Positionen zur Wohnungspolitik II
Seit der vorigen BUZ sind die Königswinterer Wahlprogramme erschienen. Allen gemeinsam ist der nicht benannte Elefant im Raum: Das Einfamilienhaus im Grünen – flächenfressend und PKW-abhängig, aber nachgefragt.
Susanne Gura
Bezahlbar ist das Einfamilienhaus ohnehin nicht: In Königswinter ist eine halbe Million Euro der Durchschnittspreis, einer neuen Empirica-Studie zufolge, einer der höchsten Werte in NRW.
Gleichzeitig ist der Wohnungsleerstand einer der höchsten in NRW, und die Anzahl Sozialwohnungen eine der niedrigsten. Ob das geändert wird oder überhaupt geändert werden soll, das ist die Frage.
Weil Einfamilienhäuser weiter nachgefragt werden und die Eigentümer den Kommunen gute Steuereinnahmen bescheren, im Gegensatz zu Sozialwohnungen und ihren Mietern, ist das Weiter So auf katastrophale Weise programmiert, womöglich für die kommenden zwanzig Jahre. Denn trotz der absehbaren PKW-Verkehrsprobleme und massiven Schäden für Natur und Klima in der Region haben alle Königswinterer Ratsfraktionen einstimmig die Riesen-Siedlungen im Naturpark befürwortet. Nun stehen sie im Regionalplan. Die Regionalplan-Behörde hatte keine Durchsetzungsinstrumente für ihre deutlich klimafreundlicheren Ziele, und am Ende entschieden im Juli 2025 die politischen Mehrheiten im Regionalrat, nämlich CDU und SPD, für das siedlungspolitische Weiter So.
Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass der Bauflächenbedarf durch einen verdoppelten Risikoaufschlag (bis zu 50 statt 20 Prozent) erhöht worden war, aber tatsächlich noch ausreichend Reserven für die nächsten zwei Jahrzehnte vorhanden sind, um Neubau für den erwünschten Zuzug zu ermöglichen. Neue Riesen-Siedlungen sind dafür also nicht erforderlich.
In den Königswintewrer Wahlprogrammen stehen die Riesen-Siedlungen nicht. Die Wählenden befürworten sie nicht, und viele lehnen sie ab. Das enorm klimaschädliche und flächenfressende Neubauen wird mit blumigen Begriffen wie „behutsam“ und „bedarfsorientiert“ nur sehr spärlich erwähnt.
Dagegen finden Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit der neuen Gebäude umfangreiche Beachtung, obwohl sie selten kommunal geregelt werden. Und im Vergleich zum Neubauen an sich sind sie nur ein kühlender Tropfen auf den heißen Planeten.
Unser Verein wirbt seit Jahren für schnellere, billigere und umweltfreundlichere Alternativen zum Neubau von Einfamilienhäusern: Gute Beratung für Interessierte zum Umbau und Teilen von Einfamilienhäusern, und gute Angebote, damit interessierte Senioren ihre Einfamilienhäuser für kleinere, geeignete Wohnungen freiziehen können. Immerhin steht das nun in manchen Königswinterer Wahlprogrammen. Die Stadtverwaltung, die das umsetzen müsste, war bisher mehr an Investoren interessiert, trotz vieler Rückschläge bei ihren großen Projekten. An Kleinwohnungen, die umzugswillige Senioren brauchen, sind Investoren wiederum kaum interessiert.
Wo sind Unterschiede?
Es sind viele Details in den Wahlprogrammen, daher gibt es eine Übersicht auf ennertaufstieg.de. Auch das bisherige Verhalten bei siedlungspolitischen Entscheidungen ist aufschlussreich:
- Nach Protesten hat die aktuelle Koalition (KöWi/SPD/Grüne) einen zehn Hektar großen Bebauungsplan in Vinxel gestrichen. Die CDU hat sich enthalten, ebenso beim Beschluss zur Herausnahme aus dem Regionalplan. Weil der aber zu spät erfolgt ist, ist eine Bebauung weiterhin nicht ausgeschlossen.
- Die aktuelle Koalition hat aber die Erweiterung eines anderen Vinxeler Bebauungsplans, im Quellgebiet des Düfenbachs, ermöglicht. Dem hat die CDU zugestimmt, nachdem sie zuvor einen gegenteiligen Antrag nicht gewinnen konnte. Nur eine der drei Grünen hat die Bebauung des Quellgebietes abgelehnt.
Eine tabellarische Übersicht über die Wohnungs- und Siedlungspolitik der Königswinterer Kandidierenden ist auf ennertaufstieg.de zu finden.
Kein Einspruch aus Bonn
Die Bonner Politik wehrt sich leider überhaupt nicht gegen den möglichen Verlust an Naherholung und Kühlung in den Königswinterer Bergorten gleich hinter der Stadtgrenze, und gegen den PKW-Pendleranstieg vor allem an Beueler Dorfstraßen.
Die Wohnungspolitik der aktuellen Bonner Koalition ist in der BUZ Jui/August 2025 ausführlich beschrieben. Sie unterscheidet sich deutlich von der früheren CDU/FDP-Koalition: Städtische Immobilien nicht verkaufen, sondern in Erbpacht vergeben oder über die jetzt gegründete Stadtentwicklungsgesellschaft nutzen; mehr Förderwohnungen über Investorenprojekte (inzwischen 50%) und über die VEBOWAG.
Was weitere Siedlungen in den Beueler Höhenlagen betrifft, haben die Bonner Parteien unterschiedliche Standpunkte:
- CDU und FDP wollen schon seit 2017 die Pläne der Sahle Wohnen in Roleber realisieren, und auch in Hoholz und Gielgen neue Siedlungen ermöglichen, trotz Kaltluftleitbahn. Die vom früheren CDU-Oberbürgermeister vereinbarte Befreiung des Investors von den hohen Kosten für die nötige Kanalerweiterung scheint CDU und FDP egal zu sein! Am meisten betroffen wären die HolzlarerInnen, denen die Kaltluft fehlen würde und die als Anlieger womöglich den Kanal mitfinanzieren müssten.
Die Bonner SteuerzahlerInnen wüssten für die zirka 30 Millionen Euro – 75.000 Euro pro Wohnung – bestimmt eine effizientere Verwendung. Jedenfalls nicht NOCH größer bauen, damit sich ein Kanalausbau ein kleines bisschen mehr „lohnt“ – das wäre wegen der Kaltluft und wegen des Pendlerverkehrs unmöglich. Eine Seilbahnverlängerung rechnet sich nicht, hat ein städtisches Gutachten bereits ergeben. Eine Verkehrsdichte wie auf dem Venusberg mit Arbeitnehmern, Studierenden, Patienten und Besuchern käme rechtsrheinisch selbst mit dichter Wohnbebauung (die niemand will) wohl kaum zustande.
- Die Koalition (Grüne/SPD/Linke/Volt) hat der Sahle Wohnen gute städtebauliche Vorgaben gemacht, die die Kaltluft und den bestehenden Park berücksichtigen und die eine Kanalerweiterung voraussichtlich vermeiden würden. Einen Abriss des Gebäudes der ehemaligen NRW-Landwirtschaftskammer kann die Politik nicht verhindern. Daher fordern WIR die Sahle Wohnen zum Umdenken auf und laden alle zur Unterstützung unserer Petition ein.

Der QR Code führt zur Petition.
Unterschreiben kann
jede/r, Alter und Wohnort egal.

Die ehemalige Landwirtschaftskammer ist ein Musterbeispiel für ein weiter nutzbares Bürogebäude. Foto: LRBS
Kein Abriss,
sondern Weiternutzen!
Unser Verein hat eine Petition an Sahle Wohnen gestartet: Kein Abriss des Gebäudes der ehemaligen NRW-Landwirtschaftskammer in Roleber!
Fragen an die OB-Kandidierenden zur Kommunalwahl 2025
- Zur Siedlungspolitik für Bonn und Königswinter
Antworten finden Sie auf
www.ennertaufstieg.de - Zur Seilbahn für Bonn:
Antworten finden Sie auf
www.seilbahnbonn.de
und bonnerumweltzeitung.de
Wo können sich Vereine und Initiativen treffen?
Ein Aspekt des Königswinterer Wahlkampfs
Bündnis 90/ Die Grünen
- Mehr Unterstützung für Vereine und Initiativen:
Mehrzweckräume und Bürgerhäuser für Initiativen und Vereine nutzbar machen, ohne dass wiederholt teure Genehmigungen erforderlich sind - Die Verfügbarkeit gemeinschaftlicher Veranstaltungsräume verbessern
- Die Vernetzung von sozialen und kulturellen Initiativen fördern (z. B. durch aktuelle Veranstaltungskalender)
Königswinterer Wählerinitiative (KöWi)
- Schaffung von Bürgerhäusern zumindest in allen großen Stadtteilen von Königswinter
SPD
- Bürgerhäuser, Versammlungsräume oder Begegnungsstätten, je nach den Bedürfnissen der jeweiligen Ortsteile. Für ein starkes Ehrenamt sind geeignete Räume unverzichtbar.
- SPD reklamiert den Erfolg, dass die Stadt bereits Geld für Planungen und Renovierungen bereitstellt (Oelinghoven, Förderverein Bürgerhaus Ittenbach). Im Rahmen des Bauverfahrens um das ehemalige Hobshofgelände in Vinxel ist eine Versammlungsstätte vorgesehen. Auch in weiteren Ortsteilen Königswinters gibt es diese Bedarfe, so z.B. in Bockeroth.
- Raum für städtische Jugendangebote und für Vereine, die eigene Programme für Kinder und Jugendliche gestalten möchten.
CDU
- Online-Vereinsportal mit Funktionen zur Raumverfügbarkeit und Anmeldungen von Veranstaltungen
- Der persönliche Vertreter des Vinxeler Kandidaten (ein Personalkonzept der CDU Königswinter ohne Verbindlichkeit für die Position der Partei) fordert, Bürgerräume den Vereinen kostenlos zur Verfügung stellen.
Ob es bei soviel Unterstützung tatsächlich Wege aus der Misere der geschlossenen bzw zu lauten Gaststätten gefunden werden?











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