Die Seite des DAV-Vier Touren widmen sich dem NRW-Doppeljubilar

6. Januar 2024 | Ausgabe 1 / 2024, DAV, Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Umwelt | 0 Kommentare

20 Jahre Nationalpark Eifel

Passend zum Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe der „Bonner Umwelt-Zeitung“ stellen wir den Leserinnen und Lesern diesmal eines der wichtigsten Waldschutzgebiete in NRW vor.


Björn Langer, 2. Vorsitzender und
Naturschutzreferent


Am 1. Januar 2024 feiert der Nationalpark Eifel, der bislang einzige in Nordrhein-Westfalen, seinen 20. Geburtstag. Das Gebiet ist damit „mehr als ein normales Mittelgebirge“, wie der mittlerweile verstorbene Christoph Lorbach, von 1997 bis 2004 Bürgermeister von Schleiden, bei der Eröffnungsfeier betonte. Die damalige Landesumweltministerin Bärbel Höhn nannte das Schutzgebiet einen „Schatz“, auf den nun „ganz Deutschland“ schauen würde. Im Jubiläumsjahr wirft auch unser Naturschutzreferent Björn Langer (mehr als nur) einen Blick auf den Nationalpark Eifel. Zum Auftakt stellt er das Schutzgebiet kurz vor.

Beginnen wir mit einigen Kerndaten. Der Nationalpark Eifel umfasst 10.700 Hektar zwischen der deutsch-belgischen Grenze bei Monschau und dem Rurtal bei Nideggen. Bei Zerkall erreicht das Reservat auf rund 200 Metern seinen tiefsten Punkt, es kulminiert am Wahlerscheid in 620 Metern Höhe. Möglich wurde die Gründung durch den Abzug der belgischen Streitkräfte vom Truppenübungsplatz Vogelsang, der im Jahr 2006 erfolgte.

Unsere Reise durch den Nationalpark starten wir im niederschlagsreichen und kühlen Süden des Gebiets. Die Höhenzüge waren (und sind teilweise noch) mit großflächigen, von Menschenhand gepflanzten Fichtenforsten, die sukzessive in natürliche Buchenwälder umgestaltet werden sollen, bestanden. Besonders im Frühjahr locken die Täler von Fuhrts- und Perlenbach, Püngel- und Wüstebach zahlreiche Besucher, blühen hier doch tausende Gelbe Narzissen. Um den Bestand an seiner westlichen Verbreitungsgrenze nicht zu gefährden, werden die Wiesen regelmäßig gemäht – einer der wenigen Eingriffe in einem Gebiet, in dem sonst das von Hans Bibelriether (von 1969 bis 1978 erster Leiter des ersten deutschen Nationalparks im Bayerischen Wald) geprägte Motto „Natur Natur sein lassen“ gelebt wird.

Lenkend greift der Mensch auch auf der Dreiborner Hochfläche sowie rund um die Wüstung Wollseifen – der Ort musste nach dem Zweiten Weltkrieg geräumt werden, da das Gebiet zum militärischen Sperrbezirk erklärt wurde – ein. Hier halten Schafherden die Landschaft offen – und schaffen einen Lebensraum, der heute in Deutschland selten geworden, aber Heimat für viele Arten ist. Dazu zählen verschiedene bodenbrütende Vögel wie Wiesen- und Baumpieper, Feldlerche oder Wachtel. Ein besonderes Erlebnis ist die Brunft der Rothirsche im Herbst – zu erleben unter anderem von einer speziell für diesen Zweck errichteten Aussichtsempore.

Auf dem Höhenzug Kermeter entwickelt sich seit zwei Jahrzehnten ein naturnaher Buchenwald – der Landschaftstyp, der unter natürlichen Bedingungen weite Teile Mitteleuropas bedecken würde. Im Frühjahr blüht der giftige Seidelbast, während im Herbst die Fruchtkörper unzähliger Pilze aus dem sterbenden und abgestorbenen Holz sprießen. Im trockenen Norden des Nationalparks dominiert schließlich die Traubeneiche. Nicht nur hier lassen sich die Spuren eines tierischen Baumeisters entdecken: vom Biber gefällte Stämme und aufgestaute Bachläufe. So schafft hier nicht der Mensch, sondern das größte Nagetier unserer Breiten neue Ökosysteme, Lebensraum für Fische, Amphibien und Libellen.

Doch der Nationalpark Eifel schützt nicht nur die Wälder, Bachtäler und Offenlandflächen mit ihren rund 11.200 nachgewiesenen Tier- und Pflanzenarten, von denen mehr als 2.500 als gefährdet oder vom Aussterben bedroht gelten, sondern auch den Nachthimmel. Dank der geringen Lichtverschmutzung, die die Milchstraße mit bloßem Auge erkennen lässt, wurde das im dichtbesiedeltsten Flächenbundesland gelegene Reservat am 5. April 2019 zum ersten deutschen Sternenpark erklärt. Damit feiert das Schutzgebiet 2024 gleich noch ein zweites Jubiläum.

Der Nationalpark ist jedoch nicht nur ein Schutzgebiet, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel – und damit ein wichtiger Geldgeber in der ansonsten strukturschwachen Region. 2022 wurden rund 1.016.000 Besuche gezählt – mehr als viermal so viel wie im Jahr der Ausweisung. Eine Studie aus den Jahren 2014/2015 zeigt, dass das Reservat in der Region bei damals 870.000 Besuchen einen Bruttoumsatz von über 30 Millionen Euro bewirkte, was rechnerisch 674 Arbeitsplätzen entspricht. Ein zweiter Nationalpark in Nordrhein-Westfalen ist in Planung, die Landesregierung möchte diesen noch in der aktuellen, 2027 endenden Legislaturperiode verwirklichen. Derzeit läuft die Gebietssuche, als „Favorit“ wird das Eggegebirge bei Paderborn gehandelt.

Wer den Nationalpark erleben möchte, ist herzlich zu vier Wanderungen eingeladen, die in vier Jahreszeiten vier verschiedene Gebiete und Lebensräume beleuchten. Anmeldung bis jeweils drei Tage vorher bei
bjoern.langer@dav-bonn.de.

Sa., 20.01.2024
Winter auf der Dreiborner Hochfläche

Strecke ca. 18 km, ca. 460 Hm im Auf- und Abstieg, Gehzeit: ca. 5 Stunden
Start (und Ende) der Wanderung ist an der Hirschaussichtempore bei Dreiborn. Hier stehen die Chancen gut – der Name lässt es erahnen – Rothirsche, die im Offenland der Dreiborner Hochfläche weiden, zu beobachten (Fernglas nicht vergessen!). Weiter geht es durch das Helingsbachtal zur Wüstung Wollseifen. Der Ort musste nach dem Zweiten Weltkrieg geräumt werden, in den folgenden sechs Jahrzehnten übten die belgischen Streitkräfte hier den Häuserkampf. Wir queren die ehemalige sogenannte NS-Ordensburg Vogelsang, bevor wir über den Aussichtsgipfel Modenhübel zu unserem Ausgangspunkt zurückkehren. Bei klarem Himmel lohnt es sich, die Dunkelheit abzuwarten: Der Nationalpark Eifel ist wegen der geringen Lichtverschmutzung auch als Sternenpark ausgezeichnet.

Sa., 13.04.2024
Frühling in den Narzissentälern

Strecke ca. 20 km, ca. 480 Hm im Auf- und Abstieg, Gehzeit: ca. 5,5 Stunden
Jedes Jahr im April lockt die Blüte der Gelben Narzisse unzählige Naturliebhaber in die Täler im Süden des Nationalparks Eifel. Wir umgehen auf dieser Wanderung die Massen, indem wir zunächst dem Lauf des Wüstebachs folgen, der uns schnell zu den beliebten Blumen führt. Am Rand der Dreiborner Hochfläche sowie am Fuß des Langerscheids können wir weitere Frühjahrsboten entdecken. Im Püngelbachtal stoßen wir schließlich auf Biberspuren, bevor wir durch Fichtenforste zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Sa., 29.06.2024
Sommer im Hetzinger Wald

Strecke ca. 16 km, ca. 420 Hm im Auf- und Abstieg, Gehzeit: ca. 4,5 Stunden
Der Hetzinger Wald im Norden des Nationalparks Eifel wird durch Eichen geprägt. An den Bachläufen lohnt es sich, nach Spuren des Bibers Ausschau zu halten, mit sehr viel Glück bekommen wir das größte Nagetier Europas in der einsetzenden Dämmerung sogar zu Gesicht (Fernglas nicht vergessen!). Und vielleicht entdecken wir auf dem Weg zurück zum Auto auch die zauberhaften Lichter der Glühwürmchen zwischen den Bäumen!?

Sa., 09.11.2024
Herbst auf dem Kermeter

Strecke ca. 23 km, ca. 470 Hm im Auf- und Abstieg, Gehzeit: ca. 6 Stunden
Unsere Wanderung führt durch die vom Herbstlaub bunt gefärbten Buchenwälder auf dem Kermeter. Vom Kloster Mariawald führt der Weg zum „Erlebnisraum Wilder Kermeter“, einem barrierefreien Naturlehrpfad. Später genießen wir von der Hirschley aus den Blick auf die Rurtalsperre, den zweitgrößten Stausee Deutschlands. Oberhalb der Urfttalsperre laufen wir schließlich zurück zum Ausgangspunkt.

Wildkatzen im Nationalpark Eifel

Wildkatze, © Foto: Pixabay


Luisa Wotruba, Referat Naturschutz


Im Nationalpark Eifel sind zahlreiche, darunter auch seltene und gefährdete, Tierarten heimisch. Eine davon ist die Europäische Wildkatze. Sie ist äußerlich nur schwer von grau-braun getigerten Hauskatzen zu unterscheiden, wirkt allerdings aufgrund ihres dichteren Fells kräftiger und größer und hat zudem einen breiteren Kopf sowie eine weniger kontrastreiche Fellzeichnung.
Vermutlich war das scheue Tier ursprünglich in weiten Teilen Mitteleuropas und fast ganz Deutschland verbreitet, bis der Mensch anfing, Wälder zu roden und somit den Lebensraum der Tiere immer weiter einzuschränken. Dies und die Jagd auf die wilden Katzen führte dazu, dass sie um 1900 in der Eifel beinahe ausgestorben waren. Mittlerweile gibt es wieder eine stabile Population von etwa 50 Tieren im Nationalpark. In der gesamten Eifel wird der Bestand auf 1.000 Tiere geschätzt, während in ganz Deutschland etwa 5.000 Tiere leben. Damit ist die Eifeler Wildkatzenpopulation die zahlenmäßig größte und bedeutendste Deutschlands. Gemeinsam mit dem Bestand in den benachbarten Ardennen ist sie außerdem die größte zusammenhängende Population Mitteleuropas.
Warum aber fühlen sich die scheuen Tiere so wohl im Nationalpark Eifel? Das liegt daran, dass die Ansprüche an ihren Lebensraum dort vergleichsweise gut erfüllt werden. Die Wildkatze benötigt möglichst ausgedehnte, zusammenhängende und ungestörte Waldgebiete, die sowohl genug Schutz als auch Nahrung sowie geeignete Aufzuchtplätze bieten. Deckungsreiche Waldbestände, Gebüsche, Dickichte sowie Höhlen bieten einen guten Ruheplatz. Auf die Jagd geht die Wildkatze bevorzugt an Waldrändern, auf Windwurfflächen oder Wiesen in Waldnähe, da sie sich hauptsächlich von Kleinsäugetieren wie Wühlmäusen ernährt.
Ebenfalls essentiell für den Bestand der Wildkatze sind geeignete Orte, an denen die weiblichen Wildkatzen ihre Jungen kriegen und aufziehen können. Natürliche Wurforte sind etwa alte Baum- oder Wurzelhöhlen, aber auch vom Menschen geschaffene Strukturen wie ehemalige Bunkeranlagen und Hochsitze werden regelmäßig genutzt. Sind nicht genügend trockene, warme und geschützte Aufzuchtplätze vorhanden, müssen die Tiere auf weniger geeignete Orte ausweichen, was den Aufzuchterfolg deutlich verringert.
Nach sechs bis acht Monaten sind die Jungtiere selbstständig und suchen sich ihr eigenes Streifgebiet. Zwar sind Wildkatzen Einzelgänger, sie haben aber regelmäßigen Kontakt zu benachbarten Individuen. Ihre Streifgebiete, die je nach Geschlecht und Nahrungsangebot zwischen drei und fünfzig Quadratkilometer groß sein können, überschneiden sich oft. Sie sind hauptsächlich in der Abenddämmerung und Nacht aktiv und extrem menschenscheu, weswegen eine zufällige Begegnung mit Wanderern und Wanderinnen äußerst selten ist. Trotzdem trifft man sie symbolisch regelmäßig im Nationalpark Eifel an: Ihr stilisierter Kopf markiert den 85 Kilometer langen Wildnis-Trail, der das Schutzgebiet in vier Etappen durchquert.

Kontakt

Geschäftsstelle des Sektion Bonn des
Deutschen Alpenvereins
Gottfried-Claren-Straße 2
53225 Bonn

Geschäftszeit:
jeden Mittwoch von 17 bis 21 Uhr
Tel.: 0228/4228470 (nur während der Geschäftszeit, sonst Anrufbeantworter)
E-Mail: info@dav-bonn.de
Internet: www.dav-bonn.de

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