Autonom unterwegs sein
Positionspapiere deuten an wo die Reise hingehen soll. Autonom unterwegs – Was zunächst wie die Prophezeiung eines Verkehrsutopisten klingt, ist tatsächlich der Titel eines Positionspapiers des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) vom März 2025.
Dr. Rolf Tüschen
Liest man das Positionspapier Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), so scheinen die Verkehrsutopisten schon längst von der Gegenwart und nahen Zukunft überholt worden zu sein. „Der heute noch dominante Individualverkehr tritt zugunsten einer geteilten, elektrischen und autonomen Mobilität zurück.“ Und: „Öffentliche Transportsysteme ersetzen den Privatverkehr so weitreichend, dass Kommunen und Städte lebenswerter, sicherer und attraktiver werden.“
- Versuchsfahrten eines Robotaxis auf dem Universitätsklinikum Bonn Foto: Karl-Heinz Rochlitz
- Foto: Karl-Heinz Rochlitz
Robotaxis oder autonomer ÖPNV?
Wie ist der Stand der technologischen Entwicklung? Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit schreiten die Modellvorhaben im autonomen Verkehr voran. Die Robotaxis von Elon Musk oder Waymo in den USA schaffen es mitunter in die Presse, die deutschen Modellversuche zur Integration autonomer Busse in den ÖPNV werden selten erwähnt.
Hamburg ist die deutsche „Metropol-Modellregion Mobilität“.
Die Modellvorhaben der Hamburger Hochbahn AG und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH): Die Hochbahn AG plant ab 2026 einen Testbetrieb für 20 autonom fahrende Busse für je 12 Personen in verschiedenen Stadtteilen Hamburgs, ab 2029 sollen autonome Midi-Busse zum Einsatz kommen, ab 2032 Busse von 12 Metern Länge. Seit 2024 gibt es bereits ein „Autonomes Ride-pooling“ in Hamburg, Fahrten werden gebündelt in einer Flotte von VW ID Buzz. Der HVV betreibt seit 2023 den On-Demand- Service „hvv hop“, der Lücken des ÖPNV in Hamburger Randgebieten schließt und die Verknüpfung mit bestehenden Bus und Bahnlinien schafft. Dieses Angebot soll automatisiert werden.
Vom Modell zur Zukunftsvision
Aus den Ergebnissen der laufenden Modellversuche, über Hamburg hinaus, resultiert folgendes Szenario: Der Schienenverkehr bildet weiter das Rückgrat des ÖPNV. Autonom fahrende Busse in Größen von 16 bzw. 60 Plätzen schließen die Lücken im Verkehrsnetz. Ihr Einsatz wird weitgehend bedarfsgesteuert erfolgen, nicht mehr nach starren Fahrplänen. Kleine Orte mit weniger als 300 Einwohnern, die ansonsten nie vom ÖPNV angefahren werden könnten, werden so in den ÖPNV integriert. Die Nutzung von Privat-PKWs wird zunehmend unattraktiv. Robotaxis schließen die letzten Lücken im ÖPNV.
Die drastisch gesunkene Zahl von Autos in den Städten, sei es im fließenden oder ruhenden Verkehr, schafft viel Raum für sinnvollere Nutzung: Wohnungen, Grün- und Aufenthaltsflächen.
Wer ist gefährlicher, der Mensch oder das autonome Fahrzeug?
Gegen das autonome Fahren werden wiederholt Sicherheitsbedenken vorgebracht. Einzelne Unfälle mit Beteiligung eines autonomen Fahrzeugs finden ein lautes Echo in der Presse. Verschwiegen wird dann oft, dass der Unfall von einem Menschen verursacht worden war.
Das Ergebnis von Millionen Kilometern, die Robotaxis in den USA und China bereits fuhren, lautet eindeutig: Autonomes Fahren ist sicherer. Unfallgefahren entstehen im Wesentlichen durch den Menschen!
Die Technologie schreitet voran, nur die Politik steht still?
Der öffentliche Verkehr kann in 10 Jahren weitgehend autonom erfolgen, soweit die Technologie. Aber wo steht die Politik? Politische Entscheidungen zum Aufbau eines autonomen ÖPNV müssen jetzt getroffen werden. Elektromobilität wird vorrangig im öffentlichen Verkehr gebraucht. Der Bau autonomer Busse muss jetzt vorangetrieben werden.
Bislang nutzen wir unser gewaltiges Straßennetz nicht effizient. Autonomer ÖPNV kann die Zahl der Fahrzeuge auf unseren Straßen deutlich reduzieren. Zudem fahren autonome Fahrzeuge dichter, regulieren das Tempo besser, kommen mit schmaleren Fahrspuren zurecht.
Das bedeutet, bestehende Straßen und Brücken brauchen nicht mehr ausgebaut oder verbreitert zu werden. Die aktuellen Pläne zum Ausbau von Brücken und Straßen in Deutschland sind überholt. Man denke nur an die Bonner Nordbrücke und den geplanten Ausbau der A565.
Wo bleiben die Politiker, die immer Technologieoffenheit beschwören?
Sie halten an einem völlig veralteten Bundesverkehrswegeplan fest, der fortgeschrieben wurde ohne ernsthafte Überprüfung und Aktualisierung. Weiterhin beharren sie darauf, dass nur der Ausbau von Straßen unsere Verkehrsprobleme lösen könne. Neue fortgeschrittene Technologien wie der Aufbau eines autonomen ÖPNV spielen da keine Rolle. Neue Technologien müssen alten Denkgewohnheiten gegenübergestellt werden. Die Straße kann nicht länger Ort angeblicher Selbstverwirklichung im Privat-PKW sein. Es gilt, das Auto zu entmystifizieren und jetzt in die Diskussion mit den Bürgern einzusteigen. Ausschlaggebend sollten die Zukunftschancen werden, die der autonome ÖPNV eröffnet: Die Lebensverhältnisse können insbesondere in den Städten menschenfreundlicher werden. Die Menschen gewinnen riesige Flächen zurück, die das Auto ihnen genommen hatte.
Das Posititonspapier des VDV können Sie hier abrufen: https://www.vdv.de/vdv-positionspapier-autonomes-fahren-im-oepnv.pdfx

Elektronische Stellwerke der Zukunft
In den nächsten Jahren stehen diverse Generalsanierungen an. Der VCD berichtete in der letzten Ausgabe der BUZ. Stellwerke haben eine wichtige Funktion im Bahnbetrieb. Sie steuern Züge, Signale und Weichen und werden sukzessive modernisiert.

Dieses Foto zeigt die Panorama-Stellwand im Stellwerk „Kf“, Baujahr 1975
Foto: Rainer Bohnet
Rainer Bohnet

An diesem Arbeitsplatz läuft alles zusammen
Foto: Rainer Bohnet
Wenn der Hauptbahnhof einer Millionenstadt über eine Woche gesperrt wird, muss etwas Entscheidendes passiert sein. Eigentlich wollte die Deutsche Bahn in Köln ihr neues elektronisches Stellwerk in Betrieb nehmen, wurde allerdings durch einen Softwarefehler ausgebremst. Eigentlich hätte man die Sperrzeit kurzfristig absagen können, da die Umschaltung auf das neue Stellwerk jetzt Anfang 2026 erfolgen soll. Aber es waren Kabel- und Signalarbeiten fest vergeben, so dass die Sperrzeit trotzdem genutzt wurde.
Leider ist dieses Chaos nur der Anfang einer langen Leidenszeit. Die anstehenden Generalsanierungen und die Brückenerneuerungen auf Kölner Stadtgebiet werden die gesamte Region betreffen.
Zurück zu den Stellwerken. Stellwerke haben eine wichtige Funktion, da sie Signale, Weichen und Züge steuern und technisch sehr komplex sind. So werden z.B. vom Zentralstellwerk „Kf“ in Köln Hbf, das im November 1975 in Betrieb ging, über 1.000 Zugfahrten täglich gesteuert. Es ist ein Relaisstellwerk und mit einer großen Panoramawand. Es wird durch Drucktasten bedient und zwei Fahrdienstleiter pro Schicht teilen sich den östlichen bzw. den westlichen Bahnhofsteil. Das Stellwerk ist nach wie vor sicher, kommt mit jetzt 50 Jahren ununterbrochenem Einsatz aber an das Ende seiner Zeit.

Blick in den Bedienungsraum des neuen elektronischen Stellwerks Köln Hbf
Foto: Rainer Bohnet
Das elektronische Stellwerk in Köln Hbf, dessen Gebäude am S-Bahnhof Hansaring steht, besteht aus vielen Computer-Bildschirmen, vor denen die Fahrdienstleiter bestimmte Strecken- und Bahnhofsabschnitte steuern. In Betrieb ist in Köln bereits die S-Bahn, die Bahnhöfe Köln Bbf, Köln West, Köln Süd und Hürth-Kalscheuren. Diese elektronischen Stellwerke sind auch digitalfähig, können also technisch aufgerüstet werden.
Während der Generalsanierungen werden alle bisherigen Stellwerke auf beiden Rheinstrecken durch elektronische Stellwerke ersetzt. Das betrifft auch die Bahnhöfe Brühl, Sechtem, Roisdorf, Bonn Hbf, Bonn- Bad Godesberg, Remagen und Andernach. Ausgenommen von dieser Modernisierungswelle sind bisher die Stellwerke im Rangierbahnhof Köln Eifeltor.
Wir wünschen Ihnen/Euch weiterhin eine
umweltfreundliche Mobilität,
ein frohes Weihnachsfest
und alles Gute für 2026!
Der Vorstand des VCD-Kreisverbandes Bonn/Rhein-Sieg/Ahr e.V.
Der VCD – Kreisverband Bonn / Rhein-Sieg / Ahr
trifft sich an jeden letzten Donnerstag des Monats
Vorstandstreffen in nächster Zeit
sind am 29.01.2026 und am 26.02.2026
im Castelltreff
Graurheindorfer Str. 29
in 53111 Bonn-Castell












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