Vergessene Orte aufleben lassen
Städte im Wandel bringen mitunter „Lost Places“ hervor. Achtsames Bürgerengagement trägt dazu bei, dass diese Orte nicht inVergessenheit geraten und aufleben können. Einige Beispiele zeigen hierbei Bonn in Vergangenheit und Gegenwart.
Ralf Wolff
Umweltschutz und Stadtplanung stehen im Wechselspiel der Politik und Verwaltung mit der Bürgergesellschaft und all ihren Facetten, die den städtischen Raum beansprucht und nutzt.
Das Bahnhofsumfeld mit dem Planungsbereich des zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) kann hier als Beispiel dienen. Es zeichnen sich Diskussionen und daraus eine zu überarbeitende Planung im Bahnhofsumfeld und dem ZOB ab. Unter ihnen ist beispielsweise die Diskussion um alternative Aufenthaltsflächen für die so genannte ‚Szene‘.
Um hier so früh wie möglich Impulse zu geben, hat die BUZ im Hinblick auf die Infragestellung der geplanten zentralen Aufenthaltsfläche für die „Szene“ Kontakt mit den Trägern der sozialen Arbeit Diakonie und Caritas aufgenommen. Das Plädoyer der Leiterin der Ambulanten Suchthilfe für die Berücksichtigung der „Szene“ bei der gewünschten Neuplanung des Bahnhofsumfelds kann dazu beitragen, dass die Betroffenen nicht vergessen werden
Engagement der Bürgergesellschaft trägt dazu bei, dass Orte lebenwert bleiben.
Engagement, wie zum Beispiel das großartige Engagement der Bonner*innen vor zirka zehn Jahren bei der Aufstellung des „Masterplans Innere Stadt Bonn“ oder als Bonn noch Hauptstadt war, sollte nicht in Vergessenheit geraten.
Noch zu Beginn der 80er Jahre gab es den Anspruch, den Bahnhofsvorplatz als Ort der Begegnung zu konzipieren. Das war eine Vision, die gut zur international ausgerichteten Stadt als Hauptstadt oder heute UN-Stadt passte/passen würde. Unter massiver Bebauung verschwand dieser Ort der Begegnung.
Für viele Bürger*innen wurde dieser Platz zum „Lost Place“, weil sich ihrer Meinung nach die „falschen Leute“ dort aufhielten. Die Bezeichnung „Bonner Loch“ drückte dies anschaulich aus.
Die BUZ präsentiert Ihnen mit dieser Ausgabe exklusiv Eindrücke aus dem Forum der kleinen Terrassen unseres damaligen Orts der Begegnung, aufgenommen vom Hauptstadtfotografen Camillo Fischer im Rahmen des „Bonner Sommers“ 1980. Mit reger Einbindung der Passanten taten sich ein deutscher und afrikanischer bildschaffender Künstler kollegial zusammen und schufen einen „Stuhl für Bonn“.

Die Natur erobert verlassene und vergessene Orte
Foto: Jens Piepenbringk
Durch kluges Verhandlungsgeschick hielt sich beim Verlust des Status als Hauptstadt das Brach fallen vieler Orte oder deren „Kümmernutzung“ in Grenzen. Gleichwohl gab es zahlreiche Objekte, die leer fielen und für die keine baldige Nachnutzung erfolgte. Dies betraf nicht nur Einrichtungen des Bundes.
Unser Kolumnist – von Hause aus Stadtplanerbetrachtet in den Streiflichtern Beispiele in der ehemaligen „Diplomatenstadt“ Bad Godesberg und stellt dabei die Frage, ob nicht auch der Erhalt des „verlorenen“ Zustandes eine stadtentwicklungspolitische Chance darstellt.
Die Bildergalerie auf Seite 3 möchte auf interessante Orte aufmerksam machen, deren Nutzung jedoch nicht absehbar oder in weiter Zukunft liegt, weil Pläne in Schubladen in Vergessenheit geraten sind oder Bürgerengagement politisch nicht mehr gewollt war/ist. Beispiele einer geglückten Wiederbelebung von Stätten wie der ehemalige Trinkpavillion in Bad Godesberg oder die Wiedereröffnung der Beethovenhalle lassen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.
Wenig beachtete Orte aus dem Schatten zu holen, bedarf oft nur einer Änderung des Blickwinkels. Die spielerische Verschiebung von Wahrnehmung, das Erforschen, was zwischen Licht und Schatten liegt, stand auch im Mittelpunkt von Projekten des diesjährigen Weltvisionen-Festivals. Es wurde von der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis veranstaltet.
Jugendliche präsentierten hier gemeinsam mit Künstler* innen, wie sie sich zum Beispiel in Tannenbusch ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit vorstellen.
Schließlich stellen wir Ihnen auch die Situation von und den Umgang mit verlorenen Orten außerhalb von Bonn vor.
Unser Gastautor Rodenstock für die Rubrik „Unter Leuten“ reiste anlässlich des aktuellen Themas nach Italien und traf dort unsere ausländische Korrespondentin Frau Borgo. In Italien ist nämlich das Thema „Lost Places“ zuhause, mehr noch als bei uns. Nicht nur viele Bauwerke stehen leer, sondern ganze Orte sind verwaist.
Inspiriert vom Schwerpunktthema widmete sich das Naturschutzteam der Sektion Bonn des Deutschen Alpenvereins dem Überlebenskampf an „neuen Orten“ durch Auswirkungen des Klimawandels. Lesen Sie, warum sich die veränderte Situation für den Gletscherfloh als lebensbedrohlich erweist.
Bewahren wir uns lebenswerte Orte, indem wir nicht nur achtsam mit uns, sondern auch mit den Tieren und Pflanzen umgehen.
Im Gespräch mit dem Verein Schützer der Erde e.V. entdecken wir, wie sich idealistische Menschen mit Bildungsangeboten für Gemeinschaft, Tiere und Natur einsetzen.
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