren meinen Feinkostladen in Unkel betrieb, fuhr ich in den Westerwald, um bei kleinen Biobauern das Fleisch für meine Kundschaft zu besorgen. Diese Fahrten führte ich im Rahmen von Auslieferungsfahrten durch.
Obwohl es in Beuel einen Bio Metzger gab, fuhr ich später dann zu Hubert Schmitz nach Meckenheim. Denn der Beueler Bioland Metzger Rosenberg konnte gerade seine eigene Kundschaft versorgen.

Die Geschichte

Und so kommen wir zur Geschichte der Beueler Bio Metzgereien.
Die wohl älteste Bio Metzgerei in Beuel war nach meinen Recherchen die Metzgerei Rosenberg, eröffnet 1955 von Vater Rosenberg, damals noch nicht Bio. Der Sohn Gerhard trat in den 1980er Jahren dem Bioland Verband bei und verkaufte seit dem nur noch Biofleisch. Im Jahre 2015 mit Eintritt ins Rentenalter wurde die Metzgerei Rosenberg geschlossen, sicher damals schon weil der Sohn des jetzigen Metzgers andere Pläne hatte und wegen der vergeblichen Nachfolger*innensuche im Metzgerhandwerk.
Im ehemaligen Metzgerladen etablierte sich ein Burgerladen, die Tradition haltend mit Bio Fleisch und es wird zum Teil das Metzgereiequipment genutzt, wie beispielsweise der Fleischwolf.
Dennoch musste die Beueler Bevölkerung nicht auf Bio Fleisch verzichten, denn seit dem Jahre 2005 betreibt Bio Bauer Huth aus Erftstadt die Fleischtheke im Bioladen MOMO.

Das Ende

Doch in den letzten Jahren wurde es immer schwieriger, Personal für diese Theke zu finden, daher stellte Bernd Huth den Betrieb im Bioladen MOMO zum April des Jahres 2024 ein.
Bernd Huth sagt dazu: „Obwohl wir mehr als Mindestlohn gezahlt haben, stehen Menschen nicht Schlange, um bei uns zu arbeiten. Ganz viele wollen heute nur noch 30 Stunden die Woche arbeiten. Dann muss noch mehr Personal her, um die Theke von 8 bis 20 Uhr zu besetzen und den Kundenwünschen gerecht zu werden. Wir werden uns in Zukunft auf unsere Marktwagen konzentrieren.“

Die Herausforderung

Am Ende des Ganges; die Fleischtheke Foto: Bioladen MOMO

Das Einstellen des Thekenbetriebes stellt den Inhaber des Bioladen MOMO vor eine besondere Herausforderung.
Raoul Schaefer-Groebel sagte uns: „Die Suche nach einem neuen Metzger erweist sich als Sisyphos. Es scheint ein ebenso aussterbendes Handwerk wie echte Bäckereien zu sein!
Wir arbeiten hart an Alternativen, es gibt unter Umständen langfristige Optionen. Erst einmal haben wir die Theke zackig zu einer Selbstbedienungstheke umgebaut und das Angebot wächst von Tag zu Tag. Gute und seriöse Alternativen der 1oo%- Bio-Marken bioladen*, Bauckhof, Ökoland und anderen in Selbstbedienung. Ich finde die Theke mit vorverpackter Ware attraktiv und ansprechend, auch wenn kein Mensch dahinter steht.“

Zeitenwende mal anders

Zu Zeiten der Massentierhaltung, von Massentiertransporten und Massenschlachtungen mutet der Bio Metzger wie ein Fossil an. Doch die wenigen noch existierenden Bio Metzger können es sich nicht leisten versteinert zu sein. Verantwortungsbewusste Kundschaft gibt es gottseidank noch reichlich, und so hat manche Bio Metzgerei nicht nur mit der Fleischversorgung Probleme. Auch Personal zu finden wird aus den unterschiedlichsten Gründen immer schwieriger.
Kommen die Inhabenden ins Rentenalter, scheint es unmöglich, einen Nachfolgenden zu finden. Das haben wir ja schon gelesen.
Geschehen ist es auch vor kurzem bei einem Mehlemer Metzger, der seinen konventionellen Betrieb mangels Nachfolger schließen musste.
Es sieht so aus, als würde auch in diesem Bereich eine Zeitenwende stattfinden, die von allen Seiten viel Phantasie erfordern wird.

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