Nachhaltige Energieversorgung in Bonn
„2035 ist unsere Energie zu 100 Prozent erneuerbar“, heißt es in der 2024 veröffentlichten Broschüre „Bonner Klimaplan 2035“. Was genau damit gemeint ist und was dafür getan wird, darüber berichteten uns Jonas Michels, Leiter der Abteilung Umweltvorsorge und -planung der Stadt Bonn, und Carmen Ulmen, Programmkoor- dinatorin „Erneuerbare Energien“.
Carmen Planas

Carmen Ulmen (Programmkoordinatorin
„Erneuerbare Energien“ der Bundestadt Bonn, Foto: privat) und Jonas Michels (Leiter der Abteilung Umweltvorsorge und -planung der Bundestadt Bonn, Foto: BEA).
„Stellen Sie sich vor … Jede der circa zweitausend Sonnenstunden pro Jahr wird von zahlreichen Photovoltaik-Anlagen eingefangen. Sowohl elektrische Fahrräder und Roller als auch E-Autos, -Busse und -Bahnen werden mit dem daraus gewonnenen Strom versorgt. Sie bewegen sich klimaschonend und flexibel von A nach B.“ Die Stadt Bonn wagt online einen Blick in die Zukunft zum Thema „Bonn klimaneutral bis 2035“. Die Energieversorgung der Stadt ist hierbei ein zentrales Handlungsfeld, über das wir mit Jonas Michels und Carmen Ulmen gesprochen haben, die diese Thematik für die Stadt Bonn vorantreiben. Im Mittelpunkt der erneuerbaren Energien in Bonn: die Sonnenenergie.
Entwicklung der Photovoltaik-Anlagen
Die Entwicklung der Photovoltaik sei in Bonn steil bergauf gegangen, und zwar vorwiegend in den letzten drei Jahren. Erreicht habe die Stadt zurzeit eine Leistung von rund 81 Megawatt-Peak (MWp), so die Maßeinheit für die maximale elektrische Nennleistung von PV-Anlagen unter idealen Standardtestbedingungen. Das bedeute jedoch auch, dass wir nur gute zehn Prozent von dem Potenzial erreicht hätten, das das Solarkataster NRW für die Stadt Bonn ausgerechnet habe, nämlich 809 MWp. Dieses Potenzial werde in Bonn angestrebt. Hierfür sollen vorwiegend die Dächer mit PV-Anlagen belegt werden. Weitere 200 MWp will die Stadt auf Freiflächen erreichen, die möglichst schon versiegelt sind.
Über Stromverbrauch und Stromproduktion

Zielzustand klimaneutraler Energiemix bis 3035
Foro: Bundesstadt Bonn
Auf diese Weise sollen ungefähr 30 Prozent des zukünftigen sehr viel höheren Strombedarfs der Stadt gedeckt werden. Denn um CO2-Emissionen zu verringern, bräuchten wir mehr Strom, zum Beispiel wegen der zunehmenden elektrischen Wärmepumpen oder der gewünschten Elektromobilität. Das Ziel sei es also, dass 2035 in Bonn zu hundert Prozent erneuerbare Energie zur Stromerzeugung produziert werde. Da diese Produktion für den Verbrauch aber nicht ausreiche, müsse man den Rest aus dem Netz beziehen. Auf dieses habe Bonn jedoch keinen großen Einfluss. Zurzeit liege der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland bei knapp 60 Prozent.
Mit gutem Beispiel voran
Um erneuerbare Energien zu fördern, habe die Bonner Stadtverwaltung einige Hebel in Bewegung gesetzt. Zum einen wolle sie nach und nach mit gutem Beispiel vorangehen und lasse Photovoltaikanlagen auf städtische Liegenschaften installieren. Zum anderen erarbeite die Stadt Standards, die zum Beispiel den klimafreundlichen Neubau definieren. In diesem Sinne sollen nur noch erneuerbare Energieträger beim Heizen eingesetzt, energieeffizient gebaut oder möglichst wenig Fläche beim Bau genutzt werden. Hingeschaut werde auch darauf, was für den Bau selbst an Energie verbraucht wird. Gemeint ist hiermit die so genannte „Graue Energie“, wie Herstellung und Entsorgung von Baustoffen oder Transport.
Kommunale Förderprogramme und kostenfreie Beratung
Darüber hinaus setze die Stadt Bonn auf kommunale Förderprogramme und kostenfreie Beratung. Da gäbe es etwa die Bonner Energie Agentur (BEA), die die Bürgerinnen und Bürger zu Themen wie „energetische Sanierung“ oder „Heizungsaustausch“ unabhängig berät. Sehr erfolgreich ist wohl das Förderprogramm „Solares Bonn“ mit vielen Anträgen für Photovoltaikanlagen und Balkonkraftwerken. Ein weiteres Förderprogramm der Stadt unterstützt die energetische Sanierung von sozialgebundenen Wohnraum.
Informationen für alle
Die Bonnerinnen und Bonner sollen sich auch gut informieren können, dafür möchte die Stadt nicht nur online sorgen. Zum Beispiel lohnt es sich, die Website der BEA im Blick zu behalten (www. bonner-energie-agentur). Dort werden regelmäßig kostenfreie Informationstermine zu ausgewählten Themen angeboten, zum Beispiel rund um sinnvolle energieeffiziente Sanierungsmöglichkeiten. Die Volkshochschule bietet eine kostenfreie Veranstaltungsreihe zum Bonner Klimaplan 2035 und zum Thema „Energie für Bonn“. Auf dem Programm stehen da unter anderem Fahrradexkursionen durch das Klimaviertel Bonn oder „Solarenergie für Bonn, Förderprogramme, Bürgerinitiativen und praktische Lösungen“. Zur Kommunikationsstrategie der Stadt zählt auch die mobile Klimaplan-Ausstellung, die zurzeit in der Kreuzkirche zu sehen ist (Klimaplan-Ausstellung). Neben dem Handlungsfeld „Energie“ wird hier über alle weiteren Handlungsfelder informiert: Governance, Gesellschaft, Wirtschaft, Mobilität, Gebäude und Kompensation. Vorgestellt wird auch das Engagement der Zivilbevölkerung. Die Öffnungszeiten der Ausstellung: dienstags bis freitags von 9 bis 17 Uhr.
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